Eisen Heck: Ende einer Neckarsulmer Institution

Neckarsulm  Das Traditionsgeschäft Eisen Heck in der Heilbronner Straße schließt: Inhaber Ewald Stammer hört aus Altersgründen auf. So mancher wird den Laden vermissen.

Von Julia Neuert

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25 Jahre war Ewald Stammer Inhaber, seit 1972 hat er bei Eisen Heck gearbeitet. Jetzt schließt er schweren Herzens den Laden.Foto: Andreas Veigel

Es ist ein bisschen so, als betrete man eine andere, eine alte Welt. Wer durch die Tür des Ladengeschäfts in der Heilbronner Straße geht, ist mitten drin im bunten Sammelsurium aus Praktischem, Nützlichem und Schönem. Bei Eisen Heck in Neckarsulm gibt es alles: Schrauben und Backformen, Schneeschieber oder das Hahn-und-Henne-Geschirr. Eine Neckarsulmer Institution, mit der so mancher Erinnerungen bis in die Kindheit verbindet.

So wie der große alte Apothekerschrank mit den vielen kleinen Schubladen hinter der Verkaufstheke. Keine Zierde, sondern bis heute jeden Tag in Betrieb. "Niemand hat so viele Töpfe und Pfannen verkauft wie wir", sagt Inhaber Ewald Stammer mit einem Schmunzeln. "Darauf waren wir spezialisiert."

Von 1972 an hat der heute 67-Jährige bei Eisen Heck gearbeitet, vor 25 Jahren hat er das Geschäft von seinem Vorgänger Egon Ortwein übernommen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so lange hier bin", sagt er gerührt. Wohl spätestens Mitte Juli wird dieses Kapitel Neckarsulmer Stadtgeschichte nun enden. Ewald Stammer schließt das Geschäft schweren Herzens.

Kunden stehen Schlange - drinnen und draußen

Für Nostalgie bleibt im Moment aber keine Zeit. Am 17. Mai hat der Räumungsverkauf begonnen. "Seitdem werden wir überrannt", sagt Stammer. "Schon am ersten Tag gab es einen Ansturm. Die Kunden standen drinnen und draußen Schlange." Der Inhaber freut sich, dass so viele noch einmal den Weg in sein Geschäft finden, auch wenn er und seine Mitarbeiter an ihrer Leistungsgrenze angekommen sind. Viele sind Stammkunden, alte Freunde und Bekannte. "Man kennt ja alle gut nach all den Jahren. Es sind hunderte von guten Kunden."

Dann steht Stammer auch schon wieder mit Rat und Tat zur Seite: "Den Gartenschlauch kann ich bis Montag bestellen", versichert er. Im Minutentakt gehen die Ladentüren am Vormittag auf. Die Mitarbeiter konnten die Kunden lange beraten, erzählt seine Frau Helga. "Dann ist der Chef vorbeigegangen und hat gesagt, das ist gut", sagt sie über ihren Mann. "Dann hat der Kunde es gekauft."

Mit Leib und Seele habe er sein Geschäft immer betrieben. Die Kunden haben ihm vertraut und ihn geschätzt. "Die Leute wissen, dass wir ein gutes Geschäft sind", sagt Stammer. "Das kommt uns jetzt zugute." Über den Innenhof gelangt man ins Obergeschoss. Die dort leerstehende Wohnung ist auch zu einer Verkaufsfläche geworden. Ein Raum für Küchenartikel, einer für "Männersachen", einer für reduzierte Weihnachtsartikel.

Keinen Nachfolger gefunden

Mit seinen 67 Jahren schließt Stammer aus Altersgründen. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass sich der Laden längst nur noch durch das Zusatzgeschäft mit Schlössern und Zylindern sowie Türöffnungen tragen konnte. "Gute 40 Prozent des Geschäfts waren Industrie- und Hausverwaltung." Auch die Vermieterin sei ihnen immer wohlgesonnen gewesen und wollte, dass der Laden weiter besteht. Wie lange es den Eisen Heck schon gibt, weiß keiner so genau, sagt Stammer. Um die 100 Jahre vermutlich. "Aber für uns ist einfach kein Platz mehr." Deshalb habe sich auch kein Nachfolger finden können, der den Laden weiterführt. "Es gibt einfach niemanden mehr, der die Stunden erbringen will", erklärt Stammer. "Man verdient einfach nichts."

Die Zeiten, um ein Fachgeschäft zu führen, seien vorbei. "Meine Frau hat Stunden geleistet, die nichts gekostet haben", sagt Stammer. "Es rechnet sich einfach nicht mehr." Die Problematik sei für alle Einzelhändler die gleiche: das Online-Geschäft boomt und die Kunden schätzen zwar nach wie vor die Beratung im Fachgeschäft vor Ort, sie bringt aber kein Geld. Ganz aus dem Türengeschäft will er sich noch nicht zurückziehen. "Schlösser machen wir gut und preiswert", sagt Stammer. "Da werden wir geschätzt." Rund vier Wochen wird der Ausverkauf in der Heilbronner Straße 1 noch weitergehen, dann ist Schluss.