„Wir sprachen für manchen das Sterbegebet“

Schüler am Hohenstaufen-Gymnasium recherchieren über jüdische Bürger

Von Rudolf Landauer

Email
„Wir sprachen für manchen das Sterbegebet“
Auf Tafeln präsentieren Schüler des Hohenstaufen-Gymnasiums und ihr Lehrer Bernd Wetzka (links) die Geschichte jüdischer Bürger.Foto: Rudolf Landauer

Bad Wimpfen - „Wir sehen die Häuserfassaden in Bad Wimpfens Altstadt jetzt mit anderen Augen“, bekennen sich Marie Jenne, Tobias Bartole, Beatrice Kutterer und Elena Arpogaus. Die Schüler der Klassen 12 und 13 des Hohenstaufen-Gymnasiums haben diese Erkenntnis bei einem Projekt gewonnen, das jüdische Familien und ihre Schicksale zum Inhalt hatte.

Einmal in der Woche haben sich die Vier getroffen und sich ausgetauscht. Archive in Ludwigsburg, Heilbronn und Darmstadt suchten sie auf und arbeiteten sich durch Stapel von Akten. Zeitzeugen gibt es immer weniger. Manche wollen auch gar nicht über ihre Erlebnisse reden, stellten die jungen Leute fest. Anders Otto Maisenhälder und Walter Knell, bei denen die Schüler Unterstützung fanden. In ihrem Lehrer Bernd Wetzka haben sie einen Experten, der die Geschichte Wimpfens kennt. Bis nach Amerika reichten die Kontakte. So nahmen die Vier telefonische Verbindung zu Hannelore Marx in New York auf, die dorthin emigrierte, über ihr Leben sogar ein Buch schrieb und den Schülern gern Auskünfte gab. Berührt wird man von der „Kleinen Dachauer Passion“, die Leopold Marx über den Wimpfener Juden Simon Baer schrieb, tatsächlich hieß er Adolf Baer, die das Lagerleben Dachaus beschreibt: „Wir sprachen für manchen das Sterbegebet, doch nur einer trug nach ihm Begehr. Von Wimpfen am Neckar - vergesset ihn nicht, wenn ihr zeugen sollt vor dem Letzten Gericht - den alten Simon Baer.“

Tafeln dokumentieren die Schicksale von Hedwig Baer und von Simon und Lina Strauß, die in Wimpfen ein Textilgeschäft betrieben und in der Reichskristallnacht überfallen wurden. Eine besondere Beziehung besteht zu Albert Mannheimer, der die damalige Realschule besuchte und das KZ Sobibor überlebte. 1969 starb Mannheimer in Darmstadt.