Kleine Steine gegen das Vergessen

Oedheim  Mit sogenannten Stolpersteinen wird die Gemeinde Oedheim an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt erinnern: Einstimmig befürwortete der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Montagabend das von der Kolpingfamilie angestoßene Projekt.

Von Ute Plückthun

Kleine Steine gegen das Vergessen

Elf Stolpersteine im Pflaster sollen an ermordete Oedheimer erinnern. Einer der Steine wird vor diesem Haus an der Neuenstadter Straße gesetzt.

Foto: Ute Plückthun

Mit sogenannten Stolpersteinen wird die Gemeinde Oedheim an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt erinnern: Einstimmig befürwortete der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Montagabend das von der Kolpingfamilie angestoßene Projekt. Voraussichtlich elf Steine sollen vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer durch Künstler Günter Demnig im März nächsten Jahres verlegt werden. Die Kosten von 120 Euro pro Stein werden durch Spenden finanziert.

Unter Federführung von Thomas Seitz und Wolfgang Herold sowie unter Mithilfe des Gemeindearchivars Alfons Denkinger hat die Kolpingsfamilie die Opfer von damals ermittelt und, wenn möglich, das Einverständnis ihrer nächsten noch lebenden Angehörigen zur Verlegung der Stolpersteine eingeholt. "Für Oedheim haben wir zwölf Opfer identifiziert", berichtet Thomas Seitz. "Doppelt so viele, wie bisher in der Ortsliteratur aufgeführt worden sind."

So wurden mit Isaac, Mina, Rosa und Wilhelmine Mergentheimer sowie Anna Mannheimer fünf jüdische Senioren aus der Schulstraße 5 und der Neuenstadter Straße 14 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Die Spuren von dreien verlieren sich in Treblinka.

Mit Josefine Heil, Alois Last, Paula Röser, Apolonia Schirmer und Eugen Muth sind Männer und Frauen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung bekannt, die zwischen Mai und August 1940 in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck dem Krankenmord zum Opfer fielen. Beispiel Alois Last: "Er war als junger Soldat im Ersten Weltkrieg verschüttet worden und in Weinsberg zur Behandlung", hat Thomas Seitz erfahren. Er wurde mit dem berüchtigten grauen Bus abtransportiert und vergast. Auf die Verlegung eines Stolpersteins für ein weiteres Opfer aus Lautenbach wird wegen der räumlichen Abgelegenheit verzichtet.

Die Stolpersteinverlegung soll von einer durch Bernd Herdecker gestalteten Abendveranstaltung begleitet werden, bei der Meinungs- und Religionsfreiheit sowie Krankenmorde thematisiert werden. Zudem soll eine Gedenktafel an der Oedheimer Rathauswand angebracht werden mit den Worten: "Die Vergangenheit nicht vergessen. Sich der Gegenwart stellen. In die Zukunft blicken."