Frießinger-Getreidemühle wächst und wächst

Bad Wimpfen  50.000 Tonnen Beton und 4.000 Tonnen Stahl werden an der neuen Frießinger Mühle in Bad Wimpfen verbaut. Mit 15 Millionen Euro aus eigenen Mitteln ist es die teuerste Investition in der Geschichte des Familienunternehmens.

Von Kirsi-Fee Rexin

Neue Getreidemühle wächst und wächst

63 Meter hoch wird die neue Getreidemühle. In den verschiedenen Zellen wird später mittels modernster Technik Getreide gemahlen.

"Jetzt wachsen wir 2,5 Zentimeter", sagt Willi Erich Frießinger. Es ruckelt leicht, als sich die Plattform mittels Hydraulik in die Höhe schiebt und der mächtige Rohbau der neuen Getreidemühle wieder ein Stückchen weiter in den Himmel wächst. Die 40 Bauarbeiter lassen sich davon nicht stören. In Schwindel erregenden 55 Metern Höhe und unter brennender Sonne gießen sie unbeirrt flüssigen Beton in die Stahlschalungen.

Die Gäste, darunter Bürgermeister Claus Brechter, Schulleiter Josef Knoblauch, der Förderverein des Hohenstaufen Gymnasiums Bad Wimpfen, Mitarbeiter von Volksbank und Kreissparkasse sowie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, sind hingegen beeindruckt von der Bauweise, mit der das Unternehmen Frießinger Mühle seine zweite Getreidemühle baut.

1200 Tonnen Getreide mahlen

"Mit der neuen Mühle erhöhen wir die Tagesproduktion an vermahlenem Getreide um 400 Tonnen - von bisher 800 auf 1200", erklärt Geschäftsführer Willi Frießinger junior stolz. Seit 2014 ist das Projekt in Planung. Der Auslöser: Die Nachfrage stieg stetig, auch die der Bestandskunden. Deshalb stand nach kurzer Zeit fest: Um die gewünschte Produktionsmenge an Getreide zu erreichen, muss eine zweite Mühle her. Mit 15 Millionen Euro aus eigenen Mitteln ist es die teuerste Investition in der Geschichte des Familienunternehmens.

Auf einer Grundfläche von 1000 Quadratmetern wächst der Rohbau nun direkt am firmeneigenen Neckarhafen täglich 3,2 Meter in Gleitbauweise. Hierbei bewegt sich eine Stahlschalung durch pneumatisches Heben und anhand von Kletterstangen mit Hydraulik nach oben. Der Beton muss dafür exakt zusammengesetzt sein. Nur so hat er eine ausreichende Standfestigkeit, sobald er die Schalung verlässt.

Direkt unter der Plattform sitzen weitere Arbeiter in den einzelnen Mehl- und Getreidezellen. Sie verspachteln kleine Löcher und glätten die noch feuchten Wände. Andernfalls könnten sich in die kleinen Luftlöcher Schmutz und Tiere setzen. Keine einfache Arbeit, denn in den Zellen ist es drückend heiß und stickig. Schon ohne Bewegung läuft der Schweiß. Nach Bauabschluss werden 50 000 Tonnen Beton und 4000 Tonnen Stahl verbaut und die neue Mühle 63 Meter hoch sein - höher als der Blaue Turm.

Modernste Technik kommt zum Einsatz

Neue Getreidemühle wächst und wächst

Schicht für Schicht: 40 Bauarbeiter pro Schicht gießen rund um die Uhr auf der Plattform des Rohbaus flüssigen Beton in die Stahlschalungen und erweitern das Geflecht.

Fotos: Heibel

Bestehen wird das Mühlengebäude letztlich aus zwei Abteilen: In den Silos werden Weizen, Dinkel und Roggen sowie Fertigprodukte wie Mehl, Dunst und Grieße gelagert. "In den Köpfen der Leute existiert oft noch die Vorstellung von einer Getreidemühle, bei der zwei Mühlsteine aufeinander mahlen", weiß Willi Frießinger junior. "Doch der wirkliche Mühlenbetrieb ist hochtechnisiert. Wir investieren in die modernste und effizienteste Technik, die es derzeit in Europa gibt." Technikpartner ist hier die Firma Bühler aus Braunschweig.

Im zweiten Abschnitt, in welchem die Mühlentechnik sein wird, wird unter anderem das Getreide in verschiedenen Stufen gereinigt, um Stroh, Sand, Steinen sowie kranke Körner auszusortiert. Mit Hilfe von Walzenstühlen wird es vermahlen und gesiebt. "Mit einem Ausmahlgrad von über 80 Prozent erhalten wir die höchstmögliche Ausbeute bei gleichzeitig geringem Energiebedarf." Richtig in Betrieb gehen soll die neue Mühle im Mai 2018.

"Es freut uns natürlich, wenn eine etablierte Firma sich so dynamisch weiterentwickelt und damit langfristig auch neue Arbeitsplätze schafft", findet Bürgermeister Claus Brechter. "Das neue Mühlengebäude ist von der anderen Neckarseite kaum zu übersehen. Neben dem Blauen Turm haben wir nun ein weiteres Wahrzeichen."

 

Historie

Das familiengeführte Unternehmen wurde 1859 in Kirchberg/Murr gegründet und ist seit 1988 in Bad Wimpfen im Tal angesiedelt. Es hat 200 Angestellte und zählt zu den fünf größten Mühlenbetrieben in Deutschland. Willi Frießinger junior führt das Unternehmen in fünfter Generation. Neben Mehlprodukten produziert das Unternehmen Misch- und Convenience-Produkte. Kunden sind Bäckerei-Betriebe und Industrieunternehmen.