Bürgerbahnhof ist auf Kurs

Zwei Drittel der Genossenschaftsanteile sind gezeichnet − Vinothek geplant

Von unserem Redakteur Alexander Hettich

Bürgerbahnhof ist auf Kurs
Der Sulzfelder Bahnhof ist alles andere als ein Aushängeschild. In wenigen Wochen soll die Außensanierung starten. Foto: Alexander Hettich

Sulzfeld - Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Jahr der Genossenschaften ausgerufen. Vielleicht taugen die Sulzfelder bald zum Paradebeispiel, was Genossen bewirken können. Das Projekt Bürgerbahnhof kommt in Fahrt, zwei Drittel der Anteile sind unters Volk gebracht. Ende Februar soll das Gerüst für die Außenrenovierung des maroden Gebäudes aufgestellt werden. Die Pläne für das Innenleben der Bürgerstation sind um eine Facette reicher: Eine Vinothek könnte das Nutzungskonzept ergänzen.

Vorbild Das große Vorbild hat vorgelegt: In der Allgäustadt Leutkirch machen Bürger ihren alten Bahnhof flott. Dafür hat die eigens gegründete Genossenschaft eine Million Euro eingesammelt. Sulzfeld macht es eine Nummer kleiner. Knapp eine halbe Million Euro dürfte die Sanierung des Bahnhofs kosten. An Landeszuschüssen winken rund 180 000 Euro. Etwa 300 000 Euro muss die jüngst gegründete Genossenschaft aufbringen. Sie sieht sich auf einem guten Weg. Fast 200 Anteile zu je 1000 Euro sind gezeichnet. "Leutkirch hatte zum Zeitpunkt des Baubeginns nur die Hälfte des benötigten Kapitals zusammen", zieht Christoph Zehender den Vergleich.

Der Bauingenieur bildet gemeinsam mit Gerold Kraus, der ein Küchenstudio betreibt, und Volksbank-Vorstand Werner Eigenmann den Vorstand der Genossenschaft, die den Bahnhof vom Abstellgleis holen will. "Die ganzen Verfahren laufen derzeit", sagt Zehender zum Stand der Dinge. Der Bauantrag ist gestellt, der Zuschuss beantragt. Derweil packen die Sulzfelder an. Bei den Arbeitseinsätzen zur Entrümpelung des Gebäudes waren bis zu zwei Dutzend Helfer dabei. Weiter geht es am Samstag, 11. Februar, ab 8 Uhr − Tapeten sind zu entfernen, der Keller auszuräumen. Das Projekt ist richtig in Fahrt. "Im Herbst", erwartet Zehender, "sind wir fertig." Den letzten Schliff braucht noch das Nutzungskonzept. Zwei von drei Büros in den Obergeschossen sind vermietet. Auf Ebene des Bahnsteigs richtet Gerold Kraus eine Kochschule ein, präsentiert Küchen, veranstaltet Kurse und lädt in regelmäßigen Abständen Sterneköche an den Herd.

Den geplanten großen Gemeinschaftsraum können Bürger für Veranstaltungen mieten, und für den Westflügel im Bereich der ehemaligen Gaststätte zeichnet sich eine Idee ab: Dort könnten Besucher örtliche Tropfen probieren und kaufen, berichtet Zehender: "Wir sprechen mit den Sulzfelder Winzern über eine Vinothek."

Verkauf Rainer Pfefferle vom gleichnamigen Weingut ist nicht abgeneigt. Mit der Kochschule ergäbe sich ein Anknüpfungspunkt: "Essen und Wein ist eine wunderbare Synergie." Neben einer Verkaufsstelle kann er sich Schaukästen mit Informationen vorstellen, die Besucher zu den Winzern lotsen. Für Pfefferle steht fest: "Das Thema Wein sollte im Weindorf präsent sein."