Autorität in Fragen der Heimatgeschichte

Bad Friedrichshall  Bad Friedrichshall - Er ist ein Mann der Tat. Und wenn er sich einer Sache verschreibt, lässt er nicht mehr locker. Seit mehr als 50 Jahren arbeitet Hans Riexinger die Geschichte seiner Heimatstadt Bad Friedrichshall auf. Mit unerschrockenem Forschergeist.

Von Wolfgang Müller

Autorität in Fragen der Heimatgeschichte

Hans Riexinger freut sich über den Landesarchäologiepreis, eine Nachbildung der goldenen Trinkschale des Keltenfürsts von Hochdorf.

Foto: Wolfgang Müller

Bad Friedrichshall - Er ist ein Mann der Tat. Und wenn er sich einer Sache verschreibt, lässt er nicht mehr locker. Seit mehr als 50 Jahren arbeitet Hans Riexinger die Geschichte seiner Heimatstadt Bad Friedrichshall auf. Mit unerschrockenem Forschergeist. Wenn er unterhalb der Sebastianskirche fast wie Filmheld Indiana Jones in bis dahin unbekannte Grabkammern vordringt und dort alleine die Sargdeckel aufwuchtet.

Und dass die Geschichte des Neckar-Odenwald-Limes jetzt neu geschrieben werden muss, geht auf seine spektakulären Funde in Kochendorf zurück. In Bad Friedrichshall ist der 84-Jährige längst die Autorität in allen Fragen der Heimatgeschichte. Vergangene Woche erhielt er jetzt den Ritterschlag: Im Neuen Schloss in Stuttgart wurde ihm der Archäologiepreis des Landes Baden-Württemberg für sein Lebenswerk verliehen.

"Die Auszeichnung in Stuttgart war eine große Ehre", sagt der Kochendorfer. Und schiebt sofort hinterher: "Ich teile sie mit meinem Kollegen aus Rastatt." Dann leitet er über zu den Scherben, Werkzeugen und Lanzenspitzen, die er haufenweise während seines Forscherlebens gefunden hat. Erzählt von jungsteinzeitlichen Siedlungen, mittelalterlichen Merowingern und barocken Grecken. Und eben von den Römern. Deren einstigen Wachturm bei Kochendorf er entdeckt und dessen Fundamente er 1962 in den Riedäckern ausgegraben hat.

Zwei Jahre später folgte der nächste Wachturm in der Nähe des Plattenwalds. "Ich konnte mir das nicht erklären", sagt Riexinger. Stand doch in den Geschichtsbüchern, dass der Neckar ab Bad Wimpfen flussaufwärts als natürlicher Schutzwall den Neckar-Odenwald-Limes fortgesetzt hätte. "Ich hätte mir damals nicht träumen lassen, welche Bedeutung meine Funde haben", sagt Riexinger.

Hatten sie aber. Denn Anfang der 80er Jahre sorgten Riexingers Entdeckungen römischer Scherben auf dem Lindenberg in der Neuenstädter Straße für einen Paukenschlag. Das Landesdenkmalamt schickte den Luftbildarchäologen Otto Braasch nach Bad Friedrichshall, der auf die exakten Angaben Riexingers hin ein Kastell auf dem Lindenberg nachweisen konnte. Die Fundamente schlummern im Boden. Diese Hinweise und neue geomagnetische Messungen vom Team des Leiters des Limesinformationszentrums Aalen, Dr. Stephan Bender, weisen jetzt nach: die Römer sind bei Kochendorf über den Neckar gekommen und haben dort von Duttenberg aus in kerzengerader Linie den Limes errichtet, der sie vor den barbarischen Germanen schützen sollte. "Diese Entdeckungen sind zweifellos mein größer Erfolg", sagt Riexinger. Seine Augen leuchten.

Leidenschaft Interesse an Geschichte hatte Riexinger schon als junger Mann. Dass sie seine Leidenschaft wurde, verdankt er einer Vereinbarung mit seinem Jugendfreund Karl-Hugo Popp. Der zog aus Kochendorf weg, und so schworen sich die beiden Freunde, einer Beschäftigung nachzugehen, die sie Zeit ihres Lebens miteinander verbinden würde: die Heimatgeschichte. Genau so kam es auch - bis Popp 1991 starb. Über die Jahrzehnte hat Riexinger mehr als 100 Beiträge in verschiedenen Medien publiziert, die meisten zusammen mit Popp.

Stadtarchiv Riexinger hat viele Jahre das Bad Friedrichshaller Stadtarchiv und das Kochendorfer Kirchenarchiv geleitet. Er half bei Ausstellungen mit, so auch bei der im renovierten Greckenschloss. Nicht nur konzeptionell, sondern auch mit eigenen Fundstücken, deren Liste nahezu endlos ist. "Wir leben in einer Region, in der seit der Jungsteinzeit alle Kulturen vorhanden waren", sagt Riexinger.

Die meisten Fundstücke sammelte er auf den Feldern. Einen guten Draht zu den Landwirten pflegt Riexinger seit Jahrzehnten. "Die sind offen und interessiert", sagt Riexinger. Im Gegensatz zu so manchem Bauherrn. Denn wenn der Bagger ansetzt, horcht Riexinger auf. Und da befürchte der eine oder andere, dass wegen archäologischer Funde der Bau gestoppt werden könnte. "Das stimmt natürlich nicht", sagt Riexinger. Aber manches Fundament wurde von Baggerschaufeln unwiederbringlich zerstört.