Aus Konkurrenten werden Freunde

Sportvereinigung und Sportfreunde fusionieren zur Sport Union

Von Stephan Sonntag und Angela Groß

Aus Konkurrenten werden Freunde
Bernhard Herrmann, Sportfreunde-Chef, bekommt gerade einen Anruf ...

Neckarsulm - Die Spannung im Vorfeld ist groß: Wollen nach den Funktionären auch die Mitglieder der beiden großen Neckarsulmer Sportvereine die Fusion? Zeitgleich haben die Mitglieder der Sportfreunde in der Gaststätte Wilhelmshöhe und der Sportvereinigung im Genossenschaftsheim am Freitagabend abgestimmt. Das Ergebnis: Mit jeweils weit über 90 Prozent in beiden Vereinen ist die Fusion beschlossene Sache.

19.30 Uhr, Genossenschaftsheim: Am Einlass erhält jedes Vereinsmitglied einen blauen und einen weißen Wahlzettel.

19.45 Uhr, Wilhelmshöhe: „Ich begrüße Sie zur ersten außerordentlichen Hauptversammlung. Vielleicht ist es auch die letzte“, heißt Vorsitzender Bernhard Herrmann die Sportfreunde im 60. Vereinsjahr willkommen. Von 516 Wahlberechtigten sind 145 gekommen.

19.48 Uhr, Genossenschaftsheim: Der Vorsitzende der Sportvereinigung, Martin Dorsch, darf 332 von 2770 Mitgliedern begrüßen: „Ich habe gehofft, aber nicht erwartet, dass so viele kommen.“ Beruhigt kann er die Beschlussfähigkeit feststellen, zwei anwesende Mitglieder hätten dafür schon genügt.

19.53 Uhr, Genossenschaftsheim: Dorsch erklärt den Mitgliedern das Prozedere für die geheime Wahl. Die blauen Wahlzettel sind für die Abstimmung über die neue Satzung, die weißen für die Entscheidung über die Fusion.

19.55 Uhr, Wilhelmshöhe: Der SF-Vorsitzende stimmt die Mitglieder positiv ein. Satzung und Finanzordnung seien in Ausschüssen gemeinsam geregelt worden: „Wir haben alles erreicht, was wir uns zum Ziel gesetzt haben. Die Grundlage ist geschaffen, bitte geben Sie uns Ihre Zustimmung.“ Zwei Fragen zum Finanziellen werden gestellt.

20.03 Uhr, Genossenschaftsheim: Mit 320 Ja-Stimmen wird die neue Satzung für die Neckarsulmer Sport Union beschlossen. Nur zehn Mitglieder stimmen dagegen.

20.10 Uhr, Wilhelmshöhe: Die SF-Satzung sieht keine geheime Wahl, sondern eine namentliche Abstimmung vor. Empörte Stimmen werden laut. „Die Nein-Sager stehen bitte auf und sagen ihren Namen“, bittet Herrmann. Es sind sind nur wenige. Erleichterung beim Vorstand.

20.20 Uhr, Wilhelmshöhe: Das Ergebnis: Elf Mitglieder haben gegen die Fusion gestimmt, der Rest dafür, keine Enthaltung. Beifall.

20.23 Uhr, Genossenschaftsheim: Dorsch gibt den Mitgliedern die Möglichkeit der Aussprache über die geplante Fusion. Niemand meldet sich zu Wort.

20.24 Uhr, Wilhelmshöhe: Es klingelt. Der SF-Chef hält sein Handy ans Ohr. „Ihr habt noch nicht abgestimmt?“, fragt er erstaunt. Auf das Gemurmel folgt die Erklärung für den Saal: „Die müssen geheim abstimmen. Das dauert länger.“

20.30 Uhr, Wilhelmshöhe: Ehrenmitglied und SF-Ex-Vorsitzender Herbert Emerich überbrückt die Zeit mit Dankesworten. Lobt diejenigen, „die viel Zeit und Energie in die Fusion investiert haben. Jetzt geht es darum, dem neuen Verein Leben einzuhauchen.“

20.37 Uhr, Genossenschaftsheim: Dorsch gibt das Abstimmungsergebnis der Sportfreunde bekannt. „92 Prozent haben für die Fusion gestimmt. Was mich aber noch mehr freut ist, dass ihr mit 95 Prozent Ja gesagt habt.“ Nur 16 Mitglieder stimmen gegen die Fusion. Großer Applaus im Saal.

20.38 Uhr, Wilhelmshöhe: Das Ergebnis der anderen ist da. Herrmanns Nichte Sarah ist Mitglied bei der SV und hat eine SMS geschickt. Es wird geklatscht, viele gehen wieder nach Hause.

20.45 Uhr, Genossenschaftsheim: Die meisten Mitglieder haben schon den Heimweg angetreten. „Ich bin überrascht und zufrieden. Ich hätte nicht erwartet, dass es so klar ausgeht“, sagt ein erleichterter und erschöpfter Vorsitzender Dorsch.

Aus Konkurrenten werden Freunde
... aus dem Genossenschaftsheim. Über 300 Männer und Frauen, von Jung bis Alt haben sich in dem Raum versammelt. Freudig überrascht ist man bei der SV Neckarsulm über die vielen anwesenden Mitglieder.Fotos: Angela Groß/Stephan Sonntag