Acht starke Frauen haben die Hosen an

Theatergruppe Maskerade gastierte zwei Mal mit einer Komödie in der Ballei

Von Barbara Barth

Acht starke Frauen haben die Hosen an
Die Frauen vom Chor „Cäcilia“ schmeißen auch die Beine. In der Ballei war am Wochenende bei einem Theaterstück geballte Frauenpower zu erleben.

Foto: Barbara Barth

Pralle Frauenpower war da am Wochenende auf der Bühne in der Neckarsulmer Ballei versammelt: Kein einziger Mann durfte sich bei der neuesten Produktion der Theatergruppe Maskerade blicken lassen. „Es tönen die Lieder“ war fest in weiblicher Hand.

Maskerade gründete sich vor 26 Jahren aus Angestellten der Kreissparkasse Heilbronn. Noch immer rekrutiert sich das Ensemble aus Mitarbeitern und Ehemaligen. Jedes Jahr führen sie ein meist humorvolles Stück auf. Ein starkes halbes Jahr wird ein Mal wöchentlich geprobt, ehe das neue Theaterkind das Licht der Welt erblickt. Diesmal also „Es tönen die Lieder“, eine dreiaktige Komödie von Alexandra Kiening.

Grundsatzfrage Ein kleines Dorf steht Kopf. Hajo kehrt heim. Hans-Joachim ist vor vielen Jahren in die große weite Welt hinausgegangen und ein berühmter Dirigent geworden. Nun zieht es ihn zurück in die Heimat. Da wollen sich die Dörfler nicht lumpen lassen und ihrem großen Sohn einen würdigen Empfang bereiten. Doch mit welchem Programm? Darf der Männergesangverein „Hubertus“ oder der Frauensingkreis „Cäcilia“ oder vielleicht ganz jemand anderes zum Willkommensgruß anheben? Aus dieser fundamentalen Grundsatzfrage entspinnt sich ein zweistündiges Hin und Her, bei dem letztendlich - wen wundert’s - das weibliche Geschlecht die Hosen anhat.

Acht Frauen zeigen den Männern, wo der Bartel den Moscht holt. Die Lehrerin und die Bankiersgattin samt Tochter und Mutter, die Arztfrau, die Boutique-Besitzerin, die Physiotherapeutin und die Metzgersfrau wollen mehr als das brave Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“ zum Besten geben. Sie „schneidern“ ein Lied für Hajo, ein Medley aus verschiedenen Musiken, eigenem Text, Cancan-Fummeln und einer Choreografie. Ihre Schwächen im Gesang bügeln sie mit Originalität aus. Damit schießen sie den Vogel ab, beim Dorfempfang ebenso wie bei den rund 400 Besuchern am Samstag und Sonntag in der Ballei.

Innige Abneigung Bis es soweit ist, fliegen die Fetzen. Die acht Frauen der „Cäcilia“ sind sich teilweise in inniger Abneigung verbunden. Wie das Leben eben so spielt. Wenn’s gar zu streitsüchtig wird, schmeißt Oma Adele die Beine, singt „Kalinka“ und hat die Lacher auf ihrer Seite.

Alle bekommen ihr Fett weg: Die Männer, die ob der Eigenmächtigkeit ihrer singenden Ehefrauen angesäuert sind und die fest gemauerten Hierarchien wanken sehen.

Die trottelige Kommunalpolitik und ihr Bürgermeister, der keine „Horde wild gewordener Sumpfschnepfen“ auftreten lassen will. Doch Hans-Joachim, dem unsichtbar bleibenden, aber „unheimlich gut aussehenden“ Helden gefällt, was die Frauen auf die Beine stellen. Und Chorleiterin Angela bekommt nach 19 Jahren endlich ihre heiße Jugendliebe Hajo. Ist das Leben nicht wunderbar?