Kultur-Glanzlichter trotz knapper Kasse

Große und kleine Dramen 2003 in Bad Wimpfen: Vom Kräuterweible, Festlichkeiten und Sorgenkindern

Von Klaus Thomas Heck

Das Jahr beginnt mit demEnde einer ra. Nach 46 Jahren schließt Adelgunde Gönnenwein ihr Hotel "Blauer Turm" für immer. Ihre Nachfolger wollen den in die Jahre gekommenen Touristenbetrieb nicht länger fortführen. Der Altbau wird saniert und in acht Eigentumswohnungen verwandelt.

Im Januar spürt auch die Stadtverwaltung den klammen Geldbeutel. Sinkende Steuereinnahmen, steigende Kosten. Der Vermögenshaushalt schrumpft auf ein Drittel des Vorjahres, fällige Investitionen werden auf das nötigste begrenzt. Unterhaltungskosten im Schulsektor beispielsweise werden nicht mehr finanziert. Die Sanierung des Kursaals für 2,3 Millionen Euro wird dagegen vom Gemeinderat mehrheitlich abgesegnet. Und am Neckarufer soll der Landesradwanderweg begrünt und ausgebaut werden.

Im Lauf des Jahres bessert sich das Wimpfener Zahlenwerk zwar wieder ein wenig, aber Rathauschef Claus Brechter bleibt dabei: "Wir können unsere Aufgaben nur durch mehr bürgerschaftliches Engagement schultern."

Das macht sich vielerorts längst bemerkbar. Ein privater Förderverein wird gegründet, um im Tal den Ritterstift St. Peter mit Leben zu füllen. Beim Spielplatz am Feuersee greifen ein halbes Dutzend Väter ehrenamtlich zu Hacke und Schaufel, um Platz für neues Gerät zu schaffen. Und das Solvay-Werk verabredet mit dem Hohenstaufengymnasium eine Lernpartnerschaft.

Umstritten bleibt dagegen die Trassenplanung für die Umgehungsstraße Richtung Untereisesheim. Auch im Gesundheitszentrum wird mal wieder gebangt: Weil die Patientenzahlen rückläufig sind, sollen die 200 Mitarbeiter neue Angebote entwickeln, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Im Ortskern führt die Wirtschaftsflaute zum nächsten Aus: Lederbekleidungsspezialist Adam Pfister gibt auf.

Trauer im August: Altbürgermeister Paul Doll, von 1956 bis 1976 Oberhaupt der Wimpfener, stirbt im Alter von 88 Jahren.

Weitgehend unangetastet vom Sparzwang bleibt die Kultur, das Aushängeschild der Kurstadt. Denn nach wie vor locken Tal-, Zunft- und Weihnachtsmarkt, Krippenausstellung, der historische Ortskern oder die vielen pfiffigen Museen Touristen ins Neckartal. 21 200 Übernachtungen verzeichnet die Stadtverwaltung allein im ersten Halbjahr 2003 - 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zum kulturellen Höhepunkt kommt's im Juli: Über 4000 Neugierige sehen das "Kräuterweible von Wimpfen" am Roten Turm. 60 Darsteller - Einheimische und Auswärtige, Laien und Profis - machen die historische Freilicht-Aufführung zum Vergnügen. Für Jungtalent Christiane Dollmann, die im Heimatstück die Bürgermeisterstochter spielt, geht das Bühnenabenteuer im Herbst weiter: Die 19-Jährige aus dem Neckartal beginnt eine Ausbildung an der Schauspielschule in Graz.

Auch rund um das Alte Spital hat der Nachwuchs Grund zum Jubeln: Nach zweieinhalb Jahren Pausen und monatelangen Querelen mit Anwohnern wird im Dezember das Jugendhaus wieder eröffnet. Diesmal allerdings unter der Leitung einer Elterninitiative. Eine Selbstverwaltung durch Jugendliche lehnt das Rathaus mit Blick auf die Vergangenheit diesmal ab.

Großeinsatz für die Wimpfener Feuerwehr Mitte Oktober: Bei ihrer Nachtübung in der Schulstraße simulieren die Floriansjünger eine Katastrophe. Was passiert, wenn's in den verwinkelten Altstadtgassen brennt? Zwei Monate später wird aus dem Test- der Ernstfall. Fast genau an der gleichen Stelle steht in der Nacht zum 15. Dezember das Hotel "Sonne" in Flammen. Stundenlang verhindern fast hundert Brandbekämpfer ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbargebäude. Das Fachwerkhotel dagegen brennt bis auf die Grundmauern nieder. Sachschaden: rund anderthalb Millionen Euro. Die Brandursache kann nicht mehr geklärt werden.