Nur die Nase hat ihm noch keiner gebrochen

Der Lauffener Ivan Jurcevic ist Kickbox-Weltmeister

Von Stefanie Pfäffle

Nur die Nase hat ihm noch keiner gebrochen
Nur die Nase hat ihm noch keiner gebrochen

Von Stefanie Pfäffle

Stolze 112 Kilogramm, verteilt auf 1,97 Meter Körpergröße. Größtes Hobby Kickboxen mit Vollkontakt. Und sein Kampfname ist „Rock“, Felsen. Klingt nicht gerade wie ein Typ, dem man gerne im Dunkeln begegnen möchte. Tja, und dann steht Ivan Jurcevic vor einem und ist irgendwie ein echt netter Kerl, der sagt: „Ich bin froh, dass mein Bruder das Geschäftliche bei uns erledigt, da bin ich zu weich.“

Gestern wurde der Lauffener von „seinem“ Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger im Rathaus empfangen. Der Grund: der Gewinn des verbandsoffenen Weltmeistertitels im Vollkontakt-Kickboxen in der Superschwergewichtsklasse ab 91 Kilogramm. Am 15./16. Juli fanden die Titelkämpfe im niederländischen Venlo statt und eigentlich wollte Jurcevic mit seinen 35 Jahren bei den Senioren antreten. „Aus Mangel an Teilnehmern fand dieser Wettkampf aber nicht statt, so musste ich bei den Jungfüchsen ran.“ Erfolgreich. Trotzdem beendet der gebürtige Kroate damit seine aktive Laufbahn. „Das Turnier ist jetzt zwei Wochen her und ich spüre noch alle Knochen“, erklärt er mit einem Grinsen. „Das war früher nicht so.“

Vollkontakt ist die intensivste der vier Kategorien im Amateurbereich. Bei „Formen“ geht es um die Vorführung einzelner Techniken, beim Semikontakt tippen sich die Kämpfer mit Faust oder Bein nur leicht an, beim Leichtkontakt wird bereits voll durchgezogen, aber der Kopf ist tabu. Beim Vollkontakt ist dann alles oberhalb der Gürtellinie als Trefferfläche deklariert.

Seit 23 Jahren betreibt Jurcevic seinen Sport und seine Knochenbrüche kann er schon gar nicht mehr zählen. Bloß die Nase, die sieht erstaunlich gerade aus. „Da war noch nie was, da hilft meine Größe.“

Der Adrenalinkick, sich selber etwas beweisen wollen, das hat ihn bis jetzt nach vorne getrieben und ihm zahlreiche Welt-, Europa- und Landesmeistertitel eingebracht. Jetzt will er sich noch intensiver bei „Blue Tiger GYM“ engagieren, dem Bönnigheimer Verein, den er gemeinsam mit seinem Trainer Norbert Ricetto gegründet hat. Und natürlich im dortigen Sport- und Wellnessclub, den er gemeinsam mit Bruder Daniel betreibt. „Das macht Spaß, sogar die Senioren, mit denen ich morgens Wirbelsäulengymnastik mache, haben mir immer Glück gewünscht.“

Tja, und dann gibt es da noch eine weitere Leidenschaft, der sich der Hüne ab Herbst wieder verstärkt widmen will: die Schauspielerei. Ende der 90er-Jahre absolvierte Jurcevic seine Schauspielausbildung am Kulturprojekt Spielhaus in Stuttgart. „Für die staatliche Schauspielschule war ich schon zu alt.“ Unter dem Künstlernamen „Ivan Stein“ - abgeleitet von seinem Kampfnamen „Rock“ - gab es danach zahlreiche Auftritte im Theater und im Fernsehen, wie zum Beispiel in der Daily Soap „Verbotene Liebe“. Auch in Kurzfilmen wirkte er mit, einige davon, wie etwa „Die verhexte Spieluhr“, in dem er den Teufel mimte, gewannen sogar Kurzfilmpreise.

Ob seiner Größe wird er gerne als Bösewicht besetzt. Sein Traum ist es, einmal in einem richtig guten Film bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten mitzuspielen. Vielleicht auch mal als Guter, denn Ivan Jurcevic ist ein echt netter Typ.