Er ist nicht wegzudenken aus der Schar der Weinkenner

Der Heilbronner Weinpoet Hermann Able gestaltete in Kirchheim mit seiner Ehefrau Margret eine Weinprobe, garniert mit Wilhelm-Busch-Anekdoten

Von Ulrike Maushake

Er ist nicht wegzudenken aus der Schar der Weinkenner

Seine "unwiderruflich letzte Weinprobe" bescherte Hermann Able, gemeinsam mit Ehefrau Margret, in Kirchheim. (Foto: Ulrike Maushake)

Das möchte man gar nicht glauben, dass Hermann Able sich mit dieser Weinprobe tatsächlich von seinem Publikum verabschiedet haben soll. Denn eigentlich ist er doch gar nicht wegzudenken aus der Schar der öffentlichen Weinkenner, die ihr Wissen unterhaltsam, kurzweilig und launig zum Besten geben. Aber vielleicht gelingt es ja doch noch jemandem, den 74-Jährigen zu einer "unwiderruflich allerletzten" Veranstaltung zu bewegen?

Erstmal aber steht sein Wort, und so beobachtete man mit besonderer Aufmerksamkeit diesen feinen "alten Knaben", der zusammen mit seiner Frau Margret noch einmal sein Publikum unterhält und unterrichtet. Und der es sich nicht nehmen lässt, den Wein eigenhändig auszuschenken, zurückhaltend, mit stiller Freundlichkeit und der ihm eigenen, sehr speziellen, sehr bescheidenen Vornehmheit.

Wilhelm Busch? Was kann ein Niedersachse, dessen Leben sich in der niedersächsischen Tiefebene, im Eichsfeld und am Harzrand abspielte, zum Thema Wein Gehaltvolles beitragen? Es heißt aber, dass der Humorist, besonders im Alter, dem Rebensaft mehr zugesprochen haben soll als dem Bier, sagt Margret Able, die die Ausführungen zu Wilhelm Busch vortrug.

Und viele der zitierten Aphorismen und Zweizeiler zum Thema Trinken lassen sich ohne Weiteres in einer Weinprobe anführen: "Ein Trinkgefäß, sofern es leer, bringt keine rechte Freude mehr" oder "Enthaltsamkeit ist das Vergnügen, das wir an Sachen haben, welche wir nicht kriegen".

Der Ehe hat sich der Humorist enthalten. Ob mit Vergnügen oder nicht, das sei dahingestellt. 1832 wurde er, in der Nähe von Hannover, in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren. Seine Eltern seien so häuslich gewesen, erzählt Margret Able, dass sie in 20 Jahren nur einmal ausgingen. In Düsseldorf hat er Kunst studiert, in München und in Antwerpen. Als Mitarbeiter des "Münchner Bilderbogens" und der "Fliegenden Blätter" gelangte er schnell zu einiger Berühmtheit, vor allem mit dem Erscheinen seiner Bildergeschichte "Max und Moritz".

Heiterkeit, Lachen und Wärme macht sich breit, unter den etwa 50 Zuhörern unter dem Glasdach der Schule, die sich durch die acht Weinsorten hindurchschmecken und -riechen, die Able kundig und mit Liebe präsentiert und mit eigenen Versen und Sprüchen garniert. "Den Trollinger nennt man bei uns die gute Milch der Schwaben, das Euter ist ein Weinfasshahn, durchs Spundloch keck geschlagen."

Vielen Themen hat sich der Wengerter Able gewidmet. Sechs Bücher sind im Laufe der Jahre von ihm erschienen, mit Gedichten, Sprüchen und Erzählungen. Sie sind so liebenswürdig wie ihr Autor, der Zeit seines Lebens zunächst an der Kultivierung des Weins gearbeitet hat, um sich als Senior der Kultivierung des Weingenusses zu widmen. Und nun will er sich verabschieden? Vielleicht gelingt es ja doch jemandem, ihn zu einer allerletzten und allerallerletzten Weinprobe zu bewegen.