Viele Jahrzehnte war er die "kulturelle Instanz"

Der Güglinger Ehrenbürger Hermann Krauß wäre am 5. Dezember 100 Jahre alt geworden - Sein Nachlass wurde jetzt geordnet

Von Irmhild Günther

Dem Andenken an Hermann Krauß kann man erst anhand seines Nachlasses an Büchern, Bildern, Tonaufnahmen und Dokumenten gerecht werden. Seine große, bis zum hohen Alter erhalten gebliebene Produktivität ist daran abzulesen - und die akribische Genauigkeit seines Wesens. Renate und Werner Wegner haben den Nachlass von Hermann Krauß geordnet. Die wertvollen Zeitdokumente sollen ins Güglinger Archiv aufgenommen werden und stehen damit jedermann zur Verfügung.

Neben Büchern und großen Dokumentationen der jüngsten Geschichte sind Belege, Zeugnisse, Korrespondenzen und vieles andere erhalten geblieben und sorgfältig von ihm aufbewahrt worden. Da ist zum Beispiel ein Telegramm aus dem Jahr 1932: Hermann Krauss teilt seiner Frau Marie nach Itzelberg auf der Schwäbischen Alb mit, dass er in Güglingen eine gute Stelle und eine schöne Wohnung erhält. Auf die raue Alb, wo beide herstammen, geht die Nachricht, dass das Zabergäu eine der gesegnetsten und fruchtbarsten Landschaften Württembergs sei, dazu eine skizzierte Karte der neuen Heimat.

Das Klavier - eine damals große Anschaffung - kam mit nach Güglingen, es wurde in fünf Jahren abgestottert und war 1934 bezahlt.

Ein Brief des damaligen Stadtpfarrers Wagner enthält die Aufzählung der Pflichten als Organist und Leiter des Kirchenchores und das geringe Entgelt dafür. Eine Aufstellung des Lehrergehaltes in den ersten Jahren belegt von 203,87 bis 207,07 Reichsmark die finanziellen Verhältnisse eines Lehrers in jenen Anfangsjahren im Zabergäu.

1948 geht an das Kultusministerium der Antrag, den Liederkranz Güglingen übernehmen zu dürfen. Noch im Jahr 1962 wurde Schulrat Krafft angefragt, ob ein Geschenk vom Gesangverein, ein Erholungsaufenthalt in Mittenwald, angenommen werden dürfe. Nach dem Krieg leistet Hermann Krauß alle ehrenamtlichen Tätigkeiten unentgeltlich. In der russischen Gefangenschaft hatte er sich geschworen, wenn er je wieder aus dieser Hölle käme, dies so zu handhaben.

Die traumatischen Erlebnisse von Krieg und Nachkriegszeit hat er in vielen Büchern, die im Selbstverlag erschienen, geschildert. Seine Recherchen galten noch bis in die 90er Jahre hinein unter anderem den Konzentrationslagern in Baden-Württemberg. Vom Ende des Krieges im Zabergäu hat er Erlebtes von Zeitgenossen aufgezeichnet und im Güglinger Amtsblatt abdrucken lassen. Bekannt ist auch seine Veröffentlichung "Als kleiner Mann im großen Jahrhundert".

Hermann Krauß hat sich vieles auch in Gedichten von der Seele geschrieben. Zum Tod seiner Frau sind rührende Zeilen im Nachlass. Noch im Jahr 2000 verfasste er ein Schmähgedicht auf die Naziherrschaft. Im Alter von 96 Jahren schrieb er: "Muss ich nächstens hier von hinnen, weil die letzte Stunde schlägt? Neue Welt wird dort beginnen, wohin mich mein Engel trägt." Hermann Krauß hat das gesegnete Alter von 98 Jahren erreicht.