Die Kalkspur zur heimlichen Geliebten

Karl Schäffer erinnert sich, welcher Schabernack früher in und um Lauffen zum 1. Mai getrieben wurde

Von Ulrike Kieser-Hess

Hexen reiten auf Besen zum Meeting auf den Brocken, in Österreich gibt es eine Unruhnacht, und auch bei uns muss man in der Nacht zum 1. Mai aufpassen - besonders auf "alles leicht Entfernbare", so der Lauffener Karl Schäffer. Er erinnert sich an die Zeit, in denen schon "ganz schön Schabernack getrieben wurde".Wie früher bei Schwester Rösle vom Lauffener Kindergarten in der Schulstraße. Fast jedes Jahr am 1. Mai eilte sie Hilfe suchend zum Nachbarn Karl Schäffer - hatten doch die ungebetenen nächtlichen Besucher mal wieder die schweren Fensterläden ausgehängt und fortgetragen. Allerdings wussten die Nachbarn schon, wo an der Zaber die Läden wieder zu finden waren. Es ging ja nur ums Verstecken in dieser Nacht.So manches junge Mädchen in Lauffen ist früher in der Walpurgisnacht hinterm Fensterladen gestanden und hat gelauscht. Ob ihr nämlich ein Maibaum ans Fenster gelehnt wird. Als Zeichen ihrer Verehrung haben die jungen Männer im Wald frische Birken abgesägt und sie ans Haus der Auserwählten gelehnt. Die Bäume, "die bis zu vier Meter hoch waren", so Karl Schäffer, kamen in einen Eimer mit Wasser. Schließlich sollten sie am Morgen noch frisch sein. Und außerdem wurden die Maibäume gut am Haus festgebunden, damit ihn sich ein fauler Verehrer nicht einfach schnappen und für seine Zwecke verwenden konnte. Oft wurden auch Wachen aufgestellt.Manche heimliche Freundschaft wurde in der Nacht zum 1. Mai aufgedeckt. Zogen doch Freunde des Paares eine gut sichtbare Spur aus mit Wasser angerührtem Kalk von Haus zu Haus. Junge Frauen, die ihren Verehrer nicht erhört hatten, bekamen dafür als Quittung in der Nacht ein Rebenbüschel ans Haus gehängt - nach dem Motto: Da wird nichts mehr draus, das ist vergebliche Liebesmüh'.Das Zerlegen von Gerätschaften oder Karren gehört zu den alten Walpurgisnachtsbräuchen. In Ilsfeld haben die "wilden Kerle" in den 50er Jahren sogar einen ganzen Gespannwagen zerlegt und ihn auf den Kirchturm gezogen, weiß Schäffer.Bis 1939 gab es in Lauffen am 1. Mai einen Festumzug. Maria Schäffer erinnert sich, dass sie angesichts von Maikönig und Maikönigin auf geschmückten Wagen als kleines Mädchen an der Hand ihres Onkels davon geträumt hat, auch einmal Maikönigin zu sein.Recht deftige Späße sind ebenfalls überliefert: So wurden Jauchefässer an Türklinken gebunden, sodass sie beim Öffnen ihren Inhalt auskippten oder Brunnenrohe in Wohnstuben umgeleitet. Doch "so was kenne ich aus Lauffen nicht", sagt Karl Schäffer und lacht.Heute werden Autos und Laternenmasten mit Toilettenpapier umwickelt oder mit Rasierschaum verziert. Vorsichtige sichern Gartenbank und Gartentor vor Schabernack in der Walpurgisnacht, die der Patronin der Mägde und Beschützerin der Zauberkunst - der heiligen Walpurga, 778 als btissin des Klosters Heidenheim gestorben - gewidmet ist.