Gefährdet Umgehung die Zabergäubahn?

Region  Neuer Gegenwind für die Umgehung Güglingen-Pfaffenhofen: Sowohl der BUND-Regionalverband Heilbronn-Franken als auch der Verein Zabergäu pro Stadtbahn haben beim baden-württembergischen Landtag eine Petition eingereicht.

Von Thomas Dorn

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Gefährdet Umgehung die Zabergäubahn?
Auch in Pfaffenhofen liegen die alten Gleise der Zabergäubahn noch. Dass ein Teil des Bahnkörpers der Umgehung weichen muss, ist Grund für die Petition.Foto: Archiv/Muth

Ziel der in Teilen gleichlautenden Schreiben ist die Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses für die Umgehungsstraße. Das Hauptargument: Der Trassenverlauf der geplanten Straße gefährde die Reaktivierung der Zabergäubahn.

Der Planfeststellungsbeschluss war Ende März 2017 nach langem Vorlauf und diversen Anhörungsrunden vom Regierungspräsidium Stuttgart erlassen worden. Dass BUND und Stadtbahnverein den Beschluss nachträglich anfechten, begründet BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer so:

"Der normale Verwaltungsweg ist ausgeschöpft, es bleibt uns nur die Petition." Eine Klage vor dem Verwaltungsgericht, die innerhalb von vier Wochen nach Verkündung des Planfeststellungsbeschlusses möglich gewesen wäre, hatte die Naturschutzorganisation aus Kostengründen gescheut. "Wir haben keine 15 000 Euro in der Portokasse", so Dr. Wilhelm Stark aus Frauenzimmern. Der Güglinger Stadtrat ist einer der Unterzeichner der Petition.

Organisationen wollen Moratorium erreichen

Mit der Petition wollen die Organisationen zumindest ein Moratorium erreichen. Der Planfeststellungsbeschluss soll "mindestens so lange ausgesetzt werden, bis die Standardisierte Bewertung zur Reaktivierung der Zabergäubahn vorliegt", so Vorstandsmitglied Jürgen Wiethe von Zabergäu pro Stadtbahn. Weil die planfestgestellte Trasse der Landesstraße 1103 vor und in Pfaffenhofen auf einer Länge von etwa 800 Metern auf dem bestehenden Gleiskörper verläuft, muss die Bahntrasse um einige Meter nach Norden verschoben werden. Nach Einschätzung der Petenten ist das mit einem größeren Aufwand und höheren Kosten verbunden.

"Wer bezahlt die?", fragt May-Stürmer. "Es ist zu befürchten, dass die Inanspruchnahme der Bahntrasse durch die Straße das endgültige Aus für die Reaktivierung der Bahn bedeutet", heißt es in der Petition. "Der Vorteil der Zabergäubahn ist ja gerade, dass sie noch komplett liegt", so May-Stürmer. Das Landratsamt Heilbronn hat in der Vergangenheit verneint, dass der Neubau der Bahntrasse negativen Einfluss auf die Standardisierte Bewertung haben könnte.

May-Stürmer und Wiethe sehen die Umgehung grundsätzlich kritisch. Im Gegensatz zu diesem einzelnen Straßenstück "würde die Bahn alle Gemeinden im Zabergäu auf einmal entlasten", so Wiethe.

Zweiter Schwerpunkt der Petition

Für den BUND werden "die erheblichen Eingriffe in den Naturhaushalt" mit den festgesetzten Kompensationsmaßnahmen "bei weitem nicht ausgeglichen". Er beklagt unter anderem, dass es sich bei der Ausgleichsmaßnahme für die Zauneidechse ausgerechnet um die Ersatzfläche für die Bahntrassenverlegung handelt. Sprich: Wenn die neuen Gleise der Stadtbahn gebaut würden, würde der Lebensraum der Tiere wieder zerstört.

Untauglich ist aus Sicht des BUND auch das Laichgewässer in der Steingrube auf dem Heuchelberg, das den Wechselkröten als Ersatz für ihren zerschnittenen Lebensraum angeboten werden soll. "Das Gelände ist für sie unerreichbar", sagt May-Stürmer mit Blick auf Sandsteinstufen und die bestehende Landesstraße, die überwunden werden müsste. "Die Kröten gehen nicht den Berg rauf und suchen dort einen Tümpel."

Kritisiert wird schließlich, dass das Vorkommen seltener Heuschrecken wie Weinhähnchen, Sumpfschrecke oder Große Goldschrecke nicht berücksichtigt sei.

 

Hinweise auf das "Schutzgut Mensch" und dass die Umgehungsstraße für viele eine Entlastung in Sachen Verkehrslärm bringe, sind für May-Stürmer kein Grund, die Petition infrage zu stellen: "Das Naturschutzgesetz sieht nun einmal eine Ausgleichspflicht vor." Er hofft, dass die Petition noch in diesem Jahr behandelt wird.