Wer rettet die Reste der Dorfmauer?

Pfaffenhofens Pfarrer Wendnagel berichtete über das Kulturdenkmal

Von Roland Baumann

Güglingen - Der ortskundige und geschichtlich versierte Pfarrer von Pfaffenhofen, Johannes Wendnagel, informierte annähernd 40 Besucher beim Stammtisch des Zabergäuvereins im Ochsen in Frauenzimmern über die Dorfmauer von Pfaffenhofen. Dieses Bauwerk entstand vermutlich in der Zeit von 1460 bis 1470 in der Regierungszeit von Graf Eberhard im Bart.

Parallel zu der Mauer verlief offensichtlich auch ein Graben. Ursprünglich wies die Dorfmauer drei Tore und eine entsprechende Anzahl von Türmen auf. Das Brückentor stand in etwa bei der heutigen Bäckerei Wahl, das Obere Tor oder Westtor nahe der Badgasse und das Zeiltor im Norden der heutigen Zeiltorstraße. Durch letzteres führte der Weg nach Güglingen, nicht über die uns heute geläufige Verbindung zwischen Pfaffenhofen und Güglingen.

Anhand der von Johannes Wendnagel mitgebrachten Kopien aus dem Kieserschen Forstlagerbuch mit der Ansicht von Pfaffenhofen im Jahr 1684 konnte man sich ein Bild vom Gesamtbauwerk machen. Auf der Flurkarte von 1835 ist nur noch ein zusammenhängender Teil der ehemaligen Dorfmauer im Nordwesten zu erkennen. Alles andere wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts abgebaut.

Anlass des Baus der Mauer kann eigentlich nicht die Erteilung des Dorfrechtes 1484 gewesen sein, denn da stand sie schon. Weshalb wurde also Pfaffenhofen so stark umwehrt? Diesbezüglich gab es unter den Stammtischteilnehmern eine rege Diskussion mit verschiedenen historischen Versionen.

Wein schützen Es spricht vieles dafür, dass man sich wegen des guten Weines vor allerlei Gesindel gut schützen wollte. Schon im 15. Jahrhundert ließ man sich nämlich am Württembergischen Hof den vortrefflich guten Wein aus Pfaffenhofen munden. Für eine derartige Ummauerung von Weinorten gibt es in der näheren und weiteren Umgebung einige Beispiele. Heute ist von der einstigen imposanten Dorfbefestigung nur noch ein zusammenhängender Teil von etwa 100 Meter im Bereich des Pfarrgartens erhalten geblieben, und dieser ist in einem sehr desolaten Zustand. Im Herbst des vergangenen Jahres ist ein großer Teil des vorhandenen Wehrturms eingestürzt. Damit nicht genug. An einer zweiten Stelle stürzten die Mauersteine ein.

Hinzugezogene Fachleute schätzen die Kosten der Instandsetzung auf etwa 50 bis 70 000 Euro. Diese enorme Summe kann die Evangelische Kirchengemeinde Pfaffenhofen als Eigentümer der Mauer nicht alleine schultern. Hilfe erhofft sich Johannes Wendnagel, welcher sich stark für den Erhalt der Mauer einsetzt, unter anderem vom Oberkirchenrat in Stuttgart und vom Landesdenkmalamt. Von diesen Stellen wurde zwar eine Beteiligung signalisiert, aber ein großer Brocken wird dennoch an der Pfaffenhofener Kirchengemeinde hängen bleiben.

Wenn es Pfarrer Wendnagel nicht bald gelingt, die fehlenden Gelder aufzubringen, droht die als Kulturdenkmal besonderer Bedeutung eingestufte Fleckenmauer im Pfarrgarten vollends einzustürzen. Eine Instandsetzung ist dann nicht mehr möglich und ein kulturhistorisches Denkmal des Zabergäus unwiederbringlich verschwunden.