Stollen wird wieder zugemauert

Lauffen - Vertreter der Denkmalstiftung informiert sich über Stadtmauersanierung

Von Claudia Kostner

Aktuelles Projekt: die Kirchbergmauer. Sie war durch Witterungseinflüsse, Bewuchs und statisch bedenkliche Verschiebungen dringend sanierungsbedürftig.Foto: Veigel

Lauffen - Die Stadtmauer ist das, was die Menschen, wenn sie auf der Bundesstraße 27 fahren, sehr stark verinnerlichen“, weiß Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger. Doch was die Silhouette Lauffens so einzigartig macht, will auch erhalten werden. Fast 600 000 Euro hat die Sanierung des Mauerwerks, das zum Teil aus der Salierzeit, also aus dem elften Jahrhundert stammt, seit Beginn der Arbeiten 2004 schon verschlungen.

Für die Kirchbergmauer, die momentan von der Firma Renovum aus Renningen gerichtet wird, überbrachte Martin Stierand von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) jetzt einen Fördervertrag in Höhe von 20 000 Euro. Vom Referat für Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Stuttgart gibt es weitere 23 300 Euro. An der Stadt bleiben voraussichtlich 116 700 Euro hängen. Als letzter Abschnitt muss dann die Schauseite der Rathausinsel angepackt werden, was wohl mit weiteren 250 000 Euro zu Buche schlagen wird. Bis 2011/12 soll das Großprojekt abgeschlossen sein, hofft Stadtbaumeisterin Claudia Seipel.

Gefährlich

Der Stollen, der während der aktuellen Arbeiten unterhalb der Regiswindiskirche entdeckt wurde (wir berichten), muss übrigens zugemauert werden. Die Idee, den Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg zugänglich zu machen, „hat sich sofort erübrigt, als der Statiker ihn begutachtet hat“, sagt Seipel. „Er hat dem Architekten nach drei Metern empfohlen, umzukehren.“ Eine bergmännische Sicherung wäre sehr aufwendig und teuer, so die Bauamtsleiterin. Deshalb wird der Eingang wieder zugemauert. Lediglich die Fledermäuse haben noch etwas davon: Für sie werden Einflugöffnungen geschaffen.

Claudia Seipel zeigt Martin Stierand die Mauer der Rathausinsel.Foto: Kostner

Martin Stierand, ehrenamtlicher Mitarbeiter des DSD-Ortskuratoriums Waiblingen/Backnang, kennt die Hölderlinstadt aus seiner Kindheit und war beeindruckt von dem, was mit bisher 266 690 Euro Zuschüssen von der Denkmalstiftung für das stadtbildprägende Bauwerk getan wurde. „Unser Herz schlägt dafür, das Historische zu erhalten“, versicherte er Bürgermeister Waldenberger.

„Die Stadtmauer befindet sich in ganz unterschiedlichen Eigentumsverhältnissen, das ist eine Besonderheit in Lauffen“, erklärte Claudia Seipel. Vieles sei in Privatbesitz, und es habe die Verwaltung zum Teil jahrelange Überzeugungsarbeit gekostet, die Eigentümer von der Notwendigkeit der Sanierung zu überzeugen. Immerhin mussten diese - nach Abzug aller Zuschüsse - etwa ein Viertel der Finanzierung selbst schultern. Außerdem erstrecke sich das insgesamt 890 Meter lange Bauwerk über alle Stadtteile: Dorf, Städtle und Dörfle. All das sind Gründe, weshalb sich die DSD für das Projekt engagiert. „Wesentlich war der Umfang der Maßnahme, die sowohl für die Verhältnisse der Stadt als auch für die der Privatleute überdimensioniert war“, fasste Kämmerer Paul Sailer zusammen.

Einzigartiges Vorhaben

„In der Summe ist es ein einzigartiges Projekt“, betonte Klaus-Peter Waldenberger gegenüber Martin Stierand und blickte auf die Anfangsjahre 2004/2005 zurück: „Begonnen haben die Arbeiten in finanziell grausamster Zeit.“