Stadtmauersanierung als Daueraufgabe

Lauffen - Historisches Bauwerk unterhalb der Regiswindiskirche ist eingerüstet – Luftschutzkeller entdeckt

Von Thomas Dorn

Ein großes Gerüst ziert die Mauer unterhalb der evangelischen Kirche. Ende Oktober, auf jeden Fall vor dem Wintereinbruch, sollen die Sanierungsarbeiten beendet sein. Im kommenden Jahr geht’s dann weiter.Fotos: Ulrike Kugler

Lauffen - Die blaue Folie bedeckt einen großen Teil der mächtigen, gut zehn Meter hohen Mauer unterhalb der Regiswindiskirche. Capo Steffen Albrecht und seine Kollegen von der Firma Renovum aus Renningen arbeiten auf dem Gerüst, räumen mit dem Meißelhammer die Fugen zwischen den Muschelkalk- und Sandsteinblöcken aus. Zuvor haben sie bereits das wild wuchernde Efeu beseitigt. „Zwei Lkw-Ladungen sind schon weg“, sagt Albrecht.

Sanierung der Stadtmauer: In Lauffen ist das zu einer Daueraufgabe geworden. Immerhin bringt es das stadtbildprägende Bauwerk auf eine Gesamtlänge von 890 Metern: circa 525 Meter im Städtle, 200 Meter beim Rathaus, 165 Meter bei der Regiswindiskirche. Seit 2004 (siehe Hintergrund) wird jedes Jahr ein Teilstück der historischen Anlage gerichtet – mit erheblichen Kosten. Aber zuwarten bringt nichts. Dort, wo Mängel erkannt wurden, muss auch gehandelt werden. „Sonst potenzieren sich die Schäden schnell“, weiß Bernd Schramm, der Hochbauamtsleiter der Stadt Lauffen.

Witterungseinflüsse, vor allem Frosteinbrüche, haben im Mauerwerk ihre Spuren hinterlassen. Aber auch für Sanierungen in früheren Jahrzehnten, als zum Teil falsches Material verwendet wurde, muss jetzt die Zeche bezahlt werden. Nicht zuletzt hinterlässt der Efeubewuchs seine Spuren. „Efeu ist tödlich für die Mauern“, sagt Schramm.

Der alte Luftschutzbunker wurde jetzt wieder geöffnet.
Bestandsaufnahme

Vor ein paar Jahren hat der Bietigheimer Architekt Gert Bechtle im Auftrag der Stadt eine Bestandsaufnahme der gesamten Stadtmauern vorgenommen, Schäden analysiert, Prioritäten festgelegt. „Da ist Erschreckendes zu Tage gekommen“, erinnert sich Bernd Schramm. Vor allem an der Nordseite wurden viele statische Unsicherheiten entdeckt.

Wer sich an die Sanierung alter Gemäuer macht, erlebt manche Überraschung. „Sie fangen an, aufzumachen, und wissen nicht, was kommt.“ Ein vordringliches Ziel ist es daher, die Standfestigkeit der Mauern zu sichern. Dort, wo das Fundament verschoben ist, werden zur Stabilisierung Edelstahlanker gesetzt. Marodes Mauergefüge wird mit einer Zement-Kalk-Mischung verpresst, anschließend werden die Fugen gesäubert und neu gefüllt.

Da ist Handarbeit gefragt – und Sorgfalt. Eingewachsene Bäume und Sträucher etwa müssen restlos beseitigt werden. „Sonst schwindet die Wurzel, es werden Hohlräume frei, und es dringt Wasser ein“, erklärt Schramm.

Generell geht es darum, die Mauern weitgehend im Urzustand zu belassen. „Wir schauen, dass wir möglichst wenige Steine ersetzen müssen“, unterstreicht der Hochbauamtsleiter. Das Landesdenkmalamt ist beratend mit im Boot.

Bei der jetzt begonnenen Sanierung der Kirchenmauer sind die Bauleute auf den zugemauerten Eingang zu einem Stollen an der Uferstraße gestoßen. Sie sind auch bereits ein Stück weit in die Gänge vorgedrungen und haben dabei weitere Zugänge entdeckt. „Auch unter der Kirche war wohl ein Aufgang, der zugemauert wurde“, berichtet Michael Beschorner von der Firma Renovum.

Mit dem Elektromeißel werden die Mauerwerkfugen freigeräumt.
Untersuchungen

Wozu die Höhle diente? „Das war ein Luftschutzbunker im Zweiten Weltkrieg“, erinnert sich Karl Schäffer, ein alter Lauffener. „Und der wurde wohl erst 1944 gebaut, nach dem großen Bombenabwurf.“ Später sei er zugemauert worden. Laut Bernd Schramm soll der Stollen nun genauer untersucht und dokumentiert werden. Danach wird man entscheiden, ob er wieder zugemauert oder beispielsweise mit einem Tor versehen wird.