Natur hat hier ein Paradies geschaffen

Lauffen - Fast 40 Brutvogelarten haben auf der Lauffener Nachtigalleninsel rund um die Rathausburg ihre Heimat. "Selbst Schwäne haben hier in den vergangenen Jahren gebrütet

Von Rolf Muth

Natur hat hier ein Paradies geschaffen
Die Nachtigalleninsel im Süden der Rathausburg ist mit Totholz und Tümpel ein idealer Rückzugsraum für Vögel und Kleinlebewesen.Fotos: Rolf Muth

Lauffen - Fast 40 Brutvogelarten haben auf der Lauffener Nachtigalleninsel rund um die Rathausburg ihre Heimat. "Selbst Schwäne haben hier in den vergangenen Jahren gebrütet." Ein Paradies für Insekten, Kriechtiere, Fledermäuse, sagt der ehrenamtliche Naturschutzwart und Lauffener BUND-Chef Jürgen Hellgardt. Er ist begeistert von diesem traumhaften Lebensraum, der sich mitten in Lauffen befindet. Auf der einen Seite geschützt durch den alten Neckararm, auf der anderen durch den Kanal, und von oben bewacht durch die Stadtverwaltung, droht der natürlichen Oase mit einem hohen Totholzanteil, Tümpel und Rückzugsfläche kaum Gefahr.

Eigentlich
 
Denn Hellgardt ist sich seit einer Fällaktion von städtischem Bauamt sowie Wasser- und Schifffahrtsamt seiner Sache nicht mehr so sicher. Um die südwestliche Stadtmauer unterhalb des Rathauses zu sanieren, musste Platz für Gerüst und Arbeitsraum geschaffen werden. Bauhof und Schifffahrtsamt holzten laut Hellgardt auch zwei mächtige Weiden am Uferrand ab.

Umweltmeldung
 
Dem gebot er Einhalt, indem er das Schubschiff des Wasserschifffahrtsamts enterte, das von der Wasserseite aus die Säge ansetzte. Gegen die Absprachen mit dem Naturschutz, sagt Hellgardt. Er hat deshalb eine Umweltmeldung an das Regierungspräsidium abgegeben. Das mit der Prüfung beauftragte Landratsamt winkt ab. "Was hier an Rodung bekannt ist, geht in Ordnung", sagt Pressesprecher Hubert Waldenberger.

"Wir hatten eine klare, einvernehmliche Absprache mit dem Naturschutz", bestätigt Lauffens Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger. Hellgardt und der Kreisverbandschef des Heilbronner Naturschutzbundes, Adolf Monninger, hätten aber freitags kurzfristig Ergänzungen nachgeschoben. "Montags haben wir in der Amtsleiterrunde darüber informiert", sagt der Bürgermeister. Zeitgleich habe das Wasser- und Schifffahrtsamt am Uferrand Fakten geschaffen, bedauert der Verwaltungschef.

Die Trauer des Bürgermeisters um die Weiden nimmt Monninger dem Stadtchef nicht ab. Das Ziel der Verwaltung sei seit längerem, die Insel von "wuchernder Grünmasse" zu befreien, zitiert er den Bürgermeister. "Entscheidend ist, dass der Stadtverwaltung das nötige ökologische Wissen und Verständnis fehlt." Ihr gehe es darum, die Insel "hübsch" zu machen. Monninger: "So hat schon mancher Städteplaner wichtige Biotope für seltene Tier- und Pflanzenarten ausgelöscht."

Im Zusammenhang mit der Mauersanierung vermisst Monninger die seit 2007 vorgeschriebene Prüfung nach dem Artenschutzrecht. Welche Tiere nutzen die Mauernischen zu den verschiedenen Vegetationsperioden im Frühjahr, Sommer und Herbst? Diese Frage sei bislang unbeantwortet geblieben. Seit dem Gemeinderatsbeschluss zur Mauersanierung 2006 habe die Stadt Zeit ungenutzt verstreichen lassen, kritisiert der Nabu-Chef. Das kann Bürgermeister Waldenberger zwar nicht entkräften, aber er verweist darauf, dass diese Prüfung inzwischen in Auftrag gegeben wurde.

Bleibt die Sorge um die südliche Nachtigalleninsel. (Waldenberger: "Bei mir heißt sie Rathausinsel.") Hier besitzt der Naturschutzbund rund 25 Ar. Eine weitere Fläche im nördlichen Bereich des Rathauses. Interesse an einer wie auch immer gearteten Gestaltung hat Lauffen im Süden nicht mehr. Ein Geländetausch mit dem Naturschutzbund ist gescheitert.

Erschreckend
 
"Betreten verboten", heißt es auf dem Weg zu diesem Naturdenkmal. Doch der geschützten Fläche droht weit mehr Unheil, als es durch ungebetene Gäste der Fall ist. Die Schiffe werden größer. Künftige Kähne werden bis zu 30 Meter länger sein. Schleusen müssen umgebaut werden. Aber auch der Kanal am Lauffener Rathaus, damit die bis zu 135 Meter langen Schiffe mit dem Heck um die Kurve kommen.

Pläne des Bundes dazu liegen noch nicht auf dem Tisch. Aber bis zu 17 Meter in der Breite könnte die Südinsel verlieren. Das ist insofern erschreckend, weil sie hier nur 34 Meter zum anderen Ufer hat.

Natur hat hier ein Paradies geschaffen
Sobald der Kanal bei der Rathausburg (links) verbreitert werden muss, werden Flora und Fauna wertvolle ökologische Fläche verlieren.
Natur hat hier ein Paradies geschaffen
Diese Weide hätte nicht fallen müssen, sagt BUND-Chef Jürgen Hellgardt.
Natur hat hier ein Paradies geschaffen
Muscheln auf der Insel zeigen, dass hier immer wieder Land unter ist.
Natur hat hier ein Paradies geschaffen
Die Mauer hoch zur Rathausburg ist zugewuchert. Sie muss saniert werden.