Margeriten deuten auf Siedlung hin

Michael Wennes wandelt auf den Spuren mittelalterlicher Siedlungen

Von Stefanie Pfäffle

Margeriten deuten auf Siedlung hin
Naturparkführer Michael Wennes (rechts) erzählt den Interessierten, warum alte Ortschaften verschwunden sind, und wie das Leben im Mittelalter war.Foto: Pfäffle

Stromberg-heuchelberg - Fast quadratisch ist das Margeritenfeld inmitten einer ansonsten margeritenfreien Wiese. "Das ist ein Hinweis darauf, dass hier einmal ein Haus gestanden haben könnte", erklärt Michael Wennes seiner Gruppe. Der Naturparkführer steht irgendwie mitten in der Landschaft im Naturpark Stromberg-Heuchelberg und weist in die Natur. Jetzt ist dort nichts mehr zu sehen, denn Oberransbach ist schon lange wieder von der Landkarte verschwunden. Um mittelalterliche Orte wie diesen und das dortige Leben ging es in der Führung "Mörderhausen, Oberransbach, Damp".

Vergangenheit Rund 30 Neugierige sind zum Naturparkzentrum gekommen, um sich von Wennes in die Vergangenheit entführen zu lassen. Dafür müssen sie gut zu Fuß sein, denn etwa sechs Kilometer stehen auf dem Programm, um nach Mörderhausen und Oberransbach zu kommen. "Ich kann ihnen jetzt schon mal sagen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir Damp finden, denn dieser Ort wurde nur einmal urkundlich erwähnt", sagt der Heimatkundler.

Los geht es in die Natur. Vorbei an einem einsamen Surfer auf der Ehmetsklinge, Ferienhäusern und blühenden Wiesen. Wennes beschäftigt sich nicht nur mit dem Mittelalter. "Die Leute kamen ja nicht aus dem Paradies direkt nach Mörderhausen, also gleich mit dem Urknall anfangen", meint er scherzhaft. Das vielleicht nicht gerade, aber ohne Wetterphänomene geht es nicht: Fanden viele Völkerwanderungen doch nur wegen Klimaveränderungen statt. Im Mittelalter wurden jede Menge kleiner Ortschaften gegründet. Viele davon werden nur urkundlich erwähnt, dieses Datum gilt dann als Gründung. "Dabei gab es sie oft schon Jahrhunderte früher." Doch erst als Adelige ab 1037 im römischen Reich einen Titel haben mussten, um etwas vererben zu können, fingen die Menschen an, Dinge schriftlich festzuhalten.

Bereits im achten Jahrhundert wurde der Weinbau im Zabergäu erwähnt. "Davor wäre er wegen der Kältewelle auch kaum möglich gewesen", erklärt Wennes. Doch die Menschen brauchten ein alternatives Getränk zu Wasser, Bier war noch nicht haltbar.

Nichts mehr übrig Von Oberransbach ist wirklich gar nichts mehr übrig. Der Standort macht aber Sinn. In der Nähe des Waldes, der zum Weiden des Viehs diente. Mit saftigen Wiesen, die Heu für den Winter lieferten und weit genug weg von der moorigen Zaber.

"Steinreich" waren die Leute allerdings nicht, deswegen gibt es auch keine Überreste der Holzhäuser. Weiter unten wurden Fundamente der Kirche von Niederransbach gefunden.

Gerade entlang des Strombergs wurde dank der guten Lebensbedingungen viel gesiedelt. Auch Mörderhausen gehört zu diesen Ortschaften. Den Namen bekam es übrigens erst, als sich zwei Brüder im Streit umbrachten, vorher hieß der Ort schlicht Hausen. Zerstört wurde er bereits 1360 von Herzog Ruprecht von der Pfalz und nie wieder aufgebaut.