Klares Votum gegen Ortschaftsrat

Auch in Stockheim setzen die Bürger auf Gesprächskreise

Von Stefanie Pfäffle

Klares Votum gegen Ortschaftsrat
Beinahe drei Viertel der Stockheimer haben beschlossen, sich von der Ortschaftsverfassung zu verabschieden.Foto: Stefanie Pfäffle

Brackenheim - Rudolf Barth ist sichtlich erleichtert. „Ich bin froh, dass es so klar ausgegangen ist“, meint der Ortsvorsteher von Stockheim. Dabei ist er gerade seinen Job losgeworden. Bei einer geheimen Umfrage während der Bürgerversammlung votierten die Ortsansässigen klar für die Abschaffung des Ortschaftsrates und für die Einführung eines Gesprächskreises. „Jetzt gibt es eine Gleichstellung mit den anderen Stadtteilen.“

Stadtteile Bereits 2004 hatte der Brackenheimer Gemeinderat anlässlich des 35-jährigen Bestehens der Gesamtstadt beschlossen, den Stadtteilen zu empfehlen, die Ortschaftsräte abzuschaffen und stattdessen Gesprächskreise einzurichten. Auch damals schon gab es nur noch in Meimsheim, Haberschlacht und Stockheim Ortschaftsräte, Meimsheim hat bereits im vergangenen Jahr dessen Auflösung beschlossen. „Die Ortschaftsräte waren 1974 bereits nur als Übergangslösung gedacht gewesen“, betonte Hauptamtsleiterin Sarina Pfründer. Jetzt drängt die Zeit, denn bis zum 13. Februar müssen die Kommunalwahlen mit oder ohne Ortschaftsrat ausgeschrieben werden.

Die Vorteile eines Gesprächskreises liegen für sie auf der Hand. Da sticht vor allem die breitere Bürgerbeteiligung heraus, da Vertreter aller Vereine, der Kirche, Schule, Kindergarten, Feuerwehr, Gemeinderäte und Stadtverwaltung dabei sind. „Es hat sich gezeigt, dass Gesprächskreise oft zu kleinen Bürgerversammlungen werden, weil alle Entscheider vor Ort sind.“ Außerdem gibt es pro Ortsteil 2000 Euro und pro Einwohner noch einmal 1,30 Euro Sondermittel, die zur freien Verfügung stehen.

Harry Schmid, Vorsitzender des TSV Botenheim und seit 20 Jahren im dortigen Gesprächskreis aktiv, kann nur Positives berichten. „Natürlich gibt es kontroverse Diskussionen, aber wir haben uns immer geeinigt“, betonte er.

Ein Stockheimer äußerte Bedenken, was passiert, wenn Bürgermeister Rolf Kieser in den Ruhestand geht. „Gibt es die Gesprächskreise dann immer noch?“ Der Schultes entgegnete, er könne sich nicht vorstellen, dass ein Nachfolger etwas nachweislich so erfolgreiches einstellen würde. „Dafür würde er sicher abgestraft.“

Eigentlich hätte sich der Ortschaftsrat bereits bis Ende Oktober äußern sollen, doch man tat sich mit einer Entscheidung schwer. „Wir sind alle mit sehr vielen Stimmen gewählt worden, da kann man den Bettel nicht einfach hinwerfen“, betonte Barth. Trotzdem rief er die Stockheimer indirekt dazu auf, gegen das Außenseiterdasein zu votieren und für einen Gesprächskreis.

So kam es dann auch. 65 von 89 Anwesenden stimmten für den Gesprächskreis. „Ich bin davon überzeugt, dass die Stockheimer eine gute Entscheidung getroffen haben, ich hätte es in dieser Deutlichkeit nicht erwartet“, freute sich Bürgermeister Kieser. Am 10. Februar will sich Barth mit den Vereinsvertretern und Kollegen treffen, um über etwaige Forderungen vor der Abstimmung zu diskutieren. „Von mir aus kann die Arbeit dann gleich losgehen, das wäre mein Ziel.“