Katzenbeißer läuft und läuft

Weingärtner bauen im Jubiläumsjahr Export jenseits des Mains aus

Von Kilian Krauth

Katzenbeißer läuft und läuft
Mit 58 Hektar ist Lauffen landesweit die Gemeinde mit der größten Fläche an Terrassen-Steillagen. Am 6. Juni laden die Weingärtner zum Aktionstag.Foto: Andreas Veigel

Lauffen - Deutschlands größte Einzelgenossenschaft hat in ihrem Jubiläumsjahr viele Gründe zum Feiern. "75 Jahre sind wir und unsere Altvorderen nun schon unterwegs", so Vorstandschef Ulrich Maile bei der Vorlage der Jahresbilanz, "und auch 2009 haben wir mit Bravour bewältigt". Trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise und einem fünfprozentigen Minus des Bruttosozialproduktes legten die Lauffener Weingärtner weiter zu: der Weinabsatz wuchs um 4,5 Prozent auf 6,21 Millionen Liter, der Weinumsatz um netto 3,3 Prozent auf 16,48 Millionen Euro; der Gesamtumsatz, inklusive Handelswaren, sogar auf 16,77 Millionen Euro.

Bundesliga-Sechster In der Umsatz-Bundesliga der Weingärtnergenossenschaften (WG) liegt die Katzenbeißer-WG hinter fünf Gebietskellereien auf Platz sechs. Sie lässt sogar einige WGs mit größerer Rebfläche hinter sich. Erster ist hier die WZG Möglingen, Heilbronn ist Siebter, die Remstalkellerei Neunter und Besigheim Zehnter.

Dass "Lauffener läuft und läuft ist kein Selbstläufer", gab der gut aufgelegte Geschäftsführer Uwe Schöttle zu verstehen. Insgesamt hat deutscher Wein 2009 fünf Prozent Anteil am Gesamtkuchen verloren, Württemberger blieb insgesamt relativ stabil. Lauffen gewann vor allem in Nordrhein-Westfalen und Hessen hinzu. Während man in Norddeutschland schon lange "erstklassig" aufgestellt sei, gebe es vor allem in Bayern und in den neuen Bundesländern "noch dickere Bretter zu bohren". Mit der Entwicklung des vor drei Jahren in Angriff genommenen Exports nach Brasilien sei man bisher allerdings gar nicht zufrieden, sagte Maile.

Noch ein Wermutstropfen: Im Stammland Baden-Württemberg sind die Zahlen seit Jahren leicht rückläufig. Maile und Schöttle führen dies auf das gewandelte Konsumverhalten zurück: Die "alten Literflaschenfreunde" sterben aus, das jüngere Publikum greife auch mal zu ausländischen Tropfen. Gleichzeitig will sich Lauffen nicht auf die "Resterampe" begeben und Billigware anbieten, wie sie neuerdings überwiegend von Handelskellereien bedient werde, die von kleinen Betrieben Offenweine aufkauften. "Dumping ist nicht unser Ding", so Schöttle. Weil man aber große Discounter nicht ignorieren könne, verkauft Lauffen zusammen mit der WZG und Besigheim über die Marke Felsenkeller rund 13 Prozent seiner Weine über Lidl. Insgesamt liegt der Verkaufsanteil des Lebensmittelhandels bei 77 Prozent, über Fachhandel und Gastronomie gehen 14 Prozent, neun Prozent werden direkt bei der WG im Gewerbegebiet Brühl geordert.

Kooperationen? Weil die Marken Lauffener, Katzenbeißer und Württemberger bundesweit sehr gut etabliert seien, will die WG keinen Gebrauch von neuen Ursprungs- oder Herkunftsbezeichnungen machen, wie sie die EU forciert. Mit Sorge blicke man aber auf das ab 2018 drohende Aus des Anbaustopps. Steillagen dürften danach kaum noch rentabel zu bewirtschaften sein. Lauffen, das mit 58 Hektar die größte Weinterrassen-Kommune in Württemberg ist, plant deshalb für 6. Juni einen Steillagen-Tag. Dabei sollen Bürger und Politiker mit vielerlei Aktionen für das Thema sensibilisiert werden. Im Schulterschluss mit der Stadt soll auch der Tourismus-Zweig gestärkt werden.

Mit nunmehr 596 Hektar Rebfläche, das sind sechs mehr als 2008, und einem künftigen Wachstum von bis zu zehn Hektar im Jahr, hoffe man die Betriebskosten weiter zu optimieren. Kooperationen mit anderen WGs könnten mittelfristig bei der Vermarktung möglich sein. "Etwas Konkretes steht aber vorerst nicht zur Debatte", so Maile.