Es braucht einen langen Atem

Zabergäu - Keine schnelle Lösung, aber Stadtbahn-Anschluss bleibt ein Thema

Von Thomas Dorn

Es braucht einen langen Atem

„Beerdigen will das Thema niemand, aber in unserer mittelfristigen Planung ist es auch nicht drin.“

Thilo Michler, Zaberfeld

Zabergäu - Die Stadtbahn in Kraichgau, Leintal und Weinsberger Tal gilt als Erfolgsgeschichte, mit der Trasse von Heilbronn in den Norden des Landkreises soll in Kürze begonnen werden. Doch wie steht es um die Schienenanbindung des Zabergäus? Ist der Stadtbahnanschluss überhaupt noch ein Thema? Ja, betonen die betreffenden Bürgermeister, die Bahn bleibt ein Thema. Aber eines, für das man zumindest einen langen Atem braucht.

Dass die Stadtbahn ganz generell ein dickes Plus wäre, in dieser Einschätzung sind sich die Rathaus-Chefs durchaus einig. Für die Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden. Für die Ansiedlung von Gewerbebetrieben. Für die Umwelt. Auf der anderen Seite glaubt niemand, dass sich in den nächsten Jahren etwas tut. „Das Zeitfenster muss sehr, sehr weit geöffnet werden“, sagt der Güglinger Bürgermeister Klaus Dieterich. Bis 2020? „Früher wird es sicher nichts werden“, glaubt Dieterich. Und sein Zaberfelder Kollege Thilo Michler drückt es so aus: „Beerdigen will das Thema niemand, aber in unserer mittelfristigen Planung ist es auch nicht drin.“

Finanzierung

Pfaffenhofens Schultes Dieter Böhringer verweist darauf, dass die Zabergäu-Strecke im ÖPNV-Konzept des Landkreises Heilbronn, in den Überlegungen zum öffentlichen Personennahverkehr, nach wie vor enthalten ist (siehe Hintergrund). Knackpunkt aber wird die Finanzierung sein. „Die einmaligen Investitionen“, glaubt Böhringer, „könnten wir wahrscheinlich schultern.“ Die Betriebskosten allein zu tragen, würde Gemeinden und Landkreis aber überfordern.

Schätzungsweise 80 000 bis 100 000 Euro müssten von der kommunalen Seite dafür jährlich aufgebracht werden - wenn Bund und Land finanziell mit im Boot sind. Ohne ihre Beteiligung wären die Kosten womöglich doppelt so hoch. Doch genau danach sieht es derzeit aus: Weder vom Bund noch vom Land sind Zuschüsse für stillgelegte Strecken zu erwarten. „Und es gibt auch keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändert“, so Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser. Auch für ihn ist völlig klar: „Das kann nicht ausschließlich in kommunaler Regie gestemmt werden.“

Sollte die Schienenverbindung ins Zabergäu kommen, „wären wir Knoten, und das wäre positiv“, sagt Lauffens Rathauschef Klaus-Peter Waldenberger. Aber er lässt auch keinen Zweifel, dass für seine Stadt das Thema eher zweitrangig ist. „Wir kämpfen um Regionalbahnanschlüsse, nicht um die Zabergäubahn.“ In der bestehenden Trasse, die nach wie vor nicht überbaut ist und somit reaktiviert werden könnte, sieht Waldenberger ohnehin Schwächen: „Die Bahnhöfe sind zu weit weg von den Schulen.“ Busse fahren bis vor die Haustür.

Thilo Michler verweist auf einen anderen Schwachpunkt, die „Sackgassensituation“. Der Schienenverkehr im Zabergäu würde in Zaberfeld enden. Dass der früher einmal angedachte Durchstich in Richtung Knittlingen/Bretten - nicht zuletzt aus Kostengründen - nie verwirklicht wurde, könnte sich noch als schwere Hypothek erweisen.

Angesichts der eher vagen Hoffnungen setzen die Bürgermeister derzeit mehr auf Verbesserungen auf der Straße. Der Zabertalstraße, der durchgehenden Umgehungsstraße, gilt das Augenmerk. Aber auch dem weiteren Ausbau des Busverkehrs. Der wird aus Sicht von Rolf Kieser ohnehin „unter Wert gehandelt“. Zuletzt seien mit dem Sonntags- und Abendbus weitere Verbesserungen erreicht worden, sagt Kieser. „Und in den Hauptzeiten haben wir heute schon einen 30-Minuten-Takt.“