Ein echter Glücksfall für die Stadt

Feierstunde erinnert an die Verdienste des Architekten Heinz Rall

Von Kerstin Besemer

Ein echter Glücksfall für die Stadt
"Kunst sollte sich mit Architektur verbinden": Dieses Ziel verfolgte Heinz Rall zusammen mit seiner Frau, der Güglinger Künstlerin Ursula Stock.Foto: Kerstin Besemer

Güglingen - Mit einer Festveranstaltung im Güglinger Rathaus ehrten Freunde, Bürger und Verwaltung am Samstag den Architekten Heinz Rall. Ende September wäre der in Stuttgart geborene und 2006 verstorbene Rall 90 Jahre alt geworden. Der Einladung seiner Ehefrau, der Güglinger Künstlerin Ursula Stock, waren viele Gäste gefolgt, so dass der Platz im Ratshöfle knapp wurde.

Würdigung In ihren Ansprachen würdigten Weggefährten das Werk und den Menschen Heinz Rall sowie seine Bedeutung für Güglingen. Der für seine Sakralbauten bekannt gewordene Architekt erhielt Mitte der siebziger Jahre den Auftrag, die damals marode Mauritiuskirche und das Ensemble der Herzogskelter und Zehntscheuer in Güglingen zu sanieren. Werner Marquardt, damals Pfarrer in der Stadt, erinnerte an typische Aussagen von Heinz Rall: "Kirchenbau gehört zu den schönsten, aber auch umstrittensten Herausforderungen für einen Architekten." Es sei nicht einfach, nach den dominanten Baustilen der Vergangenheit einen zeitgemäßen, passenden Stil zu finden.

Mit natürlichen Materialien, wie Schiefer, Naturstein, Ziegel oder Holz arbeitete der vielseitige Architekt am liebsten. "Ralls Kirche in Göppingen-Jebenhausen hat mich seinerzeit derart beeindruckt", so Marquardt, "dass ich ihn unbedingt für die Sanierung in Güglingen gewinnen wollte." Ab 1986 lebte Rall auch privat in der Zabergäu-Stadt und hat "die Entwicklung und das Erscheinungsbild Güglingens in entscheidender Weise geprägt", betonte Bürgermeister Klaus Dieterich. "Heinz Rall hat sich, ausgehend von der Kirche, durch die gesamte Stadt gearbeitet und den Kreis erst kurz vor seinem Tode am heutigen Römermuseum wieder geschlossen", ergänzte er. Die Abrundung seines Werkes, den vollständigen Umbau des alten Rathauses zum Museum, hat er nicht mehr erleben dürfen. Das heutige Römermuseum wurde nach seinen Plänen gestaltet und ist seit seiner Eröffnung 2008 ein kultureller Magnet.

Autorität "Das Thema ,Kunst im Stadtraum", mit dem Güglingen touristisch sehr gut aufgestellt ist, haben uns damals Heinz Rall und seine Frau langsam näher gebracht", bestätigte Horst Seizinger. Als Mäzen, als Mensch und immer präsenter Initiator sei er ein echter Glücksfall für die Stadt gewesen. "Obwohl er eine Autorität auf seinem Gebiet war, ist er im Umgang mit Bürgern und Verwaltung eine sehr angenehme Persönlichkeit gewesen", erinnerte sich Seizinger.

Parallel zur Veranstaltung präsentierte Ursula Stock im Rathausfoyer eine Fotoausstellung, die einen Querschnitt des Schaffens von Heinz Rall auch außerhalb Güglingens zeigte.