Die Bürger ins Boot holen

Neu gegründete Energie-Genossenschaft will lokale Projekte fördern

Von Thomas Dorn

Die Bürger ins Boot holen

"Ein solch zentrales Thema gehört in Bürgerhand, nicht in abgeschlossene Zirkel."

Johannes Wendnagel

Zabergäu - Den erneuerbaren Energien gehört die Zukunft", weiß Johannes Wendnagel. Umso wichtiger ist für den evangelischen Pfarrer aus Pfaffenhofen die jüngst erfolgte Gründung der Bürgerenergie Zabergäu. Die Genossenschaft will lokale und regionale Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Klimaschutz fördern. "Ein solch zentrales Thema gehört in Bürgerhand, nicht in abgeschlossene Zirkel", sagt Wendnagel, der als Vorsitzender des kirchlichen Vereins "Schöpfung bewahren" schon viel Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt hat und nun auch dem Aufsichtsrat der neuen Genossenschaft angehört.

Am Dienstagabend leitete er im Pfaffenhofener Gemeindehaus die erste von zwei Informationsveranstaltungen, bei der sich die Bürgerenergie Zabergäu erstmals der Öffentlichkeit vorstellt. Die nächste wird am kommenden Dienstag, 27. April, um 19 Uhr im Otto-Wendel-Saal des Brackenheimer Bürgerzentrums sein. Die Hoffnung der Initiatoren ist es, dass sich möglichst viele Einzelpersonen, Vereine oder auch Firmen aus dem Zabergäu an der Genossenschaft beteiligen. 200 Euro kostet ein Geschäftsanteil, maximal hundert (20 000 Euro) können gezeichnet werden. Wobei unabhängig von der Zahl der Anteile gilt: ein Mitglied, eine Stimme.

Verankerung Bereits im Boot sind die Zabergäukommunen Nordheim, Brackenheim, Cleebronn, Güglingen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Die kommunale Verankerung der Genossenschaft wird auch an Personen deutlich: Der Güglinger Bürgermeister Klaus Dieterich ist Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands, Cleebronns Schultes Thomas Vogl Chef des Aufsichtsrats.

Mögliche Betätigungsfelder reichen von Anlagen im Bereich Wind- und Wasserkraft bis zum Aufbau von dezentralen Wärmenetzen. "Wir wollen uns breit aufstellen", sagt Klaus Dieterich, der auf "viele gute Ideen" aus der Bevölkerung hofft. In einem ersten Schritt setzt die Bürgerenergie jedoch auf die Photovoltaik. Fünf Anlagen sollen in den nächsten Wochen auf bestehenden Gebäudedächern errichtet werden:

Auf dem Feuerwehrhaus in Cleebronn ist eine Anlage mit einer Leistung von 26,5 Kilowattpeak (kWp) in Planung.

Die anderen Anlagen werden auf dem Volksbank-Gebäude in Hausen (23 kWp), der Gemeindehalle in Neipperg (30,6 kWp), der Realschule Güglingen (30 kWp) und auf dem Feuerwehrhaus in Brackenheim (15 kWp) gebaut.

Investitionen Weitere Dächer sind in Planung, doch zunächst sollen diese fünf Projekte mit einem Investitionsvolumen von 360 000 Euro verwirklicht werden. Vier Aufträge wurden bereits an Firmen aus dem Zabergäu vergeben. Die Zeit drängt: Bis 30. Juni sollen die Photovoltaikanlagen Strom produzieren, um noch Anspruch auf den vollen Satz der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung nach dem Erneuerbaren Energien-Gesetz zu haben.

"Wer sehr schnell sehr viel Geld verdienen will, wird bei uns nicht glücklich", machte Johannes Wendnagel ("Ein bisschen Idealismus darf sein") deutlich. Gleichwohl sollen die Genossen eine ordentliche Rendite bekommen. Vier Prozent Verzinsung sind ab 2011 garantiert. Anteile können bei den Filialen und Geschäftsstellen der Volksbank Brackenheim-Güglingen oder der Kreissparkasse Heilbronn im Zabergäu gezeichnet werden.