Bewerber fassen sich kurz

150 Besucher bei Kandidatenvorstellung im Bürgerzentrum

Von unserem Redakteur Thomas Dorn

Bewerber fassen sich kurz

"Es ist von Vorteil, mit einem erfahrenen Bürgermeister in die Zukunft zu gehen."

Rolf Kieser

Brackenheim - Auch wenn viele Plätze nicht besetzt sind: Der Blick in den Saal stellt Stadträtin Jutta Layher zufrieden. "Wir sind mehr, als ich dachte", sagt die Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses angesichts von knapp 150 Besuchern, die am Mittwochabend zur offiziellen Kandidatenvorstellung der Stadt Brackenheim ins Bürgerzentrum gekommen sind.

Am Sonntag ist Bürgermeisterwahl. Dass Bürgermeister Rolf Kieser nach drei Amtsperioden nicht Alleinkandidat ist, liegt an Volker Bohn. "Sie haben es sehr spannend gemacht, Herr Bohn", meint dann auch Jutta Layher. Denn der Diplom-Wirtschaftsingenieur aus Brackenheim hatte erst am letzten Tag der Bewerbungsfrist seine Unterlagen eingereicht. An diesem Abend haben die Bewerber nun je 15 Minuten Zeit, sich den Bürgern zu präsentieren. Beide schöpfen die mögliche Redezeit nicht aus: Kieser begnügt sich mit 10.30 Minuten, Bohn braucht nur 8.55 Minuten.

Potenzial Weshalb er nach 24 Jahren als Bürgermeister nicht aufhören will? Rolf Kieser nennt mehrere Gründe. Das gute Klima in der Gesamtstadt, ein effizient arbeitender Gemeinderat und motivierte Mitarbeiter gehören dazu. Und dann erkennt er noch "großes Potenzial, um die Lebensqualität weiter zu verbessern". Nicht zuletzt ist Kieser Marathonläufer. "Da orientiert man sich nicht an der Zahl 24, sondern ist eher auf 42 eingestellt", meint er mit einem Augenzwinkern.

Für den 59-Jährigen ist es "wichtig, nahe am Menschen zu sein". Deshalb sei er in allen acht Stadtteilen präsent: bei Bürgerversammlungen, im Gesprächskreis, bei Sprechstunden und Vereinsveranstaltungen. Sein Rückblick auf drei Amtsperioden fällt positiv aus: Einwohnerzuwachs um 4500 Menschen, 50 Prozent mehr Arbeitsplätze, Großvorhaben wie das Bürgerzentrum oder die Rathauserweiterung. "Am meisten stolz" ist er aber auf die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen: ein Schulzentrum, in das 19 Millionen Euro investiert wurden, sieben Grundschulen, 15 Kindergärten, 15 Sportplätze, 13 Hallen.

"Acht Teile, ein Ganzes" bleibt für Kieser das Motto in Brackenheim. Aufgaben sieht er genug: Weinzeit im Schloss, Aufbau eines Familienzentrums, Stärkung der ärztlichen Versorgung, Förderung des ÖPNV, Umgehung Dürrenzimmern oder Sanierung Hausen sind dabei nur einige Stichworte. "Es ist von Vorteil, mit einem erfahrenen Bürgermeister in die Zukunft zu gehen", wirbt Kieser für sich.

Soziales Volker Bohn will Brackenheim nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial weiterentwickeln: "Deshalb mische ich mich in die Kommunalpolitik ein." Weil die Grundlagen für schulischen Erfolg und Integration in jungen Jahren gelegt würden, setzt er sich für kostenlose Kitas und Kinderkrippen ein. Finanzieren will er dies unter anderem über das kommunale Stromnetz, durch Einnahmen aus Durchleitungsgebühren. "Die Stadt muss das Netz in die eigenen Hände nehmen", fordert der 60-Jährige und plädiert für einen Anschluss an die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen.

"Energisch einsetzen" will sich Bohn für "den Ausbau eines öffentlichen Nahverkehrs, der diesen Namen auch verdient". Rückgrat wäre für ihn die Zabergäubahn. Sie bringe Vorteile für die Wirtschaft, locke Bauwillige an, biete Chancen für einen sanften Tourismus. Apropos: Bohn fände den Versuch lohnend, eine Landesgartenschau ins Zabergäu zu holen. Unter dem Motto "transparentes Rathaus" würde er Projekte frühzeitig im Internet ankündigen und "breit diskutieren".