Besonderes Geruchserlebnis

Firma Vögele produziert ätherische Öle und Aromen

Von Ulrike Kieser-Hess

Besonderes Geruchserlebnis

„Wir tauchen auf keinem Etikett auf. Wir sind ein reiner Rohstofflieferant.“

Erich Vögele

Lauffen - Augen schließen und ganz tief einatmen: Das ist nicht die Vorbereitung auf eine Entspannungsübung, sondern die auf ein besonderes Geruchserlebnis. Nach Zimt riecht es und Nelken, Rosen, Vanille und Lavendel, Rosmarin, Zitrone und Bergamotte. Einen mediterranen Markt hat man erschnuppert und befindet sich doch nicht im Süden Europas, sondern in Lauffen, im Lagerraum der Firma Vögele.

Seit 60 Jahren produziert der Familienbetrieb ätherische Öle, Parfumöle und Aromen. Und doch „tauchen wir auf keinem Etikett auf“ , sagt Firmenchef Erich Vögele. „Wir sind ein reiner Rohstofflieferant.“ Naturprodukte verarbeiten die 50 Angestellten in Lauffen. Aus Südeuropa und Asien kommen die Lieferanten. Säcke mit getrockneten Pfirsichen oder Gewürzen kommen bei Vögele ebenso an wie 200-Liter-Fässer mit naturreinen Ölen. Da steht dann die Qualitätssicherung ganz oben auf der Liste.

Kundenspektrum Ein Hersteller von Lederbalsam, der diesen gerne mit einem zitronigen Duft angereichert hätte, der Spirituosenprofi, der für seinen Holunderlikör noch die optimale Geschmacksabrundung sucht, die Seifensiederin, die für den nächsten Markt wohlriechende Seifen herstellt, der Futtermittelhersteller, der Nahrungsergänzungsprodukte braucht, der Kosmetikfachmann, der für Crèmes oder Reinigungsmittel nach Düften sucht, oder der Pharmazeut: Sie alle gehören zu den zirka 3500 Kunden bei Vögele, interessieren sich für die mehr als 6500 Duftkompositionen, die über 300 ätherischen Öl.

Fast wie in einer Apotheke sieht es hinter den Kulissen aus. In einem Kolben köchelt und brodelt es, auf Labortischen liegen Pipetten ordentlich aufgereiht, stehen Reagenzgläser. In großen Kupferkesseln kochen Naturprodukte. Auf Glasregalen an den Wänden stehen unendlich viele Fläschchen mit wohlklingenden oder exotischen Etiketten. Alle Küchenkräuter findet man dort, aber auch Bockshorn, Mariendistel und Lärchenschwamm. Ein kleiner Trend in der Spirituosenindustrie ist zur Zeit „Habaneros“, eine Chilivariante, die den Likören eine gewisse Schärfe verleiht. Auf Fässchen und Kannen finden sich Beschriftungen wie Ingweröl aus Sri Lanka, Orangenöl brasilianisch, Cajeputöl, Krauseminöl aus Amerika, Teebaumöl oder Zitronenöl aus Messina. Mit Essenzen für die Limonadenindustrie hat alles angefangen, im Keller des ehemaligen Wohnhauses der Familie. Nachdem die Firma 1949 ins Handelsregister eingetragen war, musste man sich schnellstens nach neuen Produktionsräumen umschauen, denn die Industrie- und Handelskammer überlegte schon, ob „die Bezeichnung Firma zulässig ist“, nachdem „die Raumverhältnisse derart eng sind, dass nur mit Mühe die Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt werden können“. Das ist Historie, denn seit 1950 ist der Firmensitz in der Bahnhofstraße und wird stetig erweitert und modernisiert.

Der Schwerpunkt der Produktion liegt nach wie vor auf dem natürlichen Sektor und hier auf den natürlichen Extrakten für die Spirituosenindustrie. Allein bei Bonbons klappt das nicht mit den Naturprodukten. „Das Erhitzen über 130 Grad halten sie nicht aus“, erklärt Juniorchef Bertram Vögele, „da verlieren sie ihr Aroma“.

Lieblingsdüfte Wenn man bei Vögele, wo es überall gut riecht, nach Lieblingsdüften fragt, bevorzugt Erich Vögele die Zitruslinie, aber auch Jasmin gefällt ihm oder Mimose. Bertram Vögele freut sich, „wenn ich mal wieder Muskateller-Salbei riechen darf“. Und Parfumeur Siegfried Grams mag am liebsten „freundliche Düfte, die die Persönlichkeit unterstützen“.