Begnadeter Schauspieler

Brackenheim - Berliner Schauspieler Benjamin Stoll mit „Abraham aus Liebe“ auf der Bühne

Von Uwe Mundt

Zeigefinger gen Himmel: Abraham (Benjamin Stoll) hat das Schlimmste erlebt, was einem Vater zustoßen kann.Foto: Uwe Mundt

Brackenheim - Minutenlang steht der Mann mit erhobenem Zeigefinger der rechten Hand im Lichtkegel des Scheinwerfers. Er hat gerade das Schlimmste durchgemacht: Er sollte auf Befehl des Allerhöchsten seinen einzigen Sohn opfern. In letzter Sekunde hat ihn Jahwe vor der Vollendung der Tat gerettet.

Mit dem Ein-Personen-Stück „Abraham aus Liebe“ hat der Berliner Schauspieler Benjamin Stoll im Saal des Konrad-Sam-Gemeindehauses in Brackenheim ein vorwiegend junges Publikum mit der biblischen Geschichte des Erzvaters Abraham in ganz neuer Form konfrontiert: Abraham, 100, und seiner Frau Sara, 90, wird vom Herrn der Heerscharen die Geburt eines Kindes zugesagt - gellendes Gelächter ist die Folge. In diesem Alter noch ein Kind?

Nichts ist unmöglich

Doch bei Gott ist kein Ding unmöglich. Isaak kommt auf die Welt, und Abraham erlebt die Nöte und Freuden jedes jungen Vaters, die Aufregung in der Klinik, das schreiende Menschenbündel im Arm, das gestillt werden will. Abraham spielt mit seinem Jungen Fußball - Kanaan gegen die Philister; sie spielen Verstecken und bestaunen gemeinsam den Sternenhimmel - was Väter eben so zu tun pflegen, wenn sie gute Väter sind.

Und dann das Unverständliche: Der Herr verlangt, dass Abraham seinen unbedingten Gehorsam bezeugt und seinen Einzigen, der ihm geblieben ist, ihm zum Opfer bringt. Ist Gott meschugge? Abraham gehorcht, im letzten Augenblick verhindert der Höchste die Tat.

Benjamin Stoll ist ein begnadeter Schauspieler. Mit nichts als einem Stuhl auf der Bühne und mit wechselnden Lichtstimmungen verdeutlicht er das Leben eines Vaters, eines ganz irdischen Vaters, der weiß, wem er das späte Geschenk eines Kindes zu verdanken hat. Eines Vaters, der albern ist und eines Vaters, der tief gläubig ist. Erschütternd die Schlussszenen, in denen Stoll, selbst Vater dreier Kinder, die ganze Verzweiflung dessen in Gesten und Mimik darstellt, dessen Gehorsam auf eine solche Probe gestellt wird.

Gehorsam

Langer Beifall war dem Mimen gewiss. Bei manchem mag sich freilich die Frage eingeschlichen haben, ob Gott der Herr wirklich allwissend und allgütig ist, wenn er es braucht, eines seiner Geschöpfe auf eine solche Gehorsamprobe zu stellen. Er müsste es doch wissen, dass Abraham, der Stammvater des Volkes Israel, ihm in allem, buchstäblich allem, gehorcht.