Aus der Not eine Chance gemacht

Heide Pfannenschwarz hat 2008 den Beruf als Künstlerin eingeschlagen

Von Stefanie Pfäffle

Aus der Not eine Chance gemacht
Die Nordheimer Künstlerin Heide Pfannenschwarz hat gerade die Fotografie neu für sich entdeckt, liebt aber weiterhin die Malerei.Foto: Stefanie Pfäffle

Nordheim - Heide Pfannenschwarz sprudelt. Vor Begeisterung, vor Ideen, vor Hingabe für ihre Leidenschaft, die Kunst. Das gesamte Haus der Nordheimerin ist zu einer einzigen Ausstellung geworden.

Überall hängen und stehen ihre Werke. Schon auf den ersten Blick wird die Vielseitigkeit deutlich. Gegenständlich, abstrakt, Acryl und Aquarell − es ist alles vertreten. "Ich will mich einfach nicht eingrenzen, und so kann ich natürlich auch mehr Leute ansprechen", findet die 52-Jährige. Das ist wichtig, denn 2008 machte Heide Pfannenschwarz die Kunst zum Beruf.

Ausbildung Der Weg dorthin war keineswegs vorgezeichnet. Sicher, schon als Kind hat sie gerne gesungen und gemalt, auch heute ist sie im Chorteam 2000 aktiv. Doch nach der Schule rückt die Kunst erst einmal in den Hintergrund. Die Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau ist wichtiger, und danach nimmt die Arbeit als Sekretärin das Organisationstalent voll in Beschlag. Dann der Schock: Ihr Betrieb wird umstrukturiert, sie verliert nach 23 Jahren ihren Job. "Damals meinten noch alle, du kannst so viel, du findest schnell wieder was", erinnert sie sich.

Ein leichter Schatten liegt über ihrem Gesicht. Denn Hunderte von Bewerbungen und Fortbildungen folgen, aber keine Anstellung. Heide Pfannenschwarz verliert nicht den Mut, selbst dann nicht, als sie als Ein-Euro-Jobber in Schulen arbeitet. Doch so kann es einfach nicht weiter gehen.

Bereits 2003 findet die Alleinstehende im Keller die alten Wachsmalstifte und Wasserfarben ihrer Kindheit und malt spontan einen Weihnachtsstern. "Der Lebensgefährte einer Freundin meinte, das müsse ich weiter machen." Mit jener Freundin besucht sie einen Kurs an der Volkshochschule für Bleistiftzeichnungen. Das bleibt bis heute der einzige Unterricht, den die Autodidaktin wahrnimmt. Vor allem Acryl wird zu ihrer bevorzugten Technik. Kombiniert mit Spachtelmasse, Gel oder anderen Materialien tobt sich Heide Pfannenschwarz farbig aus. "Ich denke, das Malen hat mir innerlich geholfen."

Steckenpferd Die Entscheidung fällt. Die leidenschaftliche Hobbygärtnerin und -bäckerin will es als Künstlerin versuchen. Ihr Businessplan überzeugt, denn sie will keinesfalls blind in die Selbstständigkeit stolpern. Seitdem malt sie, organisiert Ausstellungen im eigenen Haus und in Firmen, allein oder mit anderen Künstlern, kombiniert ihre Kunstwerke mit Lesungen, wie auch jüngst im eigenen Garten gemeinsam mit dem Schweizer Autor Rolf Waeber und dem Musiker Tino Mendez. Zudem gibt sie Kurse in kreativer Kartengestaltung für Kinder und Jugendliche. Ihr neuestes Steckenpferd ist die Fotografie. Sie erzeugt wahre Farbexplosionen, fast wirkt das Ergebnis außerirdisch. "Vielleicht musste ich erst malen, um den Blick hierfür zu schärfen", sagt sie.