Scheidtweiler ist Projektpartner bei Weinzeit im Schloss

Brackenheim  Baustart für das Brackenheimer Großprojekt soll im Herbst sein. Klares Votum des Gemeinderats für Investor Wolfgang Scheidtweiler.

Von Thomas Dorn

Scheidtweiler ist Projektpartner bei Weinzeit im Schloss

Hotel, Restaurant, Weinausstellung, Vinothek: Der Investor hat den Baubeginn für das Projekt "Weinzeit im Schloss" fest im Blick.

Foto: Archiv/Berger

Dass das Votum einstimmig ausfiel, freute Wolfgang Scheidtweiler sehr: "Das finde ich großartig", sagte er nach der Entscheidung des Brackenheimer Gemeinderats, mit ihm als Projektpartner die "Weinzeit im Schloss" zu realisieren. "Ich geh" das mit voller Begeisterung an", versicherte der Pforzheimer Unternehmer den Bürgervertretern. Das spiegelt sich auch im ehrgeizigen Zeitplan wider: Bereits im Frühjahr 2019 sollen die Umbauarbeiten beendet sein.

Lange Vorgeschichte

Seit zehn Jahren ist die Stadt mit diesem Projekt unterwegs. Mit dem Beschluss vom Dienstagabend wurde ein großer Schritt in Richtung Umsetzung gemacht. Denn einem baldigen Baubeginn steht eigentlich nichts mehr im Wege: Nachdem der Gemeinderat die vom Neckarsulmer Architekturbüro Vogt & Heller - in Abstimmung mit Scheidtweiler - erstellte Umbauplanung gutgeheißen und im November 2016 den grundsätzlichen Baubeschluss gefasst hat, liegt seit Februar 2017 auch die Baugenehmigung des Landratsamts Heilbronn vor.

Chance für die Stadt

Im Umbau des Renaissance-Schlosses in der Stadtmitte zu einem Hotel mit 38 Betten, Restaurant und der "Weinerlebniswelt" im Gewölbekeller sowie dem Neubau einer Vinothek im Schlossgraben sieht Bürgermeister Rolf Kieser eine "große Chance für die Entwicklung unserer Stadt". Verbesserung des Stadtbilds, Aufwertung des gastronomischen Angebots, positive Auswirkungen auf Tourismus und Einzelhandel sowie Förderung des heimischen Weinbaus sind nur einige Aspekte.

"Ich bin froh, dass wir einen erfahrenen Hotelier als Partner gefunden haben", sagte Kieser. Scheidtweiler, der auch Besitzer von Palmbräu in Eppingen ist, betreibt acht Hotels. Zudem kennt er sich mit dem Umbau alter Bausubstanz bestens aus (siehe Text rechts).

Vertrauen in den Partner

Auch die Ratsfraktionen setzen große Hoffnungen in das Projekt - und den Projektpartner. "Vertrauen ist das Wichtigste", sagte CDU-Fraktionschef Helmut Kayser. "Man muss sich auf den Partner verlassen können". Vor allem wenn es Probleme gebe, und die würden "sicher kommen". Denn der Umbau eines Altbaus berge immer Risiken. Vor diesem Hintergrund bewertet die CDU den Projektpartner als Glücksfall: "Er hat gezeigt, dass er umsetzen kann, was er ankündigt."

"Die Chancen sind wesentlich größer als die Risiken", meinte FWB-Sprecher Edgar Übelhör. Er dankte dem Bürgermeister für die Ausdauer, die er bei diesem Projekt bewiesen habe. "Noch nie hat uns ein Thema so beschäftigt wie die Weinzeit." Volles Vertrauen zum Projektpartner bekundete auch Josef Festl (SPD). Er wies aber auch auf die Netto-Belastung (nach Abzug der Fördermittel) von 3,2 Millionen Euro für die Stadt hin: "Viel Geld für eine freiwillige Aufgabe."

Investition lohnt sich

Genuss, Kultur, Tourismus: Unter diesen Aspekten sei die Investition zu vertreten. "Sie lohnt sich", so Brigitte Hentschke von der Liste 21. Scheidtweiler sei ein kompetenter, engagierter Partner, der die "notwendige Sensibilität" mitbringe. Wichtig ist ihrer Fraktion, dass das Thema Kulturforum "sauber gelöst wird".

Das scheint wohl zu gelingen: Der zwischen Scheidtweiler und der Kommune ausgehandelte Vertrag räumt der Stadt ein Nutzungsrecht der Kapelle im Schloss ein, das an das Kulturforum und andere Vereine weitergegeben werden soll. Die Kapelle soll im bisherigen Umfang kulturellen Zwecken dienen.

Stadt bleibt Eigentümerin

 

Scheidtweiler ist Projektpartner bei Weinzeit im Schloss

Projektpartner bei der Weinzeit im Schloss: Bürgermeister Rolf Kieser (links) und Unternehmer Wolfgang Scheidtweiler.

Foto: Thomas Dorn

Apropos Vertrag: Vor der öffentlichen Sitzung hatten Investor und Gemeinderat noch einmal zwei Stunden lang nichtöffentlich über die Inhalte gesprochen. Danach bleibt die Stadt Eigentümerin des Schlosses, das sie für einen Zeitraum von 30 Jahren an Scheidtweiler verpachtet. Als Projektpartner soll er die konzeptionellen Arbeiten leisten, die notwendigen Planungen und Baumaßnahmen durchführen und anschließend die gesamte Anlage betreiben.

Dafür bekommt er von der Stadt ein Pauschalhonorar von knapp 4,2 Millionen Euro plus der gesetzlichen Umsatzsteuer. Die Stadt übernimmt außerdem eine Ausfallbürgschaft. Und sie ist finanziell mit im Boot, falls heute nicht bekannte Altlasten oder denkmalbedingte Mehrkosten auftauchen sollten. Für das gesamte Projekt wird grob mit Investitionskosten von etwa zehn Millionen Euro gerechnet.

LIebezu alten Gebäuden

Den Umbau alter Gebäude nennt er "mein Hobby": Für Wolfgang Scheidtweiler, den Projektpartner der Stadt Brackenheim bei der "Weinzeit im Schloss", haben Altbauten einen "besonderen Charme", den er bei Neubauten oft nicht erkennen kann. "Es muss prickeln", sagt der Unternehmer aus Pforzheim im Gespräch mit unserer Zeitung - und dieses Prickeln hat er beim Blick auf das Brackenheimer Renaissance-Schloss sofort gespürt. Auflagen des Denkmalamts machen ihm keine Sorgen. "Man muss mit solchen Gebäuden umgehen können", sagt der 70-Jährige, der nach eigener Aussage inzwischen 30 alte, meist denkmalgeschützte Häuser besitzt.

Entscheidend ist für ihn, nicht aus einem Altbau einen Neubau machen zu wollen. "Der Boden darf auch mal mal etwas schief sein, die Decke auch mal durchhängen." Im Brackenheimer Schloss soll nicht nur die alte Substanz erhalten bleiben, teilweise sollen auch die ursprünglichen Grundrisse reaktiviert werden. "Bei der Nutzung als Hotel müssen wir gar nicht so viel verändern", sagt er. Mit Hotels kennt sich der gelernte Bierbrauer aus, seit er 1991 das Parkhotel in Pforzheim umgebaut hat. Inzwischen besitzt er acht Hotels. Welche Summe er in Brackenheim genau investieren wird, weiß er nach eigene Aussage noch nicht: "So wenig wie möglich, so viel wie nötig."