Gartenlaube feiert Vierteljahrhundert

Kultkneipe vier Tage in Festlaune - Geschichte mit Polizeisturm und Brandstiftung

Von Carsten Friese

Gartenlaube feiert Vierteljahrhundert
Nicht nur beim Seefest herrscht hier Partystimmung: Die Gartenlaube wird 25 Jahre alt. Vier Tage Feststimmung stehen ab heute bevor.Foto: Archiv/Schmerbeck

Heilbronn - Gläser mit Reichsadler, Kerzenleuchter, antike Stühle und eine „Riesen-Stereoanlage“: In einem zuvor verrammelten Kleingärtnerheim fing 1982 alles an. Jetzt wird die Kultkneipe „Gartenlaube“ in Böckingen 25 Jahre alt. Der antike Charme ist längst gewichen, der Geist von Rock & Pop, Toleranz und Freiheit ist geblieben.

Er ist fast doppelt so alt wie sein „erstes Kind“, und für Multi-Gastronom Michael Carle (49) war die Gartenlaube das Sprungbrett zu einer etappenreichen Gastronomiekarriere. Als Student fuhr er immer mit dem Zug an dem geschlossenen Vereinsheim vorbei - bis ihm die Idee kam, daraus eine Partykneipe zu machen.

Als die „Laube“ im Mai 1982 die Tür öffnete, hatte Carle nur über Mundpropaganda die Werbetrommel gerührt. 2000 Gäste strömten zur Eröffnung, nach einer Stunde waren rund 250 Liter Bier leer - die eigentlich eine ganze Wochen reichen sollten.

Bittere Stunde Kritiker des Szenelokals gab es einige. Als „Politikum“ bezeichnet Carle jene Phase, als die Laube als „Haschhöhle“ angeschwärzt und einem Sportplatz weichen sollte. Ein Polizeieinsatz mit rund 200 Beamten bildete den Höhepunkt einer fragwürdigen Kampagne, die für einen Amtsleiter gar zum Stolperstein wurde.

Eine „bittere Stunde“ war für Carle jene Nacht im August 2000, als zwei Arbeitslose und ein Kraftfahrer das Lokal anzündeten und niederbrannten. „Aus Dummheit“, wie ein Angeklagter vor dem Landgericht aussagte. Die Laube wurde wieder aufgebaut, in etwas modernerem Stil. „Die Patina ist wieder da“, sagt Michael Carle heute über das Lokal, in dem eine Totenkopffahne und Reklameschilder aus den 50ern und 60ern an der Wand hängen, 90 Prozent Flaschenbier getrunken wird und Gäste bei leerem Geldbeutel auch mal Mitgebrachtes trinken dürfen.

Zu Bruch geht regelmäßig etwas in der Partykneipe. Groß aufgeregt wird sich darüber nicht. Als Anlaufstelle für die Jugend, wo dennoch „eine gewisse Ordnung herrscht“, sieht Carle die Kneipe. Die Altersgrenze von 16 Jahren kontrolliert das Personal nach Auskunft des Chefs streng. An unter 18-Jährige würden keine Spirituosen ausgeschenkt. Reduzierte Getränkepreise gibt es, Flatrate- oder All-inclusive-Partys sind für Michael Carle aber tabu, sagt er. Der Grat ist schmal. Als bei einem „Wodka-Event“ viele Betrunkene herumtorkelten, wurde das Angebot abgesetzt. „Da hat man als Wirt schon Verantwortung“, sagt Geschäftsführer Matthias Kern.

Am Konzept des Unkonventionellen fernab jeglicher moderner Musik-Strömungen wie Techno, House oder Hip Hop hält Carle fest. In der Laube bleibt es bei Rock & Charts-Hits oder auch mal einer urigen Schlagernacht. Die vier Festtage zum 25. Geburtstag sieht Carle nur als Zwischenstation. Die Gartenlaube werde es „weitere 25 Jahre geben - Minimum.“

Der Geburtstagsreigen 25 Jahre Gartenlaube steigt vom Mittwoch, 16., bis Samstag, 19. Mai: Coyote-Ugly-Party, Beach Party, Rock- und Pop-Hausball und eine Big-FM-Rock-Party beginnen jeweils ab 20 Uhr. Eintritt an allen vier Tagen frei.