Bilder, die aus dem Rahmen fallen

Ágnes Lörincz’ Gemälde enthüllen auf den zweiten Blick ihre Doppeldeutigkeit

Von Birgit Riecker

Bilder, die aus dem Rahmen fallen
Schönheit und Luxus sind in den Bildern der Neckarsulmer Künstlerin Ágnes Lörincz ironisch gebrochen.

Foto: Birgit Riecker

GüGLINGEN - Ein Hauch von Luxus“ hat am Sonntag im Güglinger Rathaus Einzug gehalten. Szenen aus der schicken Modewelt, schnittige Autos und teure Accessoires hängen gemalt an den Wänden. Was für eine Haltung der Künstlerin steckt dahinter? Eine unkritische, bewundernde? Keineswegs.

„Ágnes Lörincz’ Bilder sind ernsthaft und komisch, mit Mut zum Übermut und mit Lust am Paradoxen“, so Eröffnungsredner Siegfried Simpfendörfer vor annähernd 100 Besuchern.

Luxus und Schönheit, so Simpfendörfer, werden von der Malerin mit Zuneigung, auch Faszination, und mit der nötigen Distanz und Ironie als gegenwärtiges und schon seit Jahrtausenden die Kunst bewegendes Phänomen neu thematisiert.

Schöne, junge Frauen in Laufstegpose dominieren viele Bilder. Irritierend auf den ersten Blick die Zuordnung des Hintergrunds: Warum die leuchtenden Gelb-, Orange- und Rosatöne, warum das abgekühlte Grün? Es sind Farben, die herrlich in ihrer zeitgemäßen Künstlichkeit daher kommen. Und warum die Ornamente und Streifen? Sind es Tapeten, ist es Stoff oder sind es tatsächlich gemalte Strichcodes, wie wir sie an den Warenkassen vorzeigen? Der Betrachter darf sich entscheiden. Neben hochhackigen Schuhen, Lippenstift und Handtasche gibt es beispielsweise auch eine Nische für Boxhandschuhe rund um das Beauty-Model. Welche Bedeutung kommt ihnen zu? „Frauen müssen sich eigentlich immer noch überall durchboxen“, lächelt die Künstlerin verschmitzt. Spielerisch kommen ihre jüngsten, großformatigen Bilder daher. „Ich übernehme Motive und spiele mit der Farbe“, verrät sie. Die Kompositionen, die dabei entstehen, dürfen auch gerne ab-strakt und doppeldeutig sein.

Ágnes Lörincz stammt aus Rumänien, hat Kunst studiert und wohnt seit 1985 in Neckarsulm. Die Diplom-Designerin kann auf zahlreiche Stipendien und Ausstellungen im In- und Ausland verweisen. Derzeit arbeitet sie als Lehrbeauftragte an der Freien Kunstakademie in Mannheim.

Für das Güglinger Rathaus ist dies in diesem Jahr bereits die zweite Ausstellung, freute sich Bürgermeister Klaus Dieterich. Und es ist die erste Ausstellung der neuen Vorsitzenden der Bürgerstiftung „Kunst für Güglingen“, Petra Suchanek-Henrich, der Nachfolgerin von Irmhild Günther. Petra Suchanek-Henrich lädt alle Rathaus-Besucher ein, mit den Kunstwerken in den Dialog zu treten.

Die Ausstellung „Ein Hauch von Luxus“ im Güglinger Rathaus ist bis 10. Juni jeweils montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und montags, mittwochs, donnerstags von 14 bis 16 Uhr sowie dienstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.