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Der Prachtbau forderte das ganze Dorf

250 Jahre Schloss Massenbach: Auf dem ehemaligen Rittergut wird von Freitag bis Sonntag gefeiert

Von Klaus Thomas Heck
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Lesezeit  2 Min
Der Prachtbau forderte Blut, Schweiß und Tränen
Geburtstagskind: Auf dem Barockschloss der Freiherren von Massenbach beginnt am Freitagabend die 250-Jahr-Feier. Den Erbauern war nicht immer nach Feiern zumute. (Fotos: Klaus Thomas Heck)

Von Klaus Thomas Heck

Nur wenige Räume wurden 2003 nach historischen Vorlagen restauriert. Hier erinnert die Ausstattung an prunkvolle Zeiten, an reich gedeckte Tische und Empfänge von edel gewandeten Gästen. In den Nebenzimmern und im Dachstuhl bröckeln dagegen die Wände aus Stroh, Holzbalken und Lehm. Das Massenbacher Schloss wird in den kommenden Jahren wohl noch viele Denkmalschützer beschäftigen.

Die Geschichte der Freiherren von Massenbach beginnt lange vor dem Schlossbau. 1160 wird die Adelsfamilie erstmals urkundlich erwähnt. Warmunt von Massenbach bezeugt einen Vergleich.

Seine Nachfahren führen als Lehensherren im Ort ein hartes Regiment, sind in der Ritterschaft des Kraichgaus immatrikuliert. Bis 1806 ist Massenbach Rittergut. Enge Verbindungen bestehen nach Hohenlohe und in die Kurpfalz, die von Massenbachs machen als Ministeriale von Grafenfamilien gute Geschäfte. Ihr bis ins 16. Jahrhundert weit verstreuter Besitz reicht vom Neckar bis zur Rheinebene. Stammsitz ist - von kurzen Episoden abgesehen - die Burg Massenbach, die Beziehungen reichen aber bis Preußen. So wird Christian von Massenbach Anfang des 19. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Militärwissenschaftler Preußens.

Er ist der Sohn von Georg Wilhelm dem Achten, der 1756 das Massenbacher Schloss plant. Auf den Grundmauern der alten Burg, die im 30-jährigen Krieg zerstört worden war, lässt er ein Barockschloss errichten. Freude löst der Prachtbau nicht aus: In Fronarbeit muss die arme Bevölkerung das Anwesen bauen. Es fließen Blut, Schweiß und Tränen. Es ist die entbehrungsreichste Zeit, die der Ort je erlebte. Doch Georg Wilhelm braucht das Schloss, um sein Lehen (den Besitz auf Massenbacher Gemarkung) zu erneuern. Unerbittlich treibt er den Bau voran und führt zusätzliche Frondienste auf seinen Äckern und Abgaben ein. Weil die Massenbacher dagegen klagen, besetzen von 1771 bis ’73 mehrfach kaiserliche Exekutionstruppen den Ort. Viele Massenbacher flüchten nach Richen, Schluchtern oder Kirchardt.

Heute prägt das Schloss am Rande der Landstraße das Bild des Schwaigerner Stadtteils. Schlossherr ist seit 1930 die Freiherr von Massenbach’sche Waldstiftung, die das Anwesen und seinen Besitz verwaltet - etwa die 1578 erbaute Zehntscheune, 110 Hektar Wald und 74 Hektar Felder, die alle verpachtet sind. Im Südflügel des Schlosses wohnen fünf Mietparteien, auf dem landwirtschaftlichen Hof lagert die Bundesanstalt für Ernährung einen Teil ihrer strategischen Reserven: Getreide und Hülsenfrüchte. Auch die Südzucker AG unterhält hier ein Lager für Zuckerrüben-Pellets, nebenan ist ein Militaria-Laden. Georg Sylvius von Massenbach (42) ist Vorsitzender der Waldstiftung, sein Vetter Heiko ihr Stiftungsrat.

Die 250-Jahr-Feier, hofft er, soll die Familie wieder enger an ihre Wurzeln führen. 70 von Massenbachs gibt es weltweit, von England bis Südamerika. „Wir wollen uns wieder mehr in Massenbach engagieren. Das ist hier ein unheimlich lebendiger Wirtschaftsraum“, sagt der 69 Jahre alte Esslinger, der jede Woche mindestens ein Mal vorbei schaut.

Mit den alten Vorurteilen gegenüber den Lehnsherren hat er abgeschlossen. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Wir sind doch alle in der Gegenwart angekommen.“

Der Prachtbau forderte Blut, Schweiß und Tränen
Hier der restaurierte Saal im Mitteltrakt, dort die maroden Nebenräume.
Geburtstagsfest auf altem Rittergut
Schlossherr und Schlosserbauer: Dr. Heiko von Massenbach vor einem Porträt von Georg Wilhelm dem Achten, der das Anwesen von 1756 an errichten ließ.
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