Schachmatt in 180 Minuten

Leingarten - Bei den Teilnehmern des vierten Leintal-Jugend-Cups im Schachsport rauchen die Köpfe. Dame, König, Springer oder Turm wechseln ihre Positionen, und so mancher Bauer fällt. Insgesamt 141 Teilnehmer - von Friedrichshafen bis nach Frankfurt - machen an drei Turniertagen die Besten unter sich aus.

Von Gabi Muth

Leingarten - Im Festsaal des Kulturgebäudes ist es mucksmäuschenstill. Lautlos schreitet die Minutenanzeige der Uhren an den Spieltischen voran. Bei den Teilnehmern des vierten Leintal-Jugend-Cups im Schachsport rauchen die Köpfe. Dame, König, Springer oder Turm wechseln ihre Positionen, und so mancher Bauer fällt. Insgesamt 141 Teilnehmer − von Friedrichshafen bis nach Frankfurt − machen an drei Turniertagen die Besten unter sich aus.

Gespielt werden sieben Runden im so genannten Schweizer System, welches meist dann angewandt wird, wenn wegen der großen Teilnehmerzahl nicht jeder gegen jeden spielen kann.

Stolz

Turnierleiter Eric Hermann ist stolz. "Wir richten in Süddeutschland das größte, auf diese Weise organisierte Turnier aus", erklärt er. Die Teilnehmer kämpfen von der U 8 bis zur U 25. Dabei ist der jüngste Spieler gerade mal vier Jahre alt, der Älteste zählt 23 Lenze.

Oliver van Klinger hält sein wachsames Auge über die Spieler. Er ist Hauptschiedsrichter und sorgt für absolute Ruhe im Saal und für die Einhaltung der Regeln. Und die sind streng. Als der Handywecker bei einem Teilnehmer klingelt, ist das Spiel für ihn sofort beendet − der Gegner heimst die Siegpunkte ein.

Insgesamt 90 Minuten hat jeder Spieler für eine Zeit − so kann eine Partie bis zu drei Stunden dauern. Doch nicht alle kosten die volle Spielzeit aus. Vor allem die Jüngeren können sich noch nicht so lange konzentrieren. Bis die nächste Partie beginnt, tummeln sie sich auf dem Spielplatz und der Fußballwiese rund ums Eichbottzentrum oder sitzen nebenan im Analyseraum.

Hier sind auch der siebenjährige Nils Afonso und sein Papa Piedade aus Remseck zu finden. Seit dem vergangenen Jahr spielt der Dreikäsehoch Schach, hat es von seiner Mama gelernt. Nun hat sich auch der Papa mit den Regeln vertraut gemacht und gibt offen zu: "Mein Sohn ist besser." Konstantinos Parashidis, Jugendleiter des Kornwestheimer Vereins, bei dem Nils trainiert, ist mit seinen Spielern bereits zum zweiten Mal in Leingarten und lobt die Veranstalter: "Das Turnier ist absolut gut organisiert."

Einen Tisch weiter sitzen sich der neunjährige Dennis Stegmiller aus Bad Rappenau und Werner Bosch-mann, Trainer beim Schachclub Widdern, zu einer Partie gegenüber. Boschmann kann dem Jungen noch eine Menge beibringen. "Beispielsweise, dass man besser überlegen muss, bevor man den nächsten Zug macht."

Seit fünf Jahren hat Dennis Spaß an dieser Sportart. Er hat große Pläne. "Ich will mal Großmeister werden." Immerhin hat er an diesem Wochenende gute Chancen auf einen Pokal, denn von bisher zu erreichenden 18 Punkten hat er schon zwölf eingeheimst.

Analyse

Die zehnjährige Leah Samietz aus Lauffen ist eine der wenigen weiblichen Teilnehmer des Wettbewerbs. Häufig ist Papa Mirko bei den Turnieren mit dabei − so auch heute. Insgesamt 68 Spielzüge hat Leah in der letzten Partie gespielt − und diese fein säuberlich auf Papier notiert. Nun analysiert sie zusammen mit ihrem Vater, was sie hätte besser machen können.

Mirko Samietz ist Pädagoge in der Wilhelm-Hauff-Realschule in Bad Rappenau, leitet dort die Schach-AG und erklärt, was diese Sportart bei den Kindern und Jugendlichen bewirkt: "Schach erhöht die Konzentrationsfähigkeit und die Frustrationstoleranz." Vor allem Letztere ist auch bei so manchem Teilnehmer in Leingarten gefordert. Denn − gewinnen kann immer nur einer.