Mönche, Ritter, Stammtischbrüder

Prost: Im Leingartener Heimatmuseum erzählen Zinnfiguren Geschichte und Geschichten des Bieres

Email
Fast wie im richtigen Leben. Vielleicht. Gambrinus, der Schutzpatron der Bierbrauer, bei einem mittelalterlichen Zechgelage.

Fotos: Klaus Thomas Heck

Leingarten Ein Bierfass, so groß wie ein Daumen? Eine Wiese, die aus der Dose kommt? Eine nackte Schöne, die kopfüber aus einem Kelch trinkt? Im Leingartener Heimatmuseum steht zurzeit die Welt kopf. Ab Sonntag zeigt es Biergeschichten von Peter Bach. Der Fleiner hat die Entwicklung des Gerstensafts von der Antike bis zur Neuzeit mit Zinnfiguren nachgestellt.

Bierologen unter sich „Es sind 28 Millimeter auf Augenhöhe. Schreiben Sie bloß nichts anderes.“ Peter Bach bemüht sich um ein ernstes Gesicht, doch hinter seinen Augen blitzt der Schalk hervor. 28 Millimeter also messen sie, seine Kinder, seine Schützlinge, die kaum größer sind als eine Euro-Münze. 300 Stück hat der selbst ernannte „Bierologe“ ins Heimatmuseum mitgebracht. Mönche, Ritter, Stammtischbrüder.

Denn im Heimatmuseum dreht sich alles rund ums Bier. Peter Bach lässt seine Miniatur-Gesellen die Geschichte des Brauwesens nachspielen. Die beginnt 4000 vor Christus bei den Babyloniern und den Ägyptern, für die das Bier fester Bestandteil der Truppenverpflegung ist. Bach zeigt den Biergenuss, aber auch die Bierproduktion. Ein Pharao trinkt aus einem Saugrohr, eine hübsche Ägypterin stampft durch die Maische. „Das muss so sein“, erzählt der Künstler mit einem Augenzwinkern. „In Ägypten waren die Brauer meist weiblich.“

Galeeren voller Bier Die Leingartener Ausstellung ist fantasievoll, drollig, informativ. Peter Bach zeigt die Amphorenherstellung bei den alten Römern, eine Galeere als Biertransporter für die Provinzen oder den Besuch Karls des Großen in einer Klosterbrauerei. „Der war auch so ein Bierologe“, meint Peter Bach.

Sein Alter will er nicht verraten. „Sonst halten mich alle für einen Tattergreis und geben mir keine Ausstellungen mehr“, erzählt er. Denn Ehrgeiz hat der Rentner nach wie vor. Landesweit, von Wertheim bis zum Militärhistorischen Museum in Rastatt, hat er seine Zinnfiguren schon ausgestellt. Nicht nur zum Thema Bier. Auch die Entwicklung des Rades, die Feuerwehrhistorie oder Bibelgeschichten gehören zu seinen stets wiederkehrenden Motiven.

Und das bedeutet vor allem viel Arbeit, wenn er manchmal nächtelang seiner filigranen Bastelei nachgeht. Die Zinnfiguren, so genannte Rohlinge, kauft er im Fachhandel und entgratet sie - das heißt, er entfernt mit Seziermesser und Feile die Metallreste vom Gießen. Danach werden die Figuren - „28 Millimeter auf Augenhöhe“ - gesäubert, grundiert und mit Ölfarben bemalt. Später stellt er sie in Dioramen - Miniaturlandschaften aus Pappe, Holz und Spachtelmasse. So entstehen ganze Gebirge, Häuser oder Burgruinen. Die werden später mit grünen oder beigem Streumaterial bedeckt, das wie eine Wiese oder ein Steinfeld wirkt. „Manchmal nehmen wir aber auch echten Sand“, erzählt Bach. „Vom letzten Italien-Urlaub oder aus Florida.“

Ehepaar im Zinn-Rausch Seit 30 Jahren hat er dieses Hobby „aus Freude an der Miniatur“. Die Begeisterung für die große Welt im Kleinen hat längst auch seine Ehefrau Ingrid erfasst. Die stellt mit ihren Charakterköpfen aus Zinn vor allem Oster- oder Weihnachtsmotive nach, allerdings mit größeren Schützlingen. „54 Millimeter auf Augenhöhe.“ Keine Konkurrenz für ihren Gatten.

34 Dioramen zeigt Peter Bach in Leingarten, zu jedem gibt es einen erklärenden Text. Etwa, warum es bei mönchischen Bierproben im Mittelalter oft hieß: „Erst taufen, dann saufen.“ Oder wann das bayerische Reinheitsgebot verkündet wurde. Und wieso der erste nachweisliche Stammtisch 1730 bei Preußenkönig Friedrich Wilhelm dem Ersten stattfand.

Und weshalb wohnt so ein Bierologe wie Peter Bach ausgerechnet in einer Weinbaugegend? „Ja“, sagt er mit schelmischem Grinsen, Flein sei eigentlich Feindesland. „Bier mag ich lieber. Aber um unsere Freunde nicht zu kränken, trink’ ich hin und wieder auch mal einen Wein.“

Die Zinnfiguren-Ausstellung „Hopfen und Malz“ wird im Leingartener Heimatmuseum am Sonntag, 26. November, um 11 Uhr eröffnet und ist bis 7. Januar zu sehen. Das Heimatmuseum „Altes Rathaus“ an der Eppinger Straße 150 ist sonntags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 17 bis 19 Uhr geöffnet, außerdem nach telefonischer Vereinbarung unter 07131 / 900173 oder unter 07131 / 401830.

Mönche, Ritter, Stammtischbrüder
Die Wiese kommt aus der Dose: Zinnfiguren-Tüftler Peter Bach verteilt frisches Streumaterial auf einem Diorama. Das ist nach jedem Transport nötig.