Kommt Stadtrecht zum 40. Geburtstag?

Leingarten - Gemeinde hat Bewerbung beim Innenministerium abgegeben

Die breit gefächerten Einkaufsmöglichkeiten in der Gemeinde sieht Bürgermeister Ralf Steinbrenner als eines von vielen städtischen Merkmalen.Fotos: OCL

Leingarten - Wir erfüllen die Merkmale für eine Stadt“, sagt Bürgermeister Ralf Steinbrenner selbstbewusst. Weil das so ist, hat Leingarten beim Innenministerium in Stuttgart die Stadtrechte beantragt. Wenn alles gut läuft, sollen sie zum 40. Geburtstag der Gemeinde am 1. Januar 2010 verliehen werden.

„Leingarten auf dem Weg zur Stadt“ heißt das gebundene Büchlein, das die Gemeindeoberen – quasi als Bewerbungsunterlagen – nach Stuttgart geschickt haben. Darin sind eine ganze Reihe von Gründen aufgeführt, warum Leingarten künftig den Titel „Stadt“ führen sollte:

Städtische Struktur: „Alles ist geballt beieinander“, erklärt Ralf Steinbrenner, die Gemeinde zerfällt nicht in Ortsteile.

Vereinsaktivitäten: Das breite Angebot im sportlichen und kulturellen Bereich zieht Interessierte aus umliegenden Gemeinden an.

Kinderbetreuung: Das Angebot für die Kleinsten bis zu den Schulabgängern gehört zu den modernsten im Stadt- und Landkreis Heilbronn.

Einkaufsmöglichkeiten: Die Gemeinde verfügt über vier Discounter und zwei Vollsortimenter. Firmen wie Möbel-Endner, Holz-Hauff oder der Praktiker-Markt ziehen Einkäufer aus dem gesamten Umland an.

Stadtbahn: Vier Mal hält die Stadtbahn in Leingarten. „Das ist definitiv ein städtisches Merkmal“, sagt Ralf Steinbrenner, „in ländlichen Kommunen gibt es Bushaltestellen.“

Was bislang fehlt, gibt der Rathauschef zu bedenken, sind weiterführende Schulen „oberhalb der Werkrealschule“, also eine Realschule oder ein Gymnasium. Doch auch hier sehen die Gemeindeoberen durchaus Chancen für die Zukunft. Platz für eine neue Schule wäre im Eichbottzentrum auf jeden Fall vorhanden.

Leingarten verfügte lange Zeit auch nicht über „ein Alleinstellungsmerkmal“, wie es der Rathauschef nennt. Mit dem Künstlersymposium im Juli 2007 und den dabei geschaffenen „Kreiselkunstwerken“ hat die Gemeinde die Voraussetzungen

geschaffen, sich künftig von Kommunen in derselben Größenordnung abzuheben. Überhaupt liegt das Marketing dem jungen Gemeindeoberhaupt am Herzen. Im harten Wettbewerb der Kommunen sei es unerlässlich, die „Marke Leingarten“ weiter zu positionieren, findet er. Ralf Steinbrenner: „Die Außendarstellung und der Zusammenhalt nach innen gehören zusammen. Wenn die Bürger stolz sind auf ihre Kommune, dann kann man sie für fast alles gewinnen, was uns bereichert.“ Ralf Steinbrenner lässt sich einiges einfallen, um seine Gemeinde ins Gespräch zu bringen. Die Aufmerksamkeit war den Leingartenern gewiss, als sie im Juni 2008 ihr fünftes Kreiselkunstwerk platzieren ließen – mit dem Hubschrauber wurde die Aluminiumskulptur von Gunther Stilling eingeflogen und in den Kreisverkehr Richtung Kirchhausen positioniert.

So warten die Leingartener zuversichtlich auf die Entscheidung, die das Landeskabinett auf Vorlage von Innenministerium und Regierungspräsidium fällen soll. Schon jetzt wollen die meisten Anrufer, die sich von außerhalb melden, ohnehin mit dem „Bürgermeister der Stadt Leingarten“ sprechen.

Die Ortschronik Leingarten von Valerie Blass, Titel „Von der Zweckehe zur Erfolgsgemeinschaft“, erscheint Ende Oktober 2008 im Verlag der Heilbronner Stimme. Das Buch kostet 14,80 Euro.