Kleinod mit Hühnerschlupf

Nach 4000 Arbeitsstunden von 46 Helfern ist das Firminushaus fertig

Von Stefanie Pfäffle

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Kleinod mit Hühnerschlupf
Es ist vollbracht: Bürgermeister Christoph Schulz (rechts) bedankt sich bei allen ehrenamtlichen Helfern mit einer Fotocollage und vielen Bildern vom Umbau.Foto: Stefanie Pfäffle

Massenbachhausen - Nur 35 000 Euro, das sollte alles sein, was zur Renovierung des Geburtshauses von Firminus Wickenhäuser, Franziskanermönch und Bildhauer, noch fehlte. "Und da fiel im Rahmen einer Sitzung des Fördervereins Denk-Mal diese unvorstellbare und im ersten Moment sicher gar nicht greifbare Aussage von Horst Baumgärtner", erinnert sich Massenbachhausens Bürgermeister Christoph Schulz und zitiert: "Also daran kann es nicht scheitern. Ich werde umsonst arbeiten und örtliche Handwerker und Freunde finden, die mir helfen." Und er hat sie gefunden. Am vergangenen Sonntag feierte der Ort mit einem kleinen Fest die Einweihung des Firminushauses.

Zwischen den beiden Ereignissen liegen allerdings drei Jahre und 4000 Arbeitsstunden von 46 ehrenamtlichen Helfern. Bei einer 40-Stunden-Woche wären das fast zwei Jahre, und das nur für ein Dankeschön. "Da fehlen nicht nur mir die Worte", betont Schulz.

Vermodertes Holz Einsturzgefährdet war das alte Haus schon lange. Auf Bildern im Innern ist Architekt Hans-Peter Weinreich zu sehen, wie er fast ungläubig auf die vermoderten Balken der Zwischendecke blickt. Jahrelang hatte Nässe von oben und unten ihr Werk getan. Bausubstanz musste in Ordnung gebracht, vermodertes Holz ergänzt werden. Einfach rausreißen ging nicht, denn schließlich steht das 1736 erstmals urkundlich erwähnte Haus − eine ehemalige Synagoge − unter Denkmalschutz. Historisch Wertvolles wie ein Balken, der auf den Toraschrein der Synagoge hinweist, wurde erhalten. "Schön sind so kleine Details wie der Hühnerschlupf in der alten Treppe", findet Weinreich.

30 Gewerke waren insgesamt beteiligt, 17 davon konnten in Eigenleistung bewältigt werden. Horst Baumgärtner erinnert sich an zwei besonders schwierige Abschnitte. Die Grundmauern hatten kein Fundament, also mussten die Helfer einen Meter Erde abtragen, einen Meter stehen lassen und so weiter. Die Löcher wurden mit Beton gefüllt und dann noch mal umgekehrt. "Da dachten viele, die schaffen und schaffen und man sieht nichts."

Schulz freut sich sichtlich über das neue Kleinod seiner Gemeinde. "Als ich vor 16 Jahren im Wahlkampf unterwegs war, wurde mir beim Anblick des baufälligen Hauses entgegnet, da könnte man mal eine Feuerwehrübung machen." Jetzt hat sich viel getan. Das Haus bekam nicht nur ein Fundament, sondern auch Dachgauben, Duschen, einen Andachtsraum, einen Ausstellungsraum sowie ein zusätzliches Zimmer im Dachgeschoss.

Gästezimmer Zu Beginn beherbergt der Ausstellungsraum Informationen und Bilder über Bruder Firminus. Es soll aber auch andere Themen, Lesungen und Vorträge geben. Die beiden Gästezimmer sind bereits auf Wochen ausgebucht. Eine Dame aus Dresden hatte das Firminushaus im Internet gefunden und für zehn Wochen gebucht. "Sie hat aus ihrem Hotel noch einen anderen Gast abgeworben, der voraussichtlich mehrere Monate bleiben wird", erzählt der Bürgermeister bei der Eröffnung.

Das ist auch gut so, denn noch ist das Projekt nicht komplett finanziert. Die geschätzten 150 000 Euro Baukosten stiegen auf 230 000 Euro. 180 000 Euro sind durch das Land und durch Spenden (mehr als 83 000 Euro) abgedeckt. Der Förderverein wird etwa durch den Verkauf von Firminuströpfle und Firminuswein weiter Geld sammeln.

Kleinod mit Hühnerschlupf
Ein Schmuckstück ist aus dem baufälligen Haus geworden.Foto: Archiv/Krezer