Der Blick über den Tellerrand

Multifunktionsanlage "Sport und Therapie" vor 350 Gästen eingeweiht

Von Friedhelm Römer

Der Blick über den Tellerrand
Trugen ihren Teil bei zu einem rundum gelungenen Festabend mit einem umfangreichen Rahmenprogramm: Die achtköpfige Dance Company des TV Hausen.Fotos: Dennis Mugler

Schwaigern - Der TSV Stetten hat Nachwuchs bekommen. Es ist das 14. Kind des Vereins, und es wird wohl von allen die größte Beachtung in der Öffentlichkeit finden. "Sport und Therapie für Kinder mit und nach Krebs" heißt diese neue Abteilung des Sportvereins. Am Samstag wurde dieses nach den Worten des Vereinsvorsitzenden Günter Zielke "deutschlandweit einzigartige Projekt" vor 350 Gästen im Rahmen eines Festabends mit einem umfangreichen und kurzweiligen Musikprogramm in der Stettener Mehrzweckhalle eingeweiht: Eine Multifunktionsanlage unter freiem Himmel, auf dem an Krebs erkrankte Kinder nach der Chemotherapie gemeinsam mit gesunden Kindern Sport treiben, um wieder fit zu werden und leichter zurückfinden sollen in ihr normales Leben. Der Bau der Anlage hat 380 000 Euro gekostet.

Motor "Wir wollen den Kindern helfen, mit ihrer Krebserkrankung besser fertig zu werden und damit über den Tellerrand des Vereins und der Gemeinde hinausschauen", erklärte TSV-Chef, Ideengeber und Motor des Projekts Günter Zielke auf der Bühne gegenüber Moderatorin Heike Lüttich, die durch den Abend führte.

Ralf Klenk ist es gewohnt, über den Tellerrand hinauszuschauen. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Bechtle AG hat seinen Sohn aufgrund einer Krebserkrankung verloren. Klenk hat daraufhin im Oktober 2009 die Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden" ins Leben gerufen, weil er festgestellt hat, "dass an Krebs erkrankte Kinder ein ganzheitliches Konzept brauchen", was es in Deutschland noch nicht gebe. Die Stiftung wird den Fahrdienst für die Kinder von den SLK-Kliniken Heilbronn nach Stetten und zurück organisieren.

Das ganzheitliche Konzept ist auch für den Hauptsponsor und Apotheker Andreas Scheuerle eine zentrale Angelegenheit: "Unser System ist darauf ausgerichtet, die Krankheit zu überstehen. Die Erkenntnis, dass der weitere Verlauf auch wichtig ist, muss sich noch durchsetzen."

Dass ein Umdenken stattgefunden hat, machte Dr. Holger Hauch deutlich: "Die Ganzheitlichkeit wird in der Kinderonkologie groß geschrieben." Er ist einer von drei Kinderonkologen im SLK-Klinikum Heilbronn und wird in Absprache mit seinen Kollegen, den Physiotherapeuten, die der TSV Stetten stellt, sowie den betroffenen Kindern und ihren Eltern die Abläufe festlegen. Ab Ende Juni sollen die ersten Kinder auf der Anlage spielen.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch ist überzeugt, dass dieses Projekt "nicht nur nach Deutschland, sondern nach ganz Europa strahlt." Sie hob den besonderen Geist hervor, der hier wirke. Auch Bürgermeister Johannes Hauser stellte die Gemeinschaft heraus: "Der ganze Ort steht dahinter und freut sich, diesen Kindern ein Stück Normalität zu geben."

Hand in Hand Schirmherr Scheuerle zweifelt keinen Augenblick daran, dass dieses aus privater Antriebskraft entstandene und finanzierte Vorhaben scheitern könnte, "weil alle Player Hand in Hand arbeiten". Tatsächlich haben Zielke und seine Mitstreiter viele Gruppen mit ins Boot geholt, unter anderem die evangelische Kirchengemeinde. Pfarrer Martin Bulmann verdeutlichte: "Aus der Erde und dem Material ist etwas entstanden. Jetzt muss dem Ganzen noch Leben eingehaucht werden." Mit dabei ist auch der Neckarsulmer Junioren-Weltmeister im Boxen, Dominik Britsch. Er tritt als Pate des Projekts auf: "Wenn es mein Trainer zulässt, werde ich jedes Jahr kommen und Geschenke mitbringen."

Bulmann ist begeistert: "Was wir hier sehen, ist nicht nur die Gestalt eines Sportparks. Das Ganze hat ein Gesicht, und wir zaubern das Lachen in die Gesichter und Herzen der Kinder."

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Mit 350 Gästen ausverkauft: Die Mehrzweckhalle in Stetten.
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Schlagkräftiger Sportler: Auch Dominik Britsch unterstützt das Projekt.