Die Wurzeln der Zünfte liegen tief

350 Jahre Neudenauer Zünfte: Festabend mit Gästen aus Wirtschaft und Politik in der Kelter

Von Manfred Dod

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350 Jahre Zünfte in Neudenau waren Anlass für einen Festakt mit vielen Ehrengästen aus Industrie und Handwerk in der Neudenauer Kelter.
Beim Festabend in der Kelter wurde in vielen weiteren Grußworten entsprechend tief in die zur Feier geöffneten Zunftladen mit den Dokumenten der drei Vereinigungen des ehrbaren Handwerks gegriffen. Nach wie vor würden die Zünfte, deren Grundstein 1655 durch den Kurfürsten Johann Philipp von Mainz gelegt wurde, an der Jagst gehegt und gepflegt. So formulierte Bürgermeister Manfred Hebeiß, bevor er einen der "geschmälerten Stadtkasse" angemessenen Geldbetrag an Zunftmeister Theo Nenninger überreichte.

In Neudenau befindet sich die landesweit einzige noch aktive Zunft. Insgesamt 22 Handwerksberufe sind innerhalb der Sparten "Reich Zunft", "Vereinigte Bauzunft" und "Grob Zunft" vereint.

Bruno Reichert hielt einen Vortrag über die lange Geschichte der Neudenauer Zünfte.
Optimistisch äußerte sich Ulrich Bopp, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, der dem Handwerk durch gesicherten Markt weiterhin gute Chancen einräumte. Ein Beispiel: "Handwerksbetriebe wandern nicht ins Ausland ab."

Zunftmeister Horst Gansen aus Siglingen, der in Frack und Zylinder durch das Programm führte, erteilte nun den Politikern das Wort. Entgegen dem Sprichwort "Die Axt im Hause erspart den Zimmermann", sprach Thomas Strobl (CDU), MdB, davon, dass die lange Erfolgsgeschichte der Handwerksberufe, die alle Umbrüche miterlebt habe, fortgeschrieben werden müsse. "Die eingeschworene Gemeinschaft und der Zusammenhalt der Neudenauer Zünfte begeistern mich", sagte Reinhold Gall (SPD), MdL. Daran anknüpfend betonte Dr. Bernhard Lasotta, dass die Traditionen ein wichtiger Bestandteil des Menschseins sei. Symbolisch trage der Neudenauer Zunftbaum die Bedeutung von Mittelstand und Handwerk weit über das Jagsttal hinaus, lobte der CDU-Landtagsabgeordnete.

Einen umfassenden Abriss aus der langen Chronik der Zünfte vermittelte der Sprecher aller drei Zünfte, Bruno Reichert in seinem Festvortrag. Darin ist beispielsweise die eigene Gerichtsbarkeit, die Abschaffung der Wanderbücher oder die Grundsätze von Religion und Sittlichkeit verankert. Gepflegt werden unter anderem das Gebot, der Zunftgottesdienst und die Bestattung der Mitglieder und deren Ehefrauen.

Für zünftige Zwischenmusik sorgte die Seniorenkapelle des Musikvereins Neudenau unter Anton Renner. Mit 98 Jahren war das älteste Zunftmitglied, Schreinermeister Josef Schwenk, anwesend.