Wechselvolle Geschichte eines Gebäudes

Festakt anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Rathauses in Kochersteinsfeld

Von Rainer Köller

Harry Brunnet und Petra Schön im Hof des Rathauses.Foto: Agentur Kochertal

Hardthausen - Mit einem Festakt feierte die Gemeinde Hardthausen das 200-jährige Bestehen des Rathauses in Kochersteinsfeld. Über 100 Bürger hatten sich nach einer Einladung der Verwaltung angemeldet und waren zur Feierstunde in das Bürgerhaus gekommen.

Musikalisch umrahmt wurde der Geburtstag des alten Gemäuers von rund 30 jungen Leuten. Der Hardthausener Jugendchor Exit, der in dieser Formation erst seit einem halben Jahr besteht, begeisterte die Gäste mit tollen Vorträgen aus den Bereichen Pop und Gospel. Hardthausens Bürgermeister Harry Brunnet fasste den lang anhaltenden Beifall der Jubiläumsgäste zusammen: „Der Jugendchor ist eine Perle des Chorgesangs.“

Der Bürgermeister hätte schon allein wegen des Ambientes gerne in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. Doch für die zahlreichen Gäste reicht dort der Platz dort nicht. Harry Brunnet erklärte, das in Kochersteinsfeld stehende Hardthausener Rathaus sei nicht einfach nur eine Verwaltungszentrale, sondern offen und bürgernah. Er ging in seiner Begrüßungsrede auf die Prinzipien ein, die vor 200 Jahren schon galten und auf die „wenigen Rechte“, die eine Gemeindeverwaltung heute noch habe.

„Mut bewiesen“ hat laut dem Verwaltungschef der Gemeinderat im Jahr 1991, als er beschloss, das Rathaus umzubauen. Nach einem Ideenwettbewerb war das Gebäude völlig entkernt worden. Bis heute blieb das Rathaus dann unverändert und, so Brunnet: „Es entspricht immer noch den Erfordernissen einer modernen Verwaltung.“

Sowohl er als auch Kreisarchivarin Petra Schön machten deutlich, dass das im Jahr 1808 errichtete Gebäude schon Wirtshaus, Schule und Rathaus war. Gebaut wurde es von der Familie Kachel. Über der vorderen Eingangstüre ist heute noch der Stein mit den Initialen der Bauherren angebracht. CLK und CSK stehen für die Namen Carl Ludwig Kachel und Christiana Sophie Kachel. Carl kam aus einer Schultheißen-Familie in Nordheim, Christiana Sophie aus einer solchen in Neuenstadt. Die beiden und ihre Nachfahren zählten zu den wohlhabenden Bürgern und bauten das Gebäude als Gasthaus „Hirsch“.

Kreisarchivarin Petra Schön holte bei ihrem Rückblick auf die Geschehnisse, die vor und nach dem Bau des damaligen „Hirschen“ die Entwicklung von Kochersteinsfeld und später Hardthausen geprägt haben, weit aus. Die Hardthausener aus allen Ortsteilen hörten, dass ihre Vorfahren seit 1504 echte Württemberger waren und sind.

1974 und 1975 wurden Gochsen, Kochersteinsfeld und Lampoldshausen zur Gemeinde Hardthausen zusammengeschlossen. Die Verantwortlichen entschieden, dass die Verwaltung im Kochersteinsfelder Rathaus einziehen solle, weil dieses im Grunde genommen der geografische Mittelpunkt der neuen Gemeinde ist.