Vergessenes wiederentdeckt

Rund um die Kartoffel und alte Traditionen beim Unterkessacher Museumsfest

Von Rudolf Landauer

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Vergessenes wiederentdeckt
Lothar Wöhr zeigt, wie ein Kamm aus Naturhorn gemacht wird. Foto: Landauer

Widdern - Auf zum Museumsfest, hieß es gestern im Kessachtal. Das beliebte Museumsfest des ortsgeschichtlichen Arbeitskreises Unterkessach zieht regelmäßig die Menschen an und wurde am Sonntag auch noch von einem traumhaft schönen Festwetter begleitet. Der idyllisch gelegene Ort mit seiner offensichtlich gut funktionierenden Dorfgemeinschaft sorgte dafür, dass es wie bereits in den vergangenen Jahren ein interessantes und familienfreundliches Fest in "Keschich" wurde, wie die Einwohner mundartlich ihren Ort nennen.

Brauchtumspflege Der ehemalige Ortsvorsteher Karlfried Ditting legte den Grundstein für den ortsgeschichtlichen Arbeitskreis, der sich aus einer Gruppe Interessierter bildete. Zum Ziel setzten sie sich die Pflege bäuerlichen Brauchtums und das Wachhalten der Unterkessacher Heimatgeschichte.

Der Unterkessacher Heimatforschers Wolfgang Slizyk hat 1963 mit seinem "Heimatbuch Unterkessach" und seiner Archivarbeit sowie Nachforschungen die Grundlagen geschaffen. Mit dem Erlös des Heimatfestes wollen die Mitglieder des Arbeitskreises diese Arbeit fortsetzen und die Museumsarbeit intensivieren. So muss das Archiv, das im Dachgeschoss im Museum Alte Dorfschmiede untergebracht ist, offenbar dringend geordnet werden. Das erste Museumsfest wurde anlässlich der Einweihung des Schmiede- und Heimatmuseums 1991 gehalten.

Auch der 85-jährige Josef Maier kam aus Berlichingen zum Museumsfest. Maier war der letzte Schmied, der nach alter Tradition in der Dorfschmiede Hufeisen herstellte und Pferde beschlug. Der Berlichinger erinnerte sich, wie es damals war, als er mal wieder nach Keschich kam: "Josef de Schmied isch weg, wir hawe kein Schmied mehr", riefen ihm die Landwirte zu, deren Pferde dringend beschlagen werden sollten. "Und so hab ich halt angefangen und in kurzer Zeit 30 Pferde als Stammkundschaft zu beschlagen", erinnert sich der rüstige Senior. Seine Schmiede ist jetzt Museum, alles ist noch am alten Platz, und dafür sorgt der Arbeitskreis.

Seltenes Handwerk Seit einiger Zeit hat sich eine Familie im Ort niedergelassen, die ein sehr seltenes Handwerk betreibt, die Hornverarbeitung. Lothar Wöhr verarbeitet in seinem Betrieb Tierhörner zu Kämmen, Rasierpinseln, exklusivem Schmuck und Schuhlöffeln. "Mein Großvater war noch Kammmachermeister", sagte er. Beim Museumsfest zeigte er den Leuten seine Kunst etwa mit der funktionsfähigen Kammsäge seines Großvaters. Abfälle gibt es keine, die werden als beliebter Dünger an Gärtner abgegeben, sagte Wöhr.

Das Hauptaugenmerk galt allerdings der Kartoffel, mundartlich auch Ebbirn genannt. In einer Scheune wurden den Besuchern die verschiedenen Kartoffelsorten gezeigt und ihre Eigenschaften erklärt. Einige haben klangvolle Namen wie Alexandra, Belinda, Siglinde, Madame Pompadour oder Venezia. Historische Geräte zur Kartoffelernte rundeten das Thema ab.


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