US-Armee trifft auf SS-Panzergrenadiere

Bevor vor 65 Jahren der Frieden kam, näherte sich erst noch einmal der Krieg

Von Rudolf Landauer

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Feind oder Freund? Soldaten der 100. US-Infanteriedivision beim Sinsheimer Krankenhaus.Foto: privat

Jagst-Kocher-Brettach - Vor 65 Jahren spürten auch die Menschen zwischen Neckar, Kocher, Jagst und Brettach, dass der von den Deutschen entfesselte Krieg zu ihnen kommt. Man hatte noch die Eindrücke des 4. Dezember 1944 vor Augen, als der weit sichtbare rote Feuerschein das Inferno anzeigte, das sich in Heilbronn ereignete, als die britische Royal Air Force mit 282 Lancaster-Bombern die gesamte historische Innenstadt zerstörte.

Die Menschen im Unterland lebten in großer Angst und hofften, dass der Krieg irgendwann vorbei sein möge. Doch das dauerte noch bis zum 9. Mai 1945. In den Wochen zuvor wurde allerdings schon bekannt, dass die Amerikaner vom Kraichgau her an den Neckar vorstoßen. Unter vielen Häusern in den Dörfern gab es Gewölbekeller, und die wollte man zunächst als Schutzraum nutzen. Seit der Bombardierung Heilbronns wusste man aber, dass diese zu tödlichen Fallen werden können. So entschlossen sich manche, in Weinbergen und im Wald Notstände einzurichten. Die Bodentruppen erreichten Anfang April die Gemeinden am Neckar. Teile des 398. US-Infanterieregiments setzten am 5. April 1945 in Offenau über und bauten einen Steg über den Neckar. Artillerie und Panzer der 10. US Panzerdivision überquerten den Fluss bei Neckarelz.

Zusammenstoß Am 6. April war die Jagst bei Duttenberg erreicht und es kam zum Zusammenstoß mit der 17. SS-Panzergrenadier-Division "Götz von Berlichingen". Kochendorf, Oedheim, Neuenstadt, Brettach, Herbolzheim und Stein rückten ins Zentrum der Kampfhandlungen. Der Krieg trug Tod und Elend in die Dörfer, viele Menschen erlebten den blanken Kriegsterror.

Es ist Historikern zu verdanken, dass diese Zeit dokumentiert ist und nicht in Vergessenheit gerät. Herbert Schlegel hat die Ereignisse in Brettach aufgeschrieben, der Herbolzheimer Hans Jürgen Ziern hat sie in dem Buch "1150 Jahre Herbolzheim" zusammengefasst. Als Quelle dienten Kriegstagebücher und Augenzeugenberichte. Am 12. April wurde Brettach durch Luftangriffe zerstört, Tiefflieger warfen Brandbomben ab. Neun Einwohner und zwei unbekannte Soldaten kamen ums Leben.

Drohende Erschießung In Herbolzheim wurden zwei zivile Bürger erschossen. Alois Mosthaf kam gerade vom Viehstall, Wilhelm Pfisterer wollte sein kaputtes Dach reparieren, das bei der Sprengung der Jagstbrücke beschädigt wurde. Herbolzheims Bürgermeister Wilhelm Hopfhauer drohte die Erschießung durch die SS, weil er und Alfons Englert mit den Amerikanern über eine Kriegspause verhandelt hatten.

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