Stoffwechsel ist kein Kruschtelladen

Seit einem Jahr gibt es den Secondhand-Shop beim Klinikum am Weissenhof

Von Sabine Friedrich

Stoffwechsel ist kein Kruschtelladen
Nichts erinnert in den Räumen an eine Kleiderkammer. Die Zimmer sind eingerichtet wie ein Bekleidungsgeschäft. Fördervereins-Vorsitzende Birgit Schrecker zeigt einer Patientin (rechts) einen Pullover.Fotos: Sabine Friedrich

Weinsberg - Die Sachen sind wunderschön." Der junge Mann gefällt sich in dem dunkelblauen Jackett. Es kostet zehn Euro. "Wow", entfährt es ihm, als er eine orange-gestreifte Krawatte entdeckt. Die will er sich vielleicht beim nächsten Besuch im Stoffwechsel gönnen. Er schaut sich heute das erste Mal hier um und ist "sehr positiv überrascht" vom Secondhand-Laden des Fördervereins des Klinikums am Weissenhof. Vor einem Jahr hat er aufgemacht und "läuft sehr gut", wie Birgit Schrecker erzählt. Sie leitet mit Irene Blessing den Verein.

"Es gibt hier auch außergewöhnliche Sachen", zieht eine Patientin ein Kleid aus einem voll behängten Ständer im Flur. Ihr gefällt die Atmosphäre in dem Backsteingebäude auf dem Weissenhofgelände, das früher die Bäckerei beherbergt hat, zuletzt das Flohmarkt-Lager des Fördervereins gewesen ist.

Beate Kochenburger, die den Laden in ihrer Freizeit führt, und ihre vier ehrenamtlichen Helferinnen schenken auch Kaffee aus. "Es gibt ab und zu Stilberatung", hebt die Patientin hervor, die an diesem Morgen nichts Spezielles sucht.

Einrichtung Die drei Räume mit Damen- und Herrenabteilung sowie Umkleidekabinen sind ansprechend ausgestattet. "Es ist viel gemacht worden im Haus", lobt Schrecker die Unterstützung durch Klinikum-Geschäftsführer Hermann Fliß, der eine Heizung hat einbauen lassen. Der Verein hat inzwischen eine alte Ladeneinrichtung gekauft. Hier ist auf einem Regal ein Schirm aufgespannt, dort sind Taschen und Gürtel drapiert. "Wir wollen keinen Kruschtelladen", ist es Schrecker wichtig, dass die Secondhand-Ware nicht im Wühltisch versinkt. Wert legt der Förderverein auch auf unversehrte Kleidung und Schuhe, die noch in Mode sind. Alles, was gespendet wird, wird in der Klinikum-Wäscherei erst mal gereinigt.

Die Fördervereins-Vorsitzende hebt hervor, dass nicht nur Privatleute gebrauchte Artikel vorbeibringen, sondern Geschäfte aus Weinsberg und Umgebung Neues abgeben. Zwischen 50 Cent für ein T-Shirt und 15 Euro für einen Mantel bewegt sich die Preisspanne.

"Patienten, die öfter in der Psychiatrie sind, haben meist ein geringes Einkommen", erläutert Schrecker die Idee, die hinter dem Shop steckt. Und Menschen, die in Notsituationen eingeliefert werden, hätten oftmals nichts zum Anziehen dabei. Eine Hemmschwelle an der Ladentür gibt es nicht, ist Schreckers Erfahrung. Das mag auch daran liegen, dass Beate Kochenburger als Krankenschwester in der Fachklinik arbeitet.

Berechtigungsschein "Es kommen immer mehr Kunden", weiß Schrecker, dass der Bedarf für das Angebot da ist. So gibt es inzwischen einen zweiten Öffnungstag. Patienten ohne Geld können beim Sozialdienst einen Berechtigungsschein beantragen. Im Gegenzug für den kostenlosen Einkauf spende manch einer sein Entgelt von der Arbeitstherapie, freut sich Schrecker. "Uns ist es wichtig, dass die Leute nicht wie Bittsteller behandelt werden", fügt sie hinzu.

Obwohl Stoffwechsel zuallererst für die Klienten der Klinik gedacht ist, sind natürlich auch Kunden von außerhalb willkommen.

Stoffwechsel ist kein Kruschtelladen
In diesem Backsteingebäude, in dem ursprünglich die Bäckerei untergebracht gewesen ist, verkauft der Förderverein Kleidung zu kleinen Preisen.
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