Neuanfang mit guten Vorsätzen

Antonio Moscato will Bürgermeister werden − Zurückhaltung angesichts gemischter Erfahrungen mit dem Thema Eisenbahn

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Bürgermeisterkandidat Antonio Moscato gefällt das Kessachbrückchen. Allerdings sehe man auch hier, dass es einiges zu tun gebe im Ort.Foto: Christian Gleichauf

Widdern Hübsch ist es hier", sagt Antonio Moscato nach seinem Rundgang durch den Ort, in dem er Bürgermeister werden möchte. "Aber es gibt überall Baustellen", hat der 46-Jährige bemerkt. Auch deshalb sieht er das Ansinnen kritisch, die Jagsttalbahn wieder fahren zu lassen. Wenn sich die Bürger aber dafür entschieden, dann würde der Bahnspezialist auf jeden Fall versuchen, Zuschüsse für den laufenden Betrieb locker zu machen.

Fehler Moscato kennt sich aus mit Zügen und Fahrplänen. 2002 war der gebürtige Heidelberger über einen Freund auf die Idee gekommen, in Leipzig die Sachsenbahn aufzubauen. Sie sollte später von einem französischen Konzern übernommen werden − die feste Zusage habe es schon gegeben. "Ich hatte aber nur einen Handschlag, das war schon der erste Fehler."

So wurde die Idee zu einem existenzgefährdenden Unterfangen. 2003 gründete er in Leipzig die Sächsische Eisenbahn GmbH, ohne privates und geschäftliches Vermögen zu trennen. Er legte sich mit der Deutschen Bahn an − der nächste Fehler. Nach fünf einstweiligen Verfügungen konnte Moscato die Gerichtskosten nicht mehr bezahlen, seine zwei Immobilien wurden versteigert. Danach saß er auf einem Schuldenberg von 300 000 Euro.

In die Privatinsolvenz ging Moscato nicht. Statt dessen schloss er einen Vergleich, stottert den Restbetrag noch heute ab. Schlimmer als die finanziellen Folgen war allerdings der ruinierte Ruf, denn das Internet vergisst nichts. Wer heute nach "Antonio Moscato Leipzig" sucht, landet sofort auf dem Artikel der "Leipziger Volkszeitung" vom August 2004, der die Pleite darstellt. "Immer, wenn man irgendwo etwas Neues anfängt, muss man sich erklären", sagt der Diplom-Volkswirt.

Angesichts seiner Vorgeschichte sei er auch "etwas skeptisch, was die Chancen angeht, hier Bürgermeister zu werden". Doch ein Schnellschuss sei es nicht gewesen. Seit vielen Jahren beschäftige ihn die Idee, sich als Stadtoberhaupt zu bewerben. Im Jahr 2002 habe er es einmal in Wehr am Rhein versucht, doch damals habe er kein Glück gehabt.

Wahlkampf Wie es diesmal aussieht, vermag er nicht einzuschätzen. Von Wahlkampf mit Händeschütteln und Flyerverteilen verspricht er sich nicht viel Erfolg. "Ich setze auf die Kandidatenvorstellungen, da können sich die Bürger doch ein Bild von mir machen."

Für ihn spreche, dass er den Blick von außen hat, findet Moscato. Der Umzug nach Widdern aus der Großstadt sei kein Problem. Moscato ist ledig und nach einer langjährigen Beziehung wieder ungebunden. Unabhängig von dem Bahnthema möchte Moscato nun seine Chance nutzen, einen Neubeginn wagen. Sein erster Eindruck von der Stadt: "Man kann hier was machen."

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