Klone an der Macht

Jugend der Freilichtspiele bietet reife Leistung

Von Waltraud Langer

Klone an der Macht
Die Schlussszene des Sciene-Fiction-Stücks: eine Welt in einem gleichgeschalteten Wohlfühl-Staat, ohne Tiere und Pflanzen.Foto: Waltraud Langer

Neuenstadt - Als Junge sei er ein Stubenhocker gewesen − bis die Eltern ihn überredeten, in die Jugendgruppe der Freilichtspiele einzutreten. Das habe sein Leben verändert und geprägt, erzählt Benjamin Ehnle. Jetzt ist er der Jugendgruppe entwachsen, aber Theaterspielen ist für ihn das schönste Hobby der Welt geblieben. Wie ihm, dem Darsteller des Faktotums Sandor im diesjährigen Sommerstück "Piroschka" der Neuenstädter Freilichtspiele könnte es auch den jungen Spielern ergehen, die sich am vergangenen Wochenende mit dem Stück "Klon 2025" präsentierten.

Proben "Seit einem halben Jahr haben wir an dem Stück gearbeitet", sagt Regisseur Denis Fink. Der gelernte Schauspieler und Klinik-Clown "trainiert" den Nachwuchs der Freilichtspiele und ist schon mit verschiedenen Inszenierungen vor die Öffentlichkeit getreten. Zuletzt mit der Kindergruppe bei der "Langen Nacht der Kultur" in Öhringen. "In den Übungsstunden geht es unter anderem darum, sich Alltagsbewegungen bewusst zu machen. Außerdem arbeiten wir an der Sprache und natürlich an den Rollen", sagt Fink. Bei der Entscheidung für "Klon 2025" hatten die Jugendlichen auch ein Wörtchen mitzureden. "Die Tendenz war eindeutig: Sie wollten einen Krimi spielen", sagt Fink. Und ein Krimi ist es auch geworden − ein etwas anderer Krimi, einer, der in der Zukunft spielt.

Das zeigt sich den Besuchern schon im Foyer, im Aufzug und im Treppenhaus des neuen Mehrzweckgebäudes der Freilichtspiele. Mit seelenlosen Blicken starren einen Schaufensterpuppen − Männer, Frauen, Kinder − an, ein Spruchband fordert: "Schafft den besten Menschen". Im Theaterraum sind die fünfzig verfügbaren Plätze besetzt. Auf der Bühne sieht man ein verwahrlostes Büro − Papierkram überall und leere Whiskeyflaschen. Es ist ein schwül-heißer Morgen im Juni 2025. Privatdetektiv Wieberg (Stefan Reis) lümmelt verkatert im Stuhl. Da erscheint Leila (Anastasia Schmidt) und stellt sich als Marylin-Madonna-Klon vor. Sie ist auf der Suche nach ihrer Leihmutter, was im gleichgeschalteten Wohlfühl-Staat der Zukunft strengstens verboten ist. Wieberg nimmt den Auftrag an und gerät bei seinen Nachforschungen in die verbrecherischen Machenschaften um Gen-Material und Wissenschaftsfanatismus.

Seine Widersacherin ist Kommissarin Bergemann (Tanja Krieger). Sie hat eine Assistentin, Kathleen (Nadine Wieczorek). Im Zuge seiner Recherche sucht Wieberg die Direktorin des Gen-Instituts (Tabea Schmidgall) auf. Diese berichtet vom erfolgreichen Wissenschaftskongress: Die Erde ist von Tieren befreit, es gibt nur noch eine einzige Pflanze. Klone verdrängen zunehmend die natürlichen Menschen. Den Reigen der zwielichtigen Typen ergänzen die ehrgeizige Gen-Forscherin Kathrin Kramer (Dorothee Fischer) und Marty Scott (Steve Knobel), der DNA-Dealer.

Humor Und schließlich ist da noch Jonny di Cappriccio (Stefanie Bauer), ein kreischender Klon, der sich über sein Gen-Material aufregt, denn noch sind nicht alle menschlichen Eigenschaften weggezüchtet. Im Lauf der Handlung passieren zwei Morde, und am Ende wird die Täterin mit rauchenden Colts und leuchtenden Lasern dingfest gemacht. Auf witzige Weise zeigt das Stück, wie Genforschung ausarten könnte und erinnert an den Science-Fiction-Klassiker "Schöne neue Welt". Nach der Vorstellung gibt es viel Applaus für eine reife Leistung. Auch der Regisseur ist hochzufrieden: "Sie waren super heute."