Großer Landschaftspark als Vision

Große Besucherresonanz bei der Einweihung des Naturerlebnisraums am Bach

Von Sabine Friedrich

Großer Landschaftspark als Vision
Bevor der Musikverein Willsbach den Auftaktmarsch zur Eröffnung der Anlage spielte, rupften die Schüler noch schnell Un- und Beikraut im Kräutergarten.

Obersulm - Es wuselt nicht nur von Bachflohkrebsen im Wasser oder von Insekten auf Kräutern und Blumen, über 150 Menschen bevölkern am späten Samstagnachmittag den neuen Sulmpark in Willsbach. Bei der Eröffnung begeben sie sich auf eine Entdeckungstour durch die 1,1 Hektar große Anlage an der Sulmstraße und sind voll des Lobes über diesen Naturerlebnisraum.

Gelungen Florian, Michelle, Lena und ihre Klassenkameraden von der 6c der Realschule rupfen vor dem offiziellen Teil „Beikraut“, wie es ihr Lehrer Heiner Strohauer nennt. „Ich würde sagen, der Hügel ist gelungen“, ist der elfjährige Florian zufrieden mit dem Kräuter- und Duftgarten, den die Realschüler angelegt haben. Sie haben den Boden mit der Hacke aufgelockert, Pflanzen gesetzt, gegossen und Unkraut gejätet. „Das hat nicht so viel Spaß gemacht“, sagt Lena (12) zu Letzterem. Für ihre Mühe ernten Real- und Hauptschüler, die auch im Schlamm stehend den Inselbereich angelegt haben, viel Lob von Bürgermeister Harry Murso. Er dankt, auch dem Ideengeber, der Agenda-Gruppe „Grünes Band Sulm“.

„Schön, dass unsere Kinder so engagiert sind“, freut sich Vater Andreas Scholl. „Das ist ja schon lange ein Ziel gewesen“, ist auch Werner Essich begeistert, dass die Gemeinde für ein solches Projekt etwas übrig hat. „Und die Schrebergärten sind jetzt auch schön gerichtet“, fällt seiner Frau Hannelore auf. „Wir werden öfters hier spazieren gehen, uns aufs Bänkle setzen und hoffen, dass jemand da ist, um ein Schwätzchen zu halten“, sagt eine andere Willsbacherin.

Für Strohauer ist nicht nur wichtig, dass für Tiere und Pflanzen ein Lebensraum geschaffen worden ist, sondern auch die damit einhergehende Wissensvermittlung für seine Realschüler.

Etwas lernen können die Obersulmer aus der Rede ihres Bürgermeisters: Der Name Sulm gehe auf Sulmana zurück, was Wasserschwall, schwellen, anschwellen bedeute. In der Schlagweilerklinge in Löwenstein entspringe der Bach, der bis zu seiner Mündung 26 Kilometer lang sei und damit zu den kürzeren Nebenflüssen des Neckars gehöre.

Murso verrät, dass er den Sulmpark eingebettet in eine langfristige Vision eines großen Landschaftsparks sehe, der sich vom Naherholungsgebiet am Breitenauer See entlang der Sulm bis nach Sülzbach erstrecke. Er verweist auf die ersten Schritte geschützter Bereiche, in der Talaue des Michelbachs zwischen Eschenau und dem Freibad sowie das öffentliche Grün, das der Bebauungsplan für die Sulmaue zwischen Affaltrach und Willsbach festlegt. Am 20. Juli wird er dem Gemeinderat vorschlagen, diese Bachaue von den Tennisplätzen bis nach Ellhofen ebenfalls planungsrechtlich zu schützen.

Vorbildlich Der Zukunftsmusik, die Murso spielt, hört Manfred Fehrenbach gerne zu. Der Geschäftsführer der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg freut sich, dass seine Einrichtung mit 30 000 Euro das „kleine Mosaiksteinchen“ unterstützten konnte. Den Sulmpark bezeichnet er als „vorbildlichen Naherholungs- und Naturerlebnisraum“.

Für die Schüler ist er das an diesem Nachmittag allemal. Sie versinken mit den Füßen im Schlamm der Insel und waten barfuß durch den Bacharm, um mit Käschern Kleintiere aufzuspüren, sie in Gläser zu setzen und sie anhand der Fibel des Obersulmer Diplom-Biologen Dieter Veile zu bestimmen. Wasserschnecken, rote Würmer und Libellen-Larven sind darunter.

Vision eines großen Landschaftsparks
Ein ideales Spiel- und Lerngelände stellt die Sulmöffnung mit Insel dar. Die Kinder fischten nach Kleintieren im Wasser.Foto: Ulrike Kugler
Vision eines großen Landschaftsparks