Friseursalon im Zugabteil

Schwertransport aus Bieringen erreicht sein Ziel reibungslos

Von Claudia Kostner

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Der 24,5 Tonnen schwere, 2,65 Meter breite und 3,45 Meter hohe Koloss wird mit dem Kran auf die Drehstellen platziert.Fotos: Heidelind Andritsch

Zum Schluss gibt es doch noch eine kleine Komplikation", seufzt Volker Elgner vom Verein der Jagsttalbahnfreunde. Die Drehstellen am Standort im Jagsthausener Gewerbegebiet Burgwiesen liegen nicht ganz exakt und müssen herumgedreht werden. Bis dahin lief bei dem Schwertransport eines Rhätischen Bahnwagens von Bieringen in die Festspielgemeinde alles planmäßig. Aber es dauert nicht lange, und der Waggon steht exakt auf den Schienen. "Ich bin erleichtert", atmet Andy Freiesleben auf. In dem ungewöhnlichen Domizil, das er den Jagsttalbahnfreunden abgekauft hat, möchte er im September seinen Friseursalon eröffnen.

Millimeterarbeit "Zwischen den Drehstellen und unseren Traversen hatten wir fünf Millimeter Toleranz. Zum Glück hat das Wetter mitgespielt", erklärt Bauunternehmer Walter Fischer aus Untermünkheim, der den Bahnwagen am Samstagvormittag mit einem 100-Tonnen-Kran vom Schwertransporter gehievt hat. Seit den frühen Morgenstunden sind er und drei seiner Mitarbeiter im Einsatz. Sie haben zwar Erfahrung im Verladen von Straßenbahnen, "aber es ist kein Zug wie der andere", betont der 43-Jährige.

Mit einer Gesamtlänge von 25 Metern, einem Gesamtgewicht von 60 Tonnen und einer Breite von drei Metern war der Schwertransport unterwegs. "Damit wären wir nicht durch Kloster Schöntal gekommen", erklärt Markus Hoim vom Transportunternehmen Hoim und Seubert in Michelfeld. Deshalb hat er nicht die direkte Strecke von Bieringen nach Jagsthausen gewählt, sondern den 15 Kilometer weiten Umweg über das Gehöft Neuhof. Für Hoim, der sonst Beton- und Leimbinder von A nach B bringt, war es "schon etwas anderes, so einen alten Karren zu fahren". Gemeinsam mit Andy Freiesleben und den Jagsttalbahnfreunden fiebert er in Jagsthausen mit, bis der 24-Tonnen-Koloss endgültig vom Kran gelassen wird.

"Wenn schon was Verrücktes, dann richtig", sagt Andy Freiesleben über seine Idee, seinen Kunden künftig in dem zwischen 1929 und 1931 erbauten Zugabteil der Rhätischen Bahn (Schweiz) die Haare zu schneiden. Die letzten dreieinhalb Jahre war der Jagsthausener als mobiler Friseur im Umkreis von 30 Kilometern unterwegs, jetzt will er sesshaft werden. Passend zum Ambiente hat er sich auch schon einen Schaffneranzug der Deutschen Bahn gekauft. Ursprünglich hatte er einen Londoner Bus im Auge, aber durch den Kontakt zu seinem Kunden Volker Elgner, den Zweiten Vorsitzenden der Jagsttalbahnfreunde, wurde es der Bahnwaggon 2283.

Die Vereinsmitglieder haben den 25-jährigen Friseurmeister tatkräftig unterstützt. "Wir haben die Schienen und die Drehgestelle, die in unserem Bahnhof in Dörzbach komplett zerlegt waren, vorbereitet", erklärt der Erste Vorsitzende Michael Rothenhöfer. Beistand gab es dabei vom THW Bad Mergentheim. "Ich denke, das wird ein Blickfang", freut sich Rothenhöfer. Das hofft auch Volker Elgner: "Die Leute sollen sich fragen: Hoppla, was für einen Bezug hat Jagsthausen zur Bahn?" − Besonders dann natürlich, wenn am 10. Juli der Widderner Bürgerentscheid pro Ausbau des Sieben-Kilometer-Abschnitts der Jagsttalbahn zwischen Jagsthausen und der Nachbargemeinde fallen würde.

Ziel Jetzt wird der Waggon aber erst mal sandgestrahlt, neu lackiert, innen ausgebaut, mit Klimaanlage und mit einer Terrasse versehen. Das ist auch eine Premiere für Bauleiter Bernd Windmüller. Das Baugesuch allerdings sei vom Landratsamt Heilbronn zunächst nur für zehn Jahre genehmigt worden, da es nicht der Energieeinsparordnung entspreche.

Was ihn das außergewöhnliche Projekt kostet, möchte Andy Freiesleben nicht verraten: "Wenn man eine Idee hat und ein Ziel vor Augen, dann macht man so was. Man muss das Risiko eingehen."

Friseursalon im Zugabteil
Erleichterung nach einem Jahr Vorbereitung: Friseur Andy Freiesleben.