Feuriges Liebesabenteuer

Außenproben der Freilichtspiele haben begonnen − Premiere im Juni

Von Angela Groß

Ein feuriges Liebesabenteuer
Hajo Baumgärtner (rechts) erklärt Benjamin Ehnle den Weg.Fotos: Guido Sawatzki

Neuenstadt - Ein paar Mal hintereinander proben sie die eine Szene, und doch ist sie jedes Mal anders. Theaterproben können hart sein: Beim Team der Freilichtspiele Neuenstadt ist Geduld gefragt, zudem ist es an diesem Aprilabend empfindlich kalt. Eben zieht eine Hochzeitsgesellschaft vor der Kulisse des Neuenstädter Schlosses beschwingt die Treppe hinunter und wird herzlich begrüßt − von Piroschka, der weiblichen Namensgeberin des diesjährigen Stücks der Neuenstädter Freilichtspiele.

Aber ist der Gruß herzlich genug? Mitten ins Getümmel mischt sich bei der zweiten Außenprobe Regisseur Hajo Baumgärtner. Schiebt die Schauspieler hin und her. Erklärt hier etwas, beantwortet dort eine Frage. Die Begrüßung mit Küsschen links, Küsschen rechts muss sitzen, schließlich spielt das Stück in Ungarn. Letztes Jahr gab es die Klamotte "Raub der Sabinerinnen" zu sehen, für dieses Jahr kündigt der Theatermacher Baumgärtner "eine emotionale Liebesgeschichte mit opulenter Ausstattung" an.

Charaktere Die Dreiecksgeschichte, die sich zwischen zwei Frauen und einem Mann aufspannt, dürfte viel schwieriger zu inszenieren sein, weil das Spiel mit den Gegensätzen von den Charakteren lebt. Erzählt wird die Geschichte von Andreas, der als junger Austauschstudent nach Ungarn kommt und sich dort verliebt. Zwei Frauen haben es ihm angetan: Die wilde und temperamentvolle Tochter eines ungarischen Bahnhofvorstehers namens Piroschka und die rationale, weltgewandte Karrierefrau Greta.

Wenn die Zuschauer auf das von Brigitte Klein-Wallner gebaute Bühnenbild schauen, blicken sie auf zwei Welten. Links sehen sie das Land, gehalten in Erd- und Grüntönen, rechts ist die Stadt mit einem Wohnhaus, dem Café und dem Bahnhof skizziert. Mitten drin wird in einer Szene Piroschka für Andreas das Fotomodell spielen und posieren. Keck kokettierend wird sie fragen: "Magst mir allein auch fotografieren? Hast du mir scharf gemacht? Deitsch ist schwör. Aber ich lerne sehr durch dir." Aber auch der ungelenke Andreas hat zu kämpfen mit dem "grässlich ellenlangen Wort, das sie mir im Büro vom Studentenaustausch in Budapest aufgeschrieben haben." Es ist: Hódmezövásárhelykutasipuszta − das Dorf mit dem unaussprechlichen Namen ist die Heimat von Piroschka.

Feinheiten in der Requisite und detailverliebte Kostüme bieten bei diesem Stück neben viel Situationskomik auch etwas fürs Auge − aber es gibt auch viel Bewegung auf der Bühne. "Die Tänze sind toll", urteilt Schauspieler Peter Zeh über das eingesetzte Stilmittel. Wenn die Städter eher steif und auf die Form bedacht ihr Tanzbein schwingen, dann kommen auf dem Land beim Tanzen ganz andere Elemente zum Tragen.

Das Team der Freilichtspiele geht hier bei Robert Zapatka, Tänzer und Schauspieler und bei den Burgfestspielen in Jagsthausen, in die Schule. Von ihm stammen auch die Choreographien für die Tänze.

Premiere Bis zur Premiere am Freitag, 4. Juni, hat das Team der Neuenstädter Freilichtspiele noch viel zu tun − das Textbuch umfasst 80 Seiten, und wenn sich Neuenstadt in Hódmezövásárhelykutasipuszta verwandelt und Puszta-Flair bietet, muss auch der Dialekt sitzen. So hört man einmal von der Bühne: "Gulyás, muss zweimal brennen. Wie Helle. Wann hineingeht in Körper und wann ihn wieder verlässt."

Ein feuriges Liebesabenteuer
Piroschka (Jessica Colquhoun) posiert für Andreas bei der Fotosession.
Ein feuriges Liebesabenteuer
Andreas (Lars Tönnies) lernt die scharfe ungarische Küche kennen.
Ein feuriges Liebesabenteuer
Michael Krämer und Stefan Reis (links) haben das Textbuch zur Hand.