Widderner stimmen gegen Jagsttalbahn

Widdern - Mit eindeutiger Mehrheit haben die Widderner am Sonntag Nein zur Jagsttalbahn gesagt. Beim Bürgerentscheid über die Wiederinbetriebnahme der Museumsbahn zwischen Widdern und Jagsthausen stimmten 55,7 Prozent gegen die Pläne, 44,3 dafür.

Von Christian Gleichauf




Widdern - Mit eindeutiger Mehrheit haben die Widderner am Sonntag Nein zur Jagsttalbahn gesagt. Beim Bürgerentscheid über die Wiederinbetriebnahme der Museumsbahn zwischen Widdern und Jagsthausen stimmten 55,7 Prozent gegen die Pläne, 44,3 dafür. Damit ist das Kapitel Jagsttalbahn zumindest auf diesem Streckenabschnitt wohl abgeschlossen.

„Es wäre eine historisch einmalige Chance gewesen, die für Widdern nicht mehr kommt – sie ist vertan“, sagt Erhard Steiger, Ehemann von Stadträtin Andrea Steiger. Und das, obwohl die Gegner nie in der Lage gewesen seien, Alternativen aufzuzeigen. „Unendlich traurig“ ist Udo Emert bei der Wahlparty mit Trauerflor am Widderner Bahnhof. „Es ist eine Katastrophe für den Ort.“ Auch der langjährige Stadtrat Helmut Weidner, inzwischen treuer Beobachter der lokalpolitischen Vorgänge, hat keine Erklärung für das, was in seiner Stadt an diesem Tag passiert ist. „Es ist nicht nachvollziehbar.“

Andere Baustellen

Stefan Kummer, Stadtrat und langjähriger Kritiker der Jagsttalbahnpläne, zeigt sich zufrieden. „Man hat uns immer vorgeworfen, dass wir dagegen sind, aber man muss als Gemeinderat ja auch die Meinung der Bürger vertreten“, sagt er. Und da habe es eben eine großen Anteil gegeben, die mit der Jagsttalbahn nicht einverstanden waren. Alternativen zu dem Projekt kann er an diesem Abend zwar nicht nennen, aber es gebe genügend Baustellen im Ort. „Jetzt sollte man sich erst einmal um die Ortskernsanierung kümmern“, sagt er, dann könne man weitersehen.

Der Widderner Bauunternehmer und Handwerkskammerpräsident Ulrich Bopp findet das Ergebnis nachvollziehbar. „Die Leute haben gesehen, dass man nicht mit letzter Sicherheit sagen konnte, was es die Stadt gekostet hätte.“ Deshalb habe die Mehrheit mit Nein gestimmt. „Über die 2,4 Millionen Fördergelder freuen sich jetzt allerdings andere“, ist er sich bewusst. „Damit hatdie Stadt nun den Schwarzen Peter“ –  denn es sei klar, dass das zurückgegebene Geld nicht mehr der Region zugute komme. „Künftig wird es wohl auch schwieriger, an solche Fördergelder ranzukommen.“

Jürgen Olma, der im August als Bürgermeister ins Widderner Rathaus einziehen wird, nimmt das Ergebnis so hin, wie er es immer gesagt habe: „Die Bürger haben die Argumente ausgetauscht und sorgfältig abgewogen. Das habe ich zu akzeptieren.“ Trotzdem sei er überrascht gewesen, denn in der Regel gingen Bürgerentscheide eher konservativ aus – dass also keine Veränderung eintrete. „Meist scheitern die Gegner an der 25-Prozent-Hürde.“ Als nächstes gehe es für ihn darum zu klären, was man jetzt mit dem Bahnhof macht, der renoviert werden muss – der Gemeinderat hat die Sanierung schon einstimmig genehmigt. „Es wäre in der Tat schade, wenn der zerfällt.“

Frustration

Bei den Jagsttalbahnfreunden macht sich an diesem Abend Enttäuschung und Ärger breit. Volker Elgner, ist zuerst sprachlos. Dann sagt er doch noch: „Ich kann nicht glauben, dass es hier so viele Leute gibt, die nicht zwischen Sinn und Unsinn unterscheiden können.“ Insbesondere sei er enttäuscht, dass zu den Informationsveranstaltungen so wenig Widderner gekommen waren. „Man muss sich doch wenigstens informieren.“

Für den Chef der Jagsttalbahnfreunde ist die Ursachenforschung allerdings abgeschlossen: Die Hälfte der Gegenstimmen würden auf das Konto der der Heilbronner Stimme gehen, behauptet Michael Rothenhöfer. Die Frustration an diesem Abend ist offensichtlich groß.

Das Ergebnis

1376 Widderner waren beim Bürgerentscheid über die Jagsttalbahn wahlberechtigt. 853 machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch (62 Prozent). 55,7 Prozent der abgegebenen Stimmen erteilten den Bahnplänen eine Absage, nur 44,3 Prozent waren dafür, die Museumsbahn wiederzubeleben. Mit diesem Ergebnis wurde das notwendige Quorum erreicht, denn der Bürgerentscheid ist nur gültig, wenn die Stimmenmehrheit auch 25 Prozent der Wahlberechtigten ausmacht. Dies war in Widdern der Fall.