Von Helden und Prinzessinnen

Ex-Bodyguard Michael Stahl gibt Siebtklässlern Tipps gegen Mobbing und Gewalt

Von unserem Redakteur Alexander Klug

Von Helden und Prinzessinnen
Nicht nur die Neuenstädter Siebtklässler, auch die Männer von RTL interessierten sich für die Ausführungen zum Thema Gewalt und Mobbing.Foto: Alexander Klug

Neuenstadt - Jungs sollen wahre Helden sein und für das Gute kämpfen, und jedes Mädchen eine Prinzessin, mit innerer Schönheit. Die Bilder und Beispiele sind anschaulich, mit denen Michael Stahl den Schülern erklärt, was er ihnen beibringen will. "Darf ich in meiner Sprache sprechen?", fragt er, bevor er Jungs mit Zigarette im Mundwinkel "Hosenscheißer" nennt. "Wenn sich vier davon zusammentun, sind das Hosenscheißer im Quadrat", sagt der 42-Jährige. Das sorgt für Gelächter auf der vollen Tribüne der Sporthalle neben der Helmbundschule. Doch stand nicht nur Spaß im Mittelpunkt − fast zwei Stunden lang hörten die 250 Siebtklässler von Werkrealschule, Realschule und Mörike-Gymnasium aufmerksam zu.

Schlimmster Tag "Wisst ihr, welches für viele der schlimmste Tag in der Woche ist?", fragt Michael Stahl. Die Vorschläge sind vielfältig, von hier kommt "Freitag", "Montag", ist sich ein anderer sicher. "Falsch", erläutert der Trainer. "Es ist der Sonntag. Und warum? Weil viele, viele Schüler und Berufstätige Angst davor haben, wieder dorthin zurück zu müssen, wo sie gequält werden." Von ihren Mitschülern, jeden Tag. "Wenn einer damit anfängt, machen immer ein paar Hosenscheißer mit."

Das funktioniere aber auch mit dem Helfen: "Wir brauchen doch alle Anerkennung und Liebe. Ihr, eure Lehrer, und ich", versichert er. "Es ist das geilste Gefühl der Welt, jemanden zu beschützen", sagt Michael Stahl. Er weiß, wovon er spricht: 15 Jahre lang habe er als Personenschützer gearbeitet, erzählt Stahl, Basketballer Dirk Nowitzki, Sängerin Nena und die deutschen Nationalkicker beschützt. "Sogar Dieter Bohlen", sagt er. Lachen füllt die Halle.

Doch gehe es im Alltag nicht um Prominente: "Dort bedrohen Schüler ihre Mitschüler, ihre Lehrer oder Männer ihre Ehefrauen." In Neuenstadt assistieren ihm Selbstverteidigungslehrerin Hilda Kaufmann und Polizist Erich Rechtenbacher, während ein Kamerateam des Privatsenders RTL die Szenerie filmt.

Stahl rückt den Begriff des Vorbildes in den Blick: "Bis heute sind meine Helden Winnetou, Robin Hood und Braveheart. Und warum? Weil die für das Gute kämpfen", führt er aus. Gerade Jungs täten sich mit Vorbildern und dem Umgang mit den Mädchen schwer: "Habt ihr schon mal bemerkt, dass Jungs böse schauen beim Rauchen?", fragt Stahl weiter. "Die Mütze falsch herum auf dem Kopf, ein Augenlid bei 80 Prozent." Mit Mädchen umzugehen hätten sie jedoch verlernt. "Das lernt man eben nicht am PC, an der Playstation oder der Wii", stellt Stahl fest. "Dort heißt Lachen lol" − für "Lauging out lout".

Vieles, was der Trainer gegen Gewalt und Mobbing den versammelten Schülern sagt, ist mindestens so sehr an sie wie an ihre Eltern gerichtet: "Viele passen auf ihre Autos mehr auf als auf ihre Kinder", kritisiert er. Wenn er Jungs frage, was sie gerne öfter machen würden, bekäme er zu hören "Mit Papa auf der Wiese Fußball spielen".

Keine Konsole "Ich habe keine Spielekonsole, ich gehe sehr gern mit meinen Freunden raus", erzählt Tristan Stohs. Dem Siebtklässler des Mörike-Gymnasiums hat vor allem die Art gefallen, wie Michael Stahl die Themen Gewalt und Mobbing vermittelt hat: "Es war nicht einfach ein Vortrag, sondern er hatte gute Beispiel und von vielen eigenen Erfahrungen erzählt."

Das hat auch Vanessa Schenk gut gefallen. "Die Geschichten, die er erzählt hat, haben sehr berührt", meint die 13-jährige Klassenkameradin. "Und sie haben mich nachdenklich gemacht, was so um einen herum in der Schule passiert."