Ein Zelt passt auch aufs Trabidach

Langenbrettach  Beim Sommertreffen des Trabant & IFA Team Heilbronn-Hohenlohe gibt es viel zu gucken.

Von Rudolf Landauer

Ein Zelt passt auch aufs Trabidach

Lea John mit dem Trabi Baujahr 1989 ihres Vaters Marco John.

Fotos: Landauer

 

Auf dem Parkplatz des Kleintierzüchtervereins in Langenbeutingen fahren schon am Freitag etliche Fahrzeuge an, die alle ihren Ursprung in der ehemaligen DDR haben. Zwei Tage bleiben die Fahrer auf Einladung des Vereins Trabant & IFA Team Heilbronn-Hohenlohe auf dem großzügigen Gelände am alten Sportplatz zwischen dem Freibad und dem Heim der Kleintierzüchter.

Kurioses Ensemble

Und sie schlagen ihr Zelt neben dem Trabi auf. Oder wie es Thomas Poszlokszky aus Haberschlacht macht, auf dem Dach seines Trabi "Schorsch". Trabi-Fahrer geben ihren Fahrzeugen stets einen Namen. Das kuriose Ensemble erregt die Neugier vieler Besucher, denn das schlanke hohe Zelt auf dem Dach fällt gleich jedem auf. "Ich habe kein anderes Auto - und fahre damit seit vielen Jahren in Urlaub", sagte der Mann aus dem Zabergäu.

Er ist auch stolz darauf, dass sogar das Zelt auf dem Dach original DDR ist. "Die Rarität habe ich in Karlsruhe gekauft, und sie wurde von der Firma Müller einst in Limbach-Oberfrohna hergestellt", sagte Poszlokszky.

Direkt neben ihm stellt Karsten Hundt aus Pfaffenhofen seinen Kleinbus der Marke Barkas B 1000 ab. Auf dem gesamten Fahrzeuglack bekundet er, dass er Fan von Dynamo Dresden ist. In der Hauptsache sind es die Marken Trabant, meist nur kurz Trabi genannt, Wartburg und die Motorradmarken Simson und MZ, die in Langenbeutingen zum neunten Treffen anrollen.

Teile wechseln

Mann der ersten Stunde und Mitgründer ist Roland Wendt aus Langenbeutingen. "Der Roland ist der Mittelpunkt, und am schönsten sind die Schrauber-Abende bei ihm in seiner Werkstatt", schwärmt der Vorsitzende vom Trabant & IFA Team Heilbronn-Hohenlohe, Marco John. "Wenn der Roland an einem DDR Fahrzeug eine Schraube entdeckt, die dort nicht hingehört, so mit Kreuzschlitz und so, dann wird die sofort ersetzt", sagt John und schmunzelt.

Ein Zelt passt auch aufs Trabidach

Vanessa Huth hat ihren eigenen Elektro-Trabi, Papa fährt einen Barkas B?1000 Bus. Danaben stellt Thomas Poszloszky aus Haberschlacht seinen Camping-Trabant ab.

 

Wendt kennt sich an den Fahrzeugen bestens aus, behebt Pannen und wechselt Teile aus, die oft nur noch schwer zu bekommen sind. Aus den Landkreisen Heilbronn, Heidelberg, Neckar-Odenwald und Hohenlohe sind die Mitglieder des Vereins.

"Die Fahrzeuge stehen halt nur noch in wenigen Garagen und daher organisieren wir für die Besitzer diese Sommertreffen", informiert Marco John. Auf einer Ausfahrt ins Jagst- und Kochertal müssen die Fahrer einige Aufgaben erfüllen. Abends gibt es Pokale und Preise.

Der Bad Rappenauer ist selbständiger Unternehmensberater und hat natürlich auch ein schnelleres Auto. Er stammt nicht aus der DDR, sondern aus Fürfeld, seine Frau ist aber aus Brandenburg. Ihr Großvater Herbert hat den Trabi P 601 mit Baujahr 1989 mit 89 Jahren noch gefahren und ihn nach jeder Fahrt mit einer Wolldecke abgedeckt. "Wenn ich ihn nicht nach Fürfeld geholt hätte, wäre er ein Blumenkübel geworden", sagt John und lacht. Großvater Herbert hat einst, wie viele DDR-Bürger, 15 Jahre auf seinen Trabi P 601gewartet.

Die Familie John unternimmt von Fürfeld aus viele Ausflüge mit dem Fahrzeug: "Egal wo wir hinkommen, wir werden umlagert und die Krückstock-Schaltung wird bewundert."